Umweltpolitik 3/200410 • Wirtschaft & Umwelt www.wirtschaftundumwelt.at Die Biokraftstoff-Richtlinie der EU und ebenso der Entwurf zur österreichischen Kraftstoffverordnung stellt es den Verkäufern von Treibstoffen frei, auf welche Weise sie die genannten Ziele erreichen. Als Biokraft- stoffe kommen alle flüssigen oder gasförmi- gen Kraftstoffe in Betracht, die aus Biomas- se hergestellt werden. Darüber hinaus können die Ziele auch mit „anderen erneuerbaren Kraftstoffen“ erreicht werden, also solchen, die zwar nicht aus Biomasse, aber aus ande- ren erneuerbaren Energiequellen stammen – man denke zum Beispiel an Wasserstoff, der aus Solarstrom erzeugt wird. Diese haben je- doch mengenmäßig derzeit keine Bedeutung. Daher ist in der Folge nur von Biokraftstof- fen die Rede. Den Verkäufern von Treibstoffen werden auch keine Vorgaben gemacht, ob sie die Biokraftstoffe unvermischt verkaufen oder ob sie diese den konventionellen Treibstoffen beimengen. Hier sind nicht so sehr die recht- lichen Vorgaben als die technische Verwend- barkeit der Kraftstoffe ausschlaggebend. Welche fossilen Treibstoffe können tech- nisch durch Biokraftstoffe ersetzt werden? Zum einen kann Diesel durch Biodiesel teil- weise oder gänzlich ersetzt werden, eine Möglichkeit, mit der bereits einige Erfahrung besteht. Schon jetzt wird beispielsweise an manchen ländlichen Tankstellen reiner Bio- diesel angeboten, der vor allem zum Antrieb von Traktoren verwendet wird. Viele neuen Dieselfahrzeuge sind heute schon darauf aus- gelegt, dass dem Diesel ein gewisser Anteil an Biodiesel beigemengt ist. Zum anderen können dem Benzin be- stimmte biogene Stoffe zugesetzt werden. Benzin ist in dieser Hinsicht aber empfindli- cher als Diesel. In beschränktem Ausmaß kann dem Benzin Ethanol, also der her- kömmliche Alkohol, beigemischt werden. Weiters ist es möglich, dem Benzin an Stelle von Methyl-Tertiärbutylether (MTBE), dem üblicherweise verwendeten Antiklopfmittel, Ethyl-Tertiärbutylether (ETBE) zuzusetzen, der aus biogenen Materialien erzeugt wird. Die vollständige Synthese von Kohlen- wasserstoffen, dem Hauptbestandteil kon- ventioneller Treibstoffe, auf der Basis bioge- ner Materialien ist viel zu aufwändig und kommt daher nicht in Frage. Nur Methan kann – mit Hilfe fleißiger Bakterien – auf die- se Weise erzeugt werden, es wird dann als Biogas bezeichnet. Immerhin, es gibt be- stimmte Fahrzeuggruppen, die mit Erdgas fahren, bei ihnen ist Biogas als Treibstoff theoretisch eine Option. Zunächst zum Biodiesel: Er wird in einem relativ einfachen chemischen Prozess, einer sogenannte Umesterung, aus Pflanzenölen SCHNAPSIDEE ALS BIOSCHMÄH  B I O K R A F T S T O F F E Geht es nach dem Landwirtschaftsminister, so sollen bald hohe Mengen an Biokraftstoffen im österreichischen Verkehr eingesetzt werden. Da- mit soll ein wesentlicher Beitrag zur Verringerung der Treibhausgas- emissionen geleistet werden. Doch bei näherer Betrachtung ist dieser Vorschlag unausgegoren – der Einsatz von Biokraftstoffen ist ineffizient und extrem teuer.  VON CHRISTOPH STREISSLER A ls ich ein Kind war, kursierte unter uns das Gerücht, dass in der Sow- jetunion so viel Wodka gebrannt würde, dass dort im Notfall sogar die Autos damit betankt werden könnten. Wir hätten uns nicht träumen lassen, dass eine Generation später die Sowjetunion der Geschichte angehören würde, aber der Einsatz von Alkohol als Treibstoff bei uns Wirklichkeit werden sollte. Biokraftstoffe, also Kraftstoffe, die aus Pflanzen statt aus Erdöl gewonnen werden, gelten allgemein als besonders umwelt- freundlich. Sie tragen – zumindest auf den er- sten Blick – nicht zur Emission von Treib- hausgasen bei, sind bioabbaubar und schwe- felfrei und ersetzen fossile Rohstoffe. Als kli- maneutral gelten sie, da bei ihrer Verbren- nung genau die Menge an Kohlendioxid (CO2) freigesetzt wird, die die Pflanzen, aus denen sie gewonnen wurden, beim Wachs- tum der Atmosphäre entzogen haben. Der Landwirtschaftsminister hat daher kürzlich eine Verordnung mit dem Ziel vor- geschlagen, dass ab April 2005 der Marktan- teil von Biokraftstoffen an den verkauften Kraftstoffen 2,5 Prozent betragen soll. Ab April 2007 soll der Anteil auf 4,3 Prozent stei- gen und bereits ab April 2008 auf 5,75 Prozent. Dies soll dadurch erreicht werden, dass Ver- käufer von Kraftstoffen (Benzin und Diesel) verpflichtet werden, dass ein Teil der von ih- nen verkauften Kraftstoffe biogenen Ur- sprungs ist oder aus anderen erneuerbaren Energien stammt. Mit dieser Novelle der Kraftstoffverord- nung soll die EU-Richtlinie 2003/30/EG über Biokraftstoffe in österreichisches Recht um- gesetzt werden. Freilich verkürzt der Land- wirtschaftsminister im österreichischen Vor- schlag die Fristen, die zur Erreichung der ent- sprechenden Anteile von der EU empfohlen werden. Dafür wird er zu Recht kritisiert. Doch schon die Grundidee der EU-Richtlinie ist grundfalsch. Biokraftstoffe halten nicht, was sie ver- sprechen. Betrachtet man nämlich ihren ge- samten Lebensweg von der Erzeugung der Biomasse über die Verarbeitung bis zur ener- getischen Verwertung, so zeigt sich, dass die scheinbaren Vorteile dahinschmelzen. In manchen Fällen sind die Umweltauswirkun- gen des Einsatzes von Biokraftstoffen sogar negativer als die von fossilen Kraftstoffen. Fast unnötig zu erwähnen, dass Biokraftstof- fe nicht aus „biologischem Landbau“ stam- men, sondern aus sehr konventionellem, also unter Einsatz von reichlich Düngemitteln und Pestiziden erzeugt werden. Damit sind Bio- kraftstoffe eine der teuersten und ineffizien- testen Möglichkeiten, die Klimaziele zu er- reichen, da sie wenig oder gar keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. DR. CHRISTOPH STREISSLER ist Chemiker und Mitarbeiter der Abteilung Umwelt & Verkehr in der AK Wien.