Fallstudien Schweden Staaten, in denen ein vollständiger Verkauf der Energieunternehmen erfolgte, der größte Anbieter zu werden. Aus gewerkschaftlicher Perspektive ist außerdem interessant, dass der Dachverband der schwedischen Arbeitergewerkschaften LO mit verschiedenen Stromunternehmen eine Kooperation eingegangen ist, um für seine Mitglieder einen niedrigeren Strompreis zu bekommen, was sogar kollektivvertraglich festgeschrieben wurde. 1.2. Beschäftigungsentwicklung Personalabbau Wie auch in Großbritannien führte die Deregulierung und Privatisierung des Energie- sektors in Schweden zu einem massiven Personalabbau. Nach Angaben von EPSU/EGÖD wurden in Schweden zwischen 1990 und 2001 fast 29% des Personals abgebaut. Mit der im Sektor in den letzten Jahrzehnten vorherrschende Kultur lebens- langer Beschäftigungsverhältnisse wurde gebrochen. Anscheinend wurden im Elektrizi- tätssektor Kündigungen vermieden, da ein großer Teil des Personalabbaus über Früh- pensionen und natürliche Fluktuation (‚natural wastage’ (Ecotec 2001)) erfolgen konnte. Dies sei durch den relativ hohen Altersschnitt der Belegschaften im Elektrizi- tätssektor möglich gewesen. Auch das Gesetz aus dem Jahr 1997 zur Veränderung der Beschäftigungssicherheit und zur Reduktion der unternehmerischen Verantwortung für die Beschäftigten, das auch die Möglichkeiten zu befristeten Arbeitsverträgen und für Teilzeitbeschäftigung erweiterte, unterstützten den Personalabbau im Sektor (Weinstein 2003). Zwischen 1989/90 und 1998 ging die Zahl der Beschäftigten im schwedischen Energie- sektor von 38.000 auf 25.500 zurück (Weinstein 2003, Ecotec 2001), was einer Reduk- tion von mehr als 33% entspricht. Nach Angaben der ILO wurden zwischen 1990 und 1995 in der Elektrizitätsindustrie in Schweden (ohne Vattenfall) 5.600 Beschäftigte oder 23,2% der Belegschaften abgebaut. 1995 betrug die Zahl der Beschäftigten daher nur noch 21.500. Nach Ecotec Research and Consulting Ltd. (2001), die den Beginn der Privatisierung jedoch erst mit der völligen Öffnungen des Strommarktes 1996 ansetzt, hat der Perso- nalabbau im Elektrizitätssektor schon vor der eigentlichen Privatisierung begonnen. Für Ecotec ist es daher einerseits unklar, ob sich dieser tatsächlich allein aus der Markt- öffnung ergibt, oder nicht auch aus dem technologischen Wandel. Andererseits kann aufgrund der verbreiteten Praxis der Auslagerung unterschiedlicher Unternehmensfunk- tionen keine vollständige Einschätzung der Beschäftigungsentwicklung im Bereich Energieproduktion und –distribution gegeben werden. Außerdem ist hervorzuheben, dass der Abbau auch regional sehr unterschiedlich verlief und etwa ländliche Regionen im Norden des Landes stärker betraf. Da in manchen Gemeinden die Energieproduktion den wichtigsten Arbeitgeber darstellte, hatte dies natürlich überdurchschnittlich starke Beschäftigungswirkungen auf diese Gebiete. 159