Fallstudien Österreich Tabelle 3-2: Entwicklung der Überstunden bei der ÖBB 1998 1999 2000 2001 2002 Überstunden insgesamt 6.848.909 6.357.632 6.193.859 6.176.104 6.006.549 Barabfindung 3.514.907 3.448.391 3.374.978 3.439.406 3.151.861 Stundenrest 3.334.002 2.909.241 2.818.881 2.736.698 2.854.688 Überstunden insgesamt pro Mitarbeiter 127,0 120,9 122,2 127,3 127,8 Quelle: Gewerkschaft der Eisenbahner. Nach Darstellung der Gewerkschaft werden die Lokführer bis an ihre physischen Leistungsgrenzen ausgelastet.27 „In anderen Bereichen kann die zusätzliche Arbeit auf mehrere Mitarbeiter auf- geteilt werden. Bei Lokführern ist das nicht möglich. Der Lokführer muss eins zu eins ersetzt werden. D.h. immer wenn ein Lokführer... krankheitsbedingt ausfällt, muss ich einen anderen Lokführer der planmäßig frei hat, in den Dienst holen ... D.h. dass jede zusätzliche Abwesenheit die Freizeit der anderen beschneidet. Beim Urlaub kann ich es noch halbwegs planen, bei einer mittleren Grippe-Epidemie ist es aber nicht mehr planbar.“ (Interview 4) Aufgrund der Pläne der Unternehmensleitung, das Personal weiter zu reduzieren, kam es im Herbst 2002 zu Protesten der Eisenbahnergewerkschaft, in denen Beschäftigte „Dienst nach Vorschrift“ machten, wodurch es insbesondere in der Ostregion relativ rasch zu Zugsausfällen kam. „Dienst nach Vorschrift“ wurde in den jüngsten Auseinandersetzungen um die Restrukturierung der ÖBB im Herbst 2003 erneut gemacht.28 Eine andere Veränderung betrifft die Zunahme an Nachtdiensten: Durch den Ausbau des Güterverkehrs kommt es zu einer Ausbreitung von Nachtdiensten, weil der Güterverkehr hauptsächlich in der Nacht abgewickelt wird. Früher war es üblich, dass vor allem jüngere MitarbeiterInnen für Nachtdienste herangezogen wurden, während ältere MitarbeiterInnen aufgrund der damit verbundenen hohen Belastungen nach Möglichkeit geschont wurden. Durch den allgemeinen Personalnotstand ist das heute kaum mehr möglich (Interview 10). 3.1.6. Einkommen An der Einkommenssituation der ÖBB-Bediensteten hat sich durch die Liberalisierung kaum etwas geändert. Lohnerhöhungen decken gerade einmal die Inflationsrate ab. Allerdings gab es in den letzten Jahren keine realen Lohneinbußen. Wie es ein Personalvertreter ausgedrückt hat: 27 Der Standard, 15. Oktober 2002. 28 Der Standard, 26. August 2003. 51