Studie_________________________________________________________________________________________ Zielvorgaben, Personalbeurteilung, Mitarbeitermotivation, symbolische Remuneration etc. eingeführt. ? In den meisten privatisierten Unternehmen öffentlicher Dienstleistungen werden Lehr- und Ausbildungsstellen für Jugendliche massiv gekürzt und nur noch nach Unternehmensnotwendigkeiten besetzt. ? In den meisten Sektoren wird auch eine Verschlechterung der Ausbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten sichtbar. Qualifizierungsmöglichkeiten werden auf Kernpersonal beschränkt. Arbeitsaufgaben werden dequalifiziert. ? Maßnahmen zur Frauenförderung, wie sie etwa bei der Deutschen Bahn unter dem Titel ‚Chancengleichheit für Frauen’ eingeführt wurden, werden als wenig geeignet kritisiert, Benachteiligungen von Frauen (etwa bei der Entlohnung, Qualifizierung etc.), abzubauen. Verschlechterung der Bedingungen kollektiver Interessenvertretung ? In den untersuchten Ländern und Sektoren haben sich die Gewerkschaften entschie- den, die Maßnahmen zur Liberalisierung und Privatisierung öffentlicher Dienstleis- tungen zu akzeptieren. So dies möglich ist, versuchen sie zu kooperieren, um den Umwandlungsprozess mitgestalten zu können und die Beschäftigungsbedingungen der Belegschaften zu sichern. Dem gingen – national unterschiedlich und nicht unbe- dingt in den untersuchten Sektoren – längere Auseinandersetzungen und Konflikte voraus. ? Die Gewerkschaften entscheiden sich daher zu Zugeständnissen, um den Übergang sozialverträglich zu gestalten. Dieser wird z.B. in sogenannten Bündnissen für Be- schäftigung (etwa bei der Bahn in Deutschland) geregelt. ? Auf national unterschiedliche Weise führen die Liberalisierungen und Privatisierun- gen zur Fragmentierung und Dezentralisierung der industriellen Beziehungen und der Kollektivverträge. Dies scheint in Großbritannien, aber auch in Schweden stärker ausgeprägt zu sein, was im Kontext der jeweiligen Entwicklung der industriellen Beziehungen in diesen Staaten zu sehen ist. ? Nach der Privatisierung versuchen Unternehmen Kollektivvertragsverhandlungen oder gültige Kollektivverträge aufzukündigen oder gar gewerkschaftlicher Interes- senvertretungen in ihren Betrieben (so etwa in Großbritannien) nicht mehr anzuer- kennen. ? In vielen Sektoren ist eine Reduktion der kollektiven Repräsentation der Beschäftig- ten (etwa der Betriebs- und Personalräte) feststellbar, d.h. Belegschaften können nur noch eine geringere Zahl von Personen, die ihre Interessen gegenüber dem Unter- nehmen vertreten, wählen. ? Auch wenn die Gewerkschaftsführungen und die großen Gewerkschaften ihre Erfolge in der Abwendung von Kündigung und der Erhaltung von Kollektivverträgen betonen, sind doch wachsende Konflikte innerhalb der Gewerkschaften aber auch zwischen Gewerkschaften feststellbar. Immer wieder versuchen die Unternehmens- führungen Gewerkschaften gegeneinander auszuspielen. 190