Studie ________________________________________________________________________________________ 5. FALLSTUDIE: SCHWEDEN POST 5.1. Hintergrundinformationen: Liberalisierung und Privatisierung der Postdienste in Schweden Die Liberalisierung des Postsektors in Schweden, mitunter als ‚Big Bang Approach’ be- zeichnet (The Strategia Group ohne Jg.), erfolgte in mehreren Schritten (Price Water- house Coopers 1997, ILO 2002a). So erfolgte bereits 1985 eine Redefinition der Unter- nehmensziele in Richtung Servicequalität und Wirtschaftlichkeit. 1987 erhielt das Unternehmen bereits Möglichkeiten auf Kapitalmärkten zu agieren und wurden Instrumente eingeführt zur Analyse der KonsumentInnenzufriedenheit. Nach ILO ist der Beginn der eigentlichen Liberalisierung mit dem Jahr 1991 anzusetzen, als in Stockholm der private Anbieter City Mail zugelassen wird. 1992 erhielt die Post die Erlaubnis, in beschränktem Ausmaß Preise selbst festzusetzen. 1993 wird das Trans- portmonopol der Post abgeschafft und 1994 der Staatsbetrieb zu Posten AB, also einem eigenständigen Unternehmen im Eigentum des Staates. Da Posten AB der marktdomi- nante Anbieter ist, wird das Unternehmen verpflichtet Universaldienste im Bereich der Postdienstleistungen zu erbringen, wofür das Unternehmen keine Kompensation erhält (ILO 2002a). Durch die Liberalisierung entstehen eine Reihe neuer Anbieter. Die verschiedenen Quellen sprechen von anfänglich 60-80, von denen ein großer Teil schon bald nach der Liberalisierung gegründet wurde. Da viele der Unternehmen in der Anfangsphase staatliche Unterstützungen erhalten, ist ihre Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer schwer einzuschätzen. PLS Ramboll (2002) gibt daher in einer Studie für die EU-Kommission die Zahl der privaten Anbieter mit 20-22 an, von denen die meisten nur 3-5 Beschäftigte haben. Post&Telestyrelsen (2002) geht davon aus, dass die meisten privaten Anbieter Einmannunternehmen darstellen. Zu den größten Anbietern neben Posten AB, das Mitte der 90er noch mehr als 95% des Marktes in den verschiedenen Bereichen kontrollierte (Price Waterhouse 1999) gehören City Mail mit etwa 1.500 Beschäftigten (von denen 1.100 Dienstleistungen der Briefpost erbringen) (PLS Ramboll Management A/S 2002). 5.2. Beschäftigungsentwicklung 5.2.1. Personalabbau Im schwedischen Postsektor hat im letzten Jahrzehnt ein massiver Personalbbau stattgefunden, der durch neuentstandene Arbeitsplätze bei privaten Anbietern nicht wettgemacht werden kann. Insbesondere der ehemalige Staatsbetrieb Posten AB scheint 180