Studie ________________________________________________________________________________________ 1. FALLSTUDIE: SCHWEDEN ELEKTRIZITÄT 1.1. Hintergrundinformation zur Liberalisierung und Privatisierung des Elektrizitätssektors in Schweden Der Beginn der Deregulierung des Elektrizitätssektors in Schweden ist mit 1992 anzusetzen (SEKO 2002), als Statens Vattenfallsverk zu Vattenfall AB umgewandelt wird und die Verantwortung für die nationale Versorgung übernimmt. Vattenfall wird als privatrechtliches Unternehmen geführt (als Unternehmen mit beschränkter Haftung) bleibt jedoch zu 100% in Staatsbesitz. Der Betrieb des Stromnetzes wird organisatorisch von anderen Aktivitäten des Elektrizitätssektors getrennt und ebenfalls als eigenes Unternehmen (Svenska Kraftnät) geführt. Der Netzbetreiber wird verpflichtet gegen Gebühren Stromtransportkapazitäten anzubieten. Beaufsichtigt wird der schwedische Energiemarkt von STEM (Statens Energimyndighet), einer Organisation mit 165 Beschäftigten. Der Vertrieb auf Gemeindeebene bleibt unter Kontrolle der Gemeinde- verwaltungen (ILO 1999). 1993 wird Nordpool, ein Unternehmen zum Stromvertrieb in den nordischen Ländern, an dem sich ursprünglich Norwegen und Schweden beteiligen, eröffnet. Svenska Kraftnät kauft Nord Pool, an dem sich in weiterer Folge auch finnische (1998) und dänische (2000) Unternehmen beteiligen. 1996 erfolgt die völlige Liberalisierung bzw. Deregulierung des schwedischen Strom- marktes. Produktion und Vertrieb von Elektrizität werden freigegeben. Nicht zuletzt aufgrund preislicher Probleme bei der Versorgung der Bevölkerung mit Stromzählern wechseln nur 5% der Stromkunden den Anbieter, etwa 25% verhandeln ihren Vertrag neu (Ecotec Research and Consulting Ltd. 2001). In den folgenden Jahren werden weitere Gesetze und Richtlinien bezüglich Quersub- ventionierung, Stromzählung, Versorgungsqualität, Netzgebühren und Preisfreigabe, sowie die Sicherung ausgeglichener Preise zwischen Stadt- und Landregionen erlassen. Nach Angaben von SEKO (2002) produziert das marktdominierende Unternehmen Vattenfall etwa 50% der schwedischen Elektrizität, 21% werden von Sydkraft, das zu 55% EON gehört, und weitere 14% von Birka Energi, das in finnischem Besitz ist und zu dem auch Stockholm Energi und Gullspan Kraft gehören, hergestellt. Obwohl es insgesamt mehr als 300 Stromerzeugerfirmen gibt, kontrollieren nur 8 Unternehmen 90% des Marktes (Hemmer et al. 2002). Nach Angaben von SEKO (2002) steigen die Energiepreise aufgrund steigender Steuern für individuelle Kunden, während sie für Großkunden aus der Industrie, die von der Steuer befreit sind, fallen. Außerdem zweifelt SEKO, ob der liberalisierte Markt fähig ist, adäquate Energiereserven für problematische Jahre (Trockenheit) anzulegen. Außerdem wird die Sinnhaftigkeit des Deregulierungsprozesses bezweifelt, wenn im Endeffekt verschiedene Unternehmen in Staatsbesitz darum konkurrieren, in anderen 158