www.wirtschaftundumwelt.at3/2004 Wirtschaft & Umwelt • 27 reagiert wurde, nämlich durch eine Verbesse- rung des Alarmsystems, um in Zukunft noch rascher reagieren zu können. Auch einige kleinere Probleme im Wasserbereich werden geschildert und was dagegen getan wurde. M-real hat den Sprung aus der Defensive geschafft. Das Halleiner Unternehmen, Teil eines finnischen Konzerns mit 29 Standorten und über 20.000 MitarbeiterInnen in ganz Europa, ist regionalpolitisch ein Schlüssel- betrieb. Rund 780 MitarbeiterInnen, 30 Lehrlinge, eine Jahresproduktion von 143.000 Tonnen Zellstoff und 262.000 Ton- nen Papier, 221 Millionen Euro Umsatz und eine Exportquote von 92 Prozent - das sind die nüchternen wirtschaftlichen Kenndaten. Mit häufigen Eigentümerwechseln galt die Papierfabrik als Problemfall und eher als Nachzügler unter den Sanierern. Glückli- cherweise hat sich die Firmenleitung aber vor ein paar Jahren zur Flucht nach vorne entschlossen: angefangen haben sie mit den ISO-Zertifikaten 9001 und dann 14 001. Seit zwei Jahren sind sie aber auch EMAS-zerti- fiziert. „Wenn schon, dann wollten wir gleich die beste Zertifizierung erreichen“, sagt Ramsauer. Er ist schon seit 1960 im Un- ternehmen und kennt daher alles wie seine Westentasche: Geschichte, Probleme, Mitar- beiterInnen und die Leute im Ort. Bei denen schaut er auch immer wieder mal „auf einen Kaffee“ vorbei, damit man im Gespräch bleibt und hört, was sie so sagen. Und viel- leicht selber hört, ob es denn lärmt, vom Be- trieb drüben. Oder stinkt, wenn die Kläran- lage grad mal in der Windfahne liegt. „Das ist mir wichtig, mit den Leuten hier gut auszukommen, schließlich leben wir hier“, sagt Ramsauer, selbst früher Be- triebsratsmitglied, und verteidigt die selbst- kritische Umwelterklärung auch gegenüber der finnischen Konzernleitung. Die hätte gerne „andere“, vielleicht „schönere“ Infor- mationen in dem Bericht gehabt. Aber die- sen Wünschen ist er nicht nachgekommen, weil das seiner Meinung nach in einem Um- weltbericht nichts zu suchen hat. Er ist der Auffassung, dass so ein Umweltbericht in erster Linie für MitarbeiterInnen im Betrieb und für die Leute in der Gegend da ist. Die erste Umwelterklärung hat er noch selber am PC gemacht, ohne großartiges Layout und ohne Firmenfarben – was der Konzern- leitung nicht gefallen hat –, dafür aber gleich so, dass ihn alle verstehen können und er ihn als Informationsbroschüre im Betrieb verwenden kann. „So was hat es ja zusammengefasst bisher nicht gegeben, das wollte ich dann gleich weiter verwenden“. Dafür ist der Bericht dann auch im Vorjahr mit dem EMAS-Preis 2003 vom Lebensmi- nisterium ausgezeichnet worden. Das hat ihm viel Anerkennung gebracht, auch bei  Betrieb Gerollt fühlten sich schon viele Anrainer von den Umweltberichten so mancher Firmen. Der Nachhaltig- keitsbericht der Papierfabrik M-real rollt aber auf dem richtigen Gleis. FO TO : M -R EA L/ R O B ER T R AT ZE R