www.wirtschaftundumwelt.at3/2004 Wirtschaft & Umwelt • 19  Nachhaltiger Tourismus mit 345.652 Flugbewegungen bereits um 8,9 Prozent mehr als im Vergleichszeit- raum 2003 registriert. Ein Wachstum mit Folgen: Schon jetzt erzeugt die Luftfahrt durch ihren Kerosin- verbrauch jährlich 300 Millionen Tonnen Treibhausgase (CO2-Äquivalent) und ist damit derzeit global für rund zwei Prozent der Folgewirkungen von Treibhausgasen verantwortlich, wenn man die weitaus größere Klimaschädlichkeit der in Flug- höhe entlassenen Schadstoffe nicht berück- sichtigt. Bei Fortsetzung der zu beobach- tenden Trends werden im Jahr 2050 rund 15 Prozent der Wirkungen von Treibhaus- gasen durch den Luftverkehr verursacht werden. Wie beim Autoverkehr entstehen auch bei der Verbrennung von Flugbenzin Koh- lendioxid, Stickoxide, Kohlenwasserstof- fe, Ruß und Schwefeldioxid. Bezogen auf den Verbrauch pro hundert Kilometer schneidet das Flugzeug mit etwa 5,2 Litern Dieseläquivalent gegenüber sechs Litern beim Auto (bei jeweils durchschnittlicher Auslastung) nicht so schlecht ab. Die öko- logische Gefahr resultiert aus den großen Entfernungen. Bereits bei einem Flug von Köln nach New York (rund 12.000 Kilo- meter hin und zurück) entstehen pro Passa- gier genau so viele Schadstoffe, wie ein durchschnittlicher Pkw in einem ganzen Jahr verursacht. Was die Situation ver- schärft, ist die Tatsache, dass die Emissio- nen aus dem Flugverkehr in großer Höhe in einer besonders sensiblen Schicht der At- mosphäre entlassen werden, wo Schadstof- fe viel länger verweilen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Abgase aus dem Luftverkehr um ein Vielfaches klima- schädlicher sind als in Bodennähe entlas- senen und derzeit mindestens dreimal so viel zum Treibhauseffekt beitragen wie die Emissionen aus dem bodennahen Verkehr. So ist anzunehmen, dass die Bedeckung mit Kondensstreifen in Mitteleuropa schon Ende der 1990er Jahre eine Erwärmung verursachte, die mindestens so hoch ist wie der Effekt der Kohlendioxidemissionen. Der weltweite Flugverkehr steht für ein Ausmaß an Treibhausgasemissionen, das die gegenwärtigen Emissionen der Indu- striestaaten bis 2012 voraussichtlich um mehrere Prozent erhöhen wird. Etwa drei Viertel des weltweiten Flugaufkommens entfallen derzeit auf den Personentrans- port, und rund die Hälfte der weltweit 130 Millionen Tonnen Flugtreibstoff, die pro Jahr für zivile Zwecke verbrannt werden, werden für den Flugtourismus verbraucht. Dabei ist es insgesamt nur ein geringer Pro- zentsatz der Weltbevölkerung, der das Pri- vileg des Fliegens in Anspruch nehmen kann – nämlich fast ausschließlich Bewoh- ner der reichen, industrialisierten Länder. D as rasante Wachstum des Flugver- kehrs ist eine Bedrohung für das Weltklima und es ist dringend gebo- ten, (verkehrs-)politische Maßnahmen zu setzen. Ein Flug kann, je nach Entfernung, Flughöhe, Flugzeugtyp und Auslastung bis zu hundert Mal klimaschädlicher sein als eine Reise mit der Bahn. Die fortgesetzte Subventionierung des Flugverkehrs auf Kosten der Umwelt und der daraus resul- tierende Boom des Billig-Flugtourismus machen Klimaschutzbemühungen zunich- te. Sie sind Ausfluss einer auf nationaler und internationaler Ebene verfehlten Ver- kehrspolitik, die letztendlich im Klimakol- laps enden muss. Das rasche Wachstum des Flugverkehrs ist Folge der direkten und indirekten Sub- Wolkige Aussichten: Schadstoffe aus dem Luftverkehr sind drei Mal so klima- schädlich wie bodennahe Emissionen. FO TO : S C H U H