Jetzt auch Online: www.wirtschaftundumwelt.at 2/200324 • Wirtschaft & Umwelt lenwasserstoffe. Da es erst ab der 1. Warn- stufe (Ozonkonzentration 300 µg/m? als Dreistundenmittelwert) die Möglichkeit der Vorschreibung verpflichtender Emissions- drosselungen bot, blieb es insgesamt zahn- los. Das Immissionsschutzgesetz-Luft (IG- L) BGBl. I Nr. 115/1997 führte als Zielwert der Konzentration zum dauerhaften Schutz der menschlichen Gesundheit 110 µg/m? als Achtstundenmittelwert (MW8) ein und lag damit nahe am Gesundheitsschutzwert von 120 µg/m? (gleichfalls als MW8), den die EU mit der Richtlinie 2002/3/EG über den Ozongehalt der Luft festlegt (siehe Tabelle). Nicht in Folge der Ozongesetzgebung, sondern dank der europaweiten Einführung des Abgaskatalysators bei Kraftfahrzeugen, aber auch durch die Vermeidung von Koh- lenwasserstoffemissionen aus gewerblichen Quellen, gingen zwar in der zweiten Hälfte der 90er Jahre die höchsten sommerlichen Ozonspitzen merklich zurück. Gleichzeitig ließen jedoch neuere umwelthygienische Studien befürchten, dass die steigende Dau- erbelastung an Ozon über die Lebensspanne eines Menschen zu ernsthaften Beeinträchti- gungen der Atmung führen könnte. Welche engen Schranken einer Politik der lokalen und kurzfristigen Senkung der Emission von Ozonvorläufern gesetzt sind, zeigte eine von R. Freigassner, H. Prähofer und F. Pichler am Institut für Systemwissenschaften der Johan- nes-Kepler-Universität Linz mit dem Simu- lationsprogramm REGOZON durchgeführte Studie: Sie ergab, dass sich durch die kurz- zeitige örtliche Drosselung der Quellen (In- dustrie und Verkehr) selbst im unrealistisch hohen Ausmaß von 70 Prozent die Ozonbil- dung windabwärts des Linzer Ballungsrau- mes nur um ca. zehn Prozent verringern wür- de (vgl. Abb. 2). Um die steigende Tendenz bei der Ozon- Dauerbelastung während des Sommerhalb- jahrs umzukehren, bedarf es einer in der EU (einschließlich der demnächst zu den Mit- gliedern zählenden ostmitteleuropäischen Staaten) abgestimmten Politik zur großräu- migen Verminderung der Emissionen an Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen, wie sie mit der Richtlinie über die nationalen Emissionsobergrenzen vorgezeichnet ist. Ei- ne solche zukünftige Ozonpolitik wird den motorisierten Verkehr noch einmal anpacken müssen, und zwar nicht nur mit technischen Maßnahmen an den Fahrzeugen, sondern auch mit einem europäischen Verkehrs- systemmanagement. Ansonsten droht ihr das Schicksal der ersten Generation von Ozon- regelungen, deren Scheitern nur durch ande- re griffigere Luftreinhalteinstrumente wett- gemacht wurde.  WIENER LUFT Wien ist Umweltmusterstadt und hat auch im internatio- nalen Vergleich eine sehr hohe Lebensqualität. Trotzdem gibt es zahlreiche Projekte, um den erreichten Standard noch auszubauen. Schon seit Jahren setzt sich Wien dafür ein, auch die Luftqualität zu verbessern. Über die Früchte dieser Bemühungen und weitere Projekte sprach Wilfried Leisch mit der Wiener Stadträtin für Umwelt, Dipl.-Ing. Isabella Kossina. Wo liegen die vordringli- chen Probleme der Luft- belastung in Wien? Kossina: Emissionen aus dem Verkehr oder aus In- dustrie und Gewerbe müssen weiterhin redu- ziert werden. Wien nimmt Klimaschutz und damit Luftqualität ernst. Vorausschauender Um- weltschutz hat höchste Priorität. Investitionen in Umwelttechnik auf fort- geschrittenstem techni- schen Niveau sind not- wendig, um Wiens Luft weiterhin zu verbessern. Die Stadt Wien selbst, geht hier seit Jahren mit sehr gutem Beispiel vor- an, sei es im Rahmen des Klimaschutzprogramms (KLIP) oder des Ozonpla- nes. Welche Initiativen setzt Wien zur Verbesserung der Luft? Kossina: Der Ausbau öf- fentlicher Verkehrsmittel, energetische Gebäu- desanierung, die Förde- rung erneuerbarer Ener- gieträger, der ÖkoBussin- essplan oder die Ein- führung von Umweltma- nagementsystemen in Amtshäusern, sind nur einige Beispiele für Wi- ens Vorzeigeprojekte. Ziel des KLIP ist die Ver- ringerung der jährlichen CO2-Emissionen um 13 Prozent sowie um 1,2 Mil- lionen Tonnen anderer Treibhausgase bis zum Jahr 2010. Schon seit Jahren setzt Wien auf thermische Abfallverwer- tung auf höchstem tech- nischen Niveau. So ent- stehen aus Abfall Strom und Wärme. Mit dem Bau eines Biomassekraftwer- kes geht Wien diesen vorbildhaften Weg weiter. Die Klimaschutzmaßnah- men der letzten zehn Jahre im Wiener Wohn- bau entsprechen der Einsparung von 187.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Das ist dieselbe Schadstoff- menge, die jährlich durch den permanenten Ver- zicht auf 91.000 Mittel- klasse-PKW eingespart würde. Um das KLIP-Ziel zu erreichen, müssen bis 2010 zu den bereits 227.000 auf Fernwärme umgestellten Wohunun- gen weitere 94.000 Haushalte angeschlossen werden. Dazu wurde kürzlich die Förderaktion Fernwärme beschlossen. Für den Austausch be- sonders umweltschädi- gender Kohleheizungen und den Austausch von Öl- und Strom und Gas- heizungen gibt es Förde- rungen von 23 bis 33 Prozent. Was unterscheidet Wien von anderen Großstäd- ten? Kossina:Wien hat inter- national eine sehr hohen Lebensqualität, liegt in der EU sogar auf Platz 1. Der Grund für diesen Er- folg liegt unter anderem darin, dass in Wien schon 1979 begonnen wurde, die Kraft- und Fernheiz- werke zu modernisieren und mit sauberen Rauch- gaswäschen zu versehen. Bei der Energieversor- gung wird auch weiterhin auf umweltfreundliche Energieträger wie Fern- wärme oder Erdgas ge- setzt. Vorsorgender, inte- grativer Umweltschutz zählt zu den wichtigsten Zielen: Projekte wie Öko- kauf (Ökologisierung der gesamten städtischen Beschaffung) oder PUMA (Umweltmanagementsy- steme in Amtsgebäuden) laufen auf Hochtouren. Was sind die Wünsche oder Forderungen von Wien an den Bund? Kossina: Den größten Handlungsbedarf sehe ich bei Verkehrsmaßnah- men. Es ist höchste Zeit, dass die Bundesregie- rung Rahmenbedingun- gen schafft, die der Ko- stenwahrheit im Verkehr Rechnung tragen und ei- ne wirkungsvolle Reduk- tion von Emissionen österreichweit zum Ziel haben. Im Zusammen- hang mit der EU-Richtli- nie über nationale Emis- sionshöchstgrenzen, durch die Österreich zu einer massiven Redukti- on seiner Stickoxidemis- sionen bis zum Jahr 2010 verpflichtet ist, müssen die Arbeiten un- verzüglich aufgenommen werden. Wien wird in sei- nem eigenen Wirkungs- bereich jedenfalls weiter- hin seinen Beitrag lei- sten, um die vorgegebe- nen Ziele zu erreichen. SCHWERPUNKT