Fallstudien Österreich Beschäftigten wurden dann in der Folge dem Netz- oder dem Vertriebsbereich zugeteilt. D.h. dass sie nicht nur einem neuen Unternehmen zugewiesen wurden, sondern auch einer anderen Organisationseinheit angehören. Laut Personalvertretung/Betriebsrat werden durch die Liberalisierung des Gasmarktes Personalkosten ständig hinterfragt. Im Netzbereich geht der Druck primär vom Gas- regulator aus, der mit der Senkung der Durchleitungsgebühren das Unternehmen zwingt, Personalkosten einzusparen: „Wenn der Regulator sagt, er will die Durchleitungsgebühren um zehn Prozent senken, erzeugt das einen enormen Druck auf das Personal. Woanders als beim Personal zu sparen, ist im Netzbereich fast nicht möglich. Eine andere Möglichkeit wäre die Rücknahme von Investitionen, aber das würde langfristig einen Rückgang an Sicherheit bedeuten.“ (Interview 6) Die Trennung in Netz und Vertrieb führte außerdem dazu, dass getrennte Verrech- nungsmodelle eingeführt werden mussten. Die Umstellung war mit einer Reihe von Problemen verbunden, die von den MitarbeiterInnen unter hohem Zeitdruck gelöst werden mussten. Bspw. mussten die gesamte Gasverrechnung und die damit zusammen- hängenden EDV-Systeme umgestellt werden. „Vor allem in der Umstiegsphase ... der Aufwand extrem für das Personal und bis dato hat er sich auch nicht wirklich verringert, weil permanent neue Organisati- onsvorstellungen auftauchen. Insofern hat sich der Arbeitsaufwand schon deutlich erhöht, aber nicht nur wegen der Personalreduktion, sondern auch wegen der neuen Rahmenbedingungen, die auf uns hereingebrochen sind.“ (Interview 6) Seit 2000 wurde darüber hinaus zuerst im kaufmännischen Bereich (Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung, Fakturierung) und dann im Einkauf und in der Lagerwirtschaft SAP eingeführt (Wiener Stadtwerke Geschäftsbericht 2001:80). Generell kann laut Personalvertretung/Betriebsrat festgestellt werden, dass der Anteil der manuellen Tätigkeiten (bspw. Installationsarbeiten) in den letzten Jahren zugunsten von nicht-manuellen Tätigkeiten (bspw. Verwaltungsarbeiten) abgenommen hat. 5.1.4. Art der Beschäftigung Wie bereits angesprochen, wird mit der Ausgliederung langfristig der Anteil von Be- amtInnen und Vertragsbediensteten abnehmen, und jener der Angestellten nach dem Kollektivvertrag zunehmen (seit Juli 2001 werden nur noch Angestellte nach dem Kol- lektivvertrag aufgenommen). Leiharbeit gibt es, aber bis jetzt nur in einem sehr be- schränkten Ausmaß. Bspw. sind im Küchenbereich drei LeiharbeiterInnen beschäftigt. Außerdem werden in technischen Abteilungen vereinzelt LeiharbeiterInnen eingesetzt. Laut Personalvertretung/Betriebsrat werden LeiharbeiterInnen bisher nur vereinzelt ein- gesetzt, weil MitarbeiterInnen im Gasbereich sehr spezifische Kenntnisse benötigen, die LeiharbeiterInnen erst in einer längeren Einschulungsphase vermittelt werden müssten. Da LeiharbeiterInnen nur eine beschränkte Zeit eingesetzt werden können, wäre das im Moment eher unrentabel. 69