Jetzt auch Online: www.wirtschaftundumwelt.at  Betrieb 2/200326 • Wirtschaft & Umwelt formation der kritischen Öffentlichkeit, im Unternehmensrating liegt ein weiterer Grund für ihre Erstellung. Von leitfadenge- stützten Nachhaltigkeitsberichten erhoffen sich die privatwirtschaftlichen Ratingagen- turen verlässliche und vergleichbare Unter- nehmensangaben. Diese sind für das Ran- king innerhalb der verschiedenen Sustaina- bility-Aktien-Indizes (www.sustainability- index.com) und somit für Pensionskassen oder andere Kapitalmarktakteure relevant, die ökologisch und ethisch korrekte Inve- stitionsmöglichkeiten suchen. Die Bedeu- tung für den Kapitalmarkt hat nicht zuletzt zum gehobenen Interesse der Konzerne an der Nachhaltigkeitsberichterstattung ge- führt. Die Gründe sind also vielfältig. Was aber steckt in den Berichten? Meist bekennen sich die Unternehmen eingangs zum Nachhaltig- keitsansatz. Danach werden oftmals die Fir- mengrundsätze bezogen auf Umwelt, Perso- nal, Gesellschaft erläutert. Der eigentliche Datenteil folgt entweder der Dreigliederung Wirtschaft, Umwelt und Soziales, oder aber die Leistungen des Unternehmens werden thematisch nach Umwelt, Wirtschaft, Sozia- les, globale Verantwortung, bzw. auf be- stimmte Zielgruppen bezogen (Mitarbeiter, NGO, Gesellschaft) dargestellt. Hinsichtlich Umfang und Tiefe überwiegt meist der Um- weltabschnitt. Darin spiegelt sich die Logik wider, die Umweltberichte durch die Her- einnahme von Angaben aus der vorliegenden Unternehmensbilanz oder dem Geschäftsbe- richt und – falls vorhanden – aus den Sozial- oder Personalberichten oder anderweitigen Quellen zu Nachhaltigkeitsberichten auszu- bauen. Dem entsprechend ist zum Beispiel der erste derartige Bericht der Energie-Versor- gung Niederösterreich AG (EVN) von 2001/2002 aus dem zuvor vorgelegten Um- welt- und Sozialbericht hervorgegangen, welcher mehrere Umweltberichte als Vor- läufer hatte. Umwelt- und Geschäftsberichte sind hinlänglich bekannt. Interessant ist da- her, was im Bereich Soziales/Gesellschaft aufgelistet wird. Hier sind Angaben zum Per- sonalbestand, zu Arbeitszeitmodellen, zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, zu Aus- und Weiterbildungsprogrammen, zum Frau- en- und Ausländeranteil an den Beschäftig- ten und zur Zusammenarbeit mit der betrieb- lichen Interessenvertretung oder zu Sozial- audits bei Auslandsniederlassungen und Zu- lieferern zu finden. Vereinzelt sind auch An- gaben zum tarifpolitischen Engagement der Unternehmen zu finden. Oftmals münden diese Darstellungen darin, das Unternehmen als innovativen Arbeitgeber vorzustellen. Er- ie Veröffentlichung dieser Berichte zeigt, dass sich Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen nicht mehr nur auf Umweltschutz beschränkt, sondern zunehmend auch die ökonomische und soziale Dimension einer nachhaltigen Entwicklung einbezogen wird. Das kommt der von gesellschaftlichen Gruppen und den ei- genen Beschäftigten geäußerten Anspruchsvielfalt ge- genüber den Unternehmen entgegen. Sie wollen die Firmen nicht nur an der Entwicklung von Aktienwert und Gewinn oder an den ökologischen Folgen der Pro- duktion gemessen sehn, sondern auch daran, wie vor- teilhaft die Arbeitsbedingungen sind und welchen Bei- trag die Unternehmen zum Funktionieren der Gemein- schaft leisten. Insbesondere von den globalen Konzer- nen wird Rechenschaft verlangt. Unternehmen wie Ni- ke oder Shell sind erst durch massive Boykottdrohun- gen sensibilisiert worden. Nicht zuletzt solche Kon- frontationen haben zur Ausarbeitung von Leitfäden für integrierte Nachhaltigkeitsberichte geführt. Hervorzu- heben ist hier die „Global Reporting Initiative“ (GRI). Im deutschsprachigen Raum kann in diesem Zusam- menhang auf das Modellprojekt des Instituts für Öko- logische Wirtschaftsforschung (IÖW) und des Instituts für Markt-Umwelt-Gesellschaft (imug) verwiesen werden (www.nachhaltigkeitsberichte.net). Unterneh- men ab 500 Beschäftigte werden in der EU-Nachhal- tigkeitsstrategie dazu aufgefordert, eine entsprechende „dreifache Bilanz“ vorzulegen. Nachhaltigkeitsberichte dienen aber nicht nur der In- SEBASTIAN BRANDL ist Diplom Volkswirt und Diplom Sozial- ökonom und promoviert zu so- zialer Nachhaltigkeit und indu- striellen Beziehungen am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, brandl@wz-berlin.de  N A C H H A L T I G B E R I C H T E N Kaum hat man sich auf die von immer mehr Firmen regelmäßig veröffentlichten Umweltberichte eingestellt, werden sie schon wieder durch umfassendere Nachhaltigkeitsreports ersetzt. Auch österreichische Unternehmen sind dabei. Zeit also der Frage nachzugehen, was es mit ihnen auf sich hat und worin sie sich von den mittlerweile bekannten Umweltberichten un- terscheiden.  VON SEBASTIAN BRANDL DIE DRITTE DIMENSION D