Fallstudien Österreich 7. FALLSTUDIE: ÖSTERREICH WASSERVERSORGUNG Im Vergleich zu den weiter vorne dargestellten Fallstudien, sind Auswirkungen der Liberalisierung im Bereich der Wasserversorgung in Österreich nur in Ansätzen feststellbar. Im internationalen Vergleich zeichnet sich die Wasserversorgung in Österreich nach wie vor durch ihre kleinräumige Struktur aus (Price Waterhouse Coopers 2001). Die Liberalisierung macht sich aber insofern bemerkbar, als regionale Wasserversorgungsunternehmen begonnen haben, außerhalb ihrer angestammten Regionen Dienstleistungen anzubieten, während lokale Wasserversorgungsbetriebe solche Dienstleistungen zukaufen. Darüber hinaus scheint sich punktuell ein Netz gegenteiliger Beteilungen herauszubilden (bspw. durch den Kauf der Energie AG Oberösterreich Energie von Anteilen an der Salzburg AG), und zumindest zwei landeseigene Wasserversorgungsunternehmen wurden an regionale Energieversorger verkauft. Die Beschäftigung verringert sich in jenen Unternehmen, die Dienstleistungen zukaufen, während bei den Anbietern von Dienstleistungen die Zahl der MitarbeiterInnen zum Teil sogar zugenommen hat. Ingesamt gibt es deshalb bisher keinen eindeutigen Beschäftigungstrend (die weiter vorne vorgestellten Zahlen von Statistik Austria weisen einen Beschäftigungsrückgang in der Wasserversorgung aus, während die Zahlen des Hauptverbandes auf eine Zunahme hindeuten). In einer von der Unternehmensberatungsfirma Price Waterhouse Coopers im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft erstellten Studie, wird aber auf mögliche Einsparungseffekte aufmerksam gemacht. Durch eine stärkere Regionalisierung der Wasserversorgung glaubt Price Waterhouse Coopers, dass bis zu einem Drittel der Beschäftigten in Österreich im Trinkwasser- und Abwasserbereich eingespart werden könnten (2001:75). Diese Einschätzung beruht allerdings auf den englischen Erfahrungen und auf Annahmen, welche laut Hall und Lenz (2001) aufgrund der sehr unterschiedlichen Strukturen für die österreichische Wasserwirtschaft nicht zutreffen. 7.1. Linz AG Eine expansive Wasserversorgungs- bzw. Wasserdienstleistungsstrategie verfolgt die Linz AG, die aus einer Fusion zwischen Stadtbetriebe Linz (SBL) und den ESG (Linzer Elektrizitäts-, Fernwärme- und Verkehrsbetriebe AG) hervorgegangen ist. Die Wasser- versorgung gehört vormals zur privatrechtlich agierenden SBL, die sich aber zum größten Teil im Besitz der Stadt Linz befand (wie nunmehr auch die Linz AG). Die Linz AG hat Wasserversorgung und -dienstleistungen über die Tochterfirma WDL- Wasserdienstleistungs GmbH nicht nur auf die umliegenden Gemeinden ausgedehnt (unter anderem in Form von sogenannten sale & lease back-Angeboten), sondern bietet inzwischen auch Dienstleistungen außerhalb Oberösterreichs an (nach Einstieg der Energie AG OÖ mit 35 Prozent und der Raiffeisenlandesbank OÖ mit zehn Prozent, besitzt die Linz AG noch 55 Prozent der WDL-Anteile). Unter anderem wurde ein 81