www.wirtschaftundumwelt.at3/2004 Wirtschaft & Umwelt • 23  Nachhaltiger Tourismus für die Betroffenen darstellen. Im folgenden sollen dazu einige Daten und Fakten darge- stellt werden, um einen Überblick über die Branche – auch in Relation zu anderen Bran- chen – zu geben. Fest steht: Sowohl, was die Entlohnung, als auch das Ausmaß und die Lage der Arbeitszeit betrifft, gehören die im Tourismus Beschäftigten zu den am stärk- sten benachteiligten Arbeitskräften. Im Beherbergungs- und Gaststättenwesen lag das Medianeinkommen der monatlichen Bruttoverdienste der unselbständig Beschäf- tigen 2002 mit 1.194,1 Euro um 36 Prozent unter jenem von anderen Branchen. Weniger verdienen nur Beschäftigte in privaten Haus- halten und in der Landwirtschaft. Häufig wird hier das Argument vorgebracht, dass Trinkgelder in dieser Statistik nicht auf- scheinen und einen hohen Einkommensan- teil der Beschäftigten ausmachen. Dem ist allerdings nicht so: Nur ein geringer Teil der in diesem Bereich Tätigen kann überhaupt Trinkgelder lukrieren. Auch was die Arbeitszeiten betrifft, so sind die Beschäftigten in der Tourismus- branche eher die Ausnahme denn die Regel: Im Durchschnitt arbeiten die Hälfte der Be- schäftigten zumindest manchmal am Sams- tag und fast ein Drittel an Sonntagen. Im Tourismus beträgt dieser Anteil 80 Prozent bzw. zwei Drittel. Fast ein Viertel der im Gastgewerbe und in Küchenberufen Tätigen leistet Überstunden. Diese Arbeitszeiten ha- ben natürlich auf die Gesundheit der Arbeit- nehmerInnen Auswirkungen. Mittels Mikrozensus- bzw. Auswertun- gen der Allgemeinen Unfallversicherungs- anstalt (AUVA) und Interviews wurde vom Forschungsinstitut Forba versucht, einzelne gesundheitsbelastende Faktoren der Touris- musbeschäftigten auszuwerten (siehe Grafik Seite 22). Das Institut kommt zu folgendem Schluss: „Der Faktor, der die Arbeit der im Beherbergungs- und Gaststättenwesen Be- schäftigten am meisten prägt, ist Zeit“. Da- durch, dass Gäste – sei es in Hotels, sei es in Restaurants – immer zu bestimmten „Stoß- zeiten“ kommen und dies gleichzeitig mit dem Anspruch, dass der Kunde König ist, be- wältigt werden muss, kommt es zu einem sehr hohen Zeitdruck für die Beschäftigten. Mehr als die Hälfte von ihnen nennen daher jeweils „Arbeit unter Zeitdruck“ (ca. 60 Pro- zent), „unregelmäßigen Arbeitsanfall“ (ca. 56 Prozent), und „dauernden Parteienver- kehr“ (ca. 52 Prozent) als berufliche Bela- stung. Dieser Prozentsatz liegt über alle Branchen betrachtet wesentlich niedriger nämlich bei 40 Prozent bis max. 54 Prozent („Arbeit unter Zeitdruck“). Darüber hinaus handelt es sich um Ar- beitsplätze, die zum einen ein hohes Unfall- risiko (Stolpern, Ausgleiten, Werkzeuge), zum anderen aufgrund körperlich anstren- gender Tätigkeiten eine hohe Krankheits- häufigkeit aufweisen. Einseitige Belastun- gen, wie Heben oder Tragen (Serviceperso- nal), Bücken (Etagenpersonal) führen zu ent- sprechenden Erkrankungen. Aber auch die Umwelteinflüsse, wie schlechte Luft bzw. Hitze in Restaurants oder Küchen, wirken sich auf den Gesundheitszustand der Er- Aufkochen für’s Gästewohl. Doch brodeln tut’s nicht nur in der Küche. Ist schlech- te Entlohnung im Tourismus der Preis für „Wellness” und Wohlbefinden der Gäste? FO TO : SC H U H