Leben 3/200430 • Wirtschaft & Umwelt www.wirtschaftundumwelt.at len organischen Materialien ansiedeln, be- sonders gut in feuchtwarmem Klima, das heißt bei hoher Luft- oder Materialfeuchtig- keit. Da wir uns in unseren Wohnungen bei ähnlichen Bedingungen wohlfühlen wie der Pilz, findet er in unserer Nähe häufig opti- male Wachstumsbedingungen. Optimale Le- bensbedingungen findet Schimmel ab rund 20°C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent oder einer Materialfeuchte von 20 Prozent oder mehr. Schimmel ist aber ein ungeliebter Gast, da er unsere Wohnqualität und Gesundheit be- trächtlich beeinträchtigen kann. Häufig be- merkt man den stillen Kostgänger erst nach einiger Zeit, da er bevorzugt im Verborgenen gedeiht. Schimmelpilz hat immer mit Feuch- tigkeit an oder in Bauteilen zu tun und ist ver- breiteter als man denkt. Untersuchungen aus europäischen Großstädten berichten über- einstimmend, dass etwa ein Drittel des Ge- bäudebestands mit Schimmelproblemen zu kämpfen hat. Meist erzeugen die BewohnerInnen die Feuchtigkeit, die das Schimmelwachstum auslöst, selbst. Falsches oder unzureichen- des Lüften geben dann dem Schimmel die Bahn frei. Vor allem in sanierten Altbauten und da besonders in den Plattenbauten der sechziger und siebziger Jahre, treten „schwüles“ Raumklima und in Folge Schimmelpilzrasen auf. Die Häuser sind nach der Sanierung bes- ser wärmegedämmt und haben neue, dichte Fenster. Das ist von der Energieeffizienz her sehr begrüßenswert, doch feuchte Luft wird dann nicht mehr durch undichte Alt-Fenster „indirekt“ abgeführt, sondern staut sich, wenn das Lüftungsverhalten nicht der neuen Situation angepasst wird. Wasserdampf schlägt sich im Winter an den kältesten Stel- len im Raum nieder. Schimmelpilze brau- chen Feuchtigkeit zum Leben und siedeln sich dann an diesen kalten, feuchten Stellen,  M A U E R S C H I M M E L Schimmel in unseren Wohnungen ist ein allgegenwärtiges Problem, in Altbauten wie auch neuen Häusern. Das Auftreten von Schimmelpilzen ist immer mit hoher Luft- oder Materialfeuchtigkeit gekoppelt. Nur wenn es uns gelingt, übermäßige Feuchtigkeit zu vermeiden oder die Ursache dafür zu beseitigen, wird unser Heim frei von Schimmelpilzen und ihrem gesundheitsgefährdenden Potenzial sein. Oberflächliche Kosmetik nützt in der Schimmelbekämpfung wenig und auch bei der Wahl der Mittel ist Vorsicht geboten. Manche im Handel angebotene Produkte sind mindestens so gesundheitsgefährdend wie der Pilz. Be- standaufnahme und Abhilfe.  VON PETER KURZ chimmelpilze sind biologisch gesehen faszinierende Le- bewesen und spielen in der Natur eine wichtige Rolle beim Abbau organischer Substanz. Es gibt mehr als 100.000 Ar- ten weltweit, von denen einige hundert in unseren Woh- nungen vorkommen können. Aspergillus, Cladosporium, Penicillum, Alternaria und Rhizopus sind die Arten, wel- che sich am häufigsten bei uns einnisten. Sie bestehen aus einem sogenannten Myzel, einem feinen, weit verzweig- ten Gewebe, an dessen Enden Fruchtkörper sitzen, die Un- mengen von Pilzsporen an die Raumluft abgeben (manche Arten bis 20 Mio./Min). Diese Sporen sind in Innenraum- und Außenluft immer und überall präsent. In der Regel sind sie in der Außenluft häufiger als in Innenräumen. Sie können sich auf fast al- DR. PETER KURZ ist Biologe und Baubiologe und Bera- ter für gesundes Bauen und Wohnen im Kompe- tenzzentrum BauenWoh- nenEnergie von „die um- weltberatung“ Wien. S TIPPS UND INFOS ZU SCHIMMELBEFALL „GESUNDHEITSSCHONENDE“ ENTFERNUNG SCHIMMEL ABWASCHEN mit 20-prozentiger Sodalauge (300 g Kristallsoda in 1 Liter Wasser auflösen) oder 30-prozenti- gem Wasserstoffperoxid oder 70-prozentigem Ethylalkohol (Weingeist). Die genannten Mittel sind im Drogeriefachhandel oder in Apotheken erhältlich. Vorsicht! Soda und Wasserstoffperoxid sind ätzende Chemikalien! Wasserstoffperoxid ist ein starkes Bleichmittel! Unbedingt geeignete Schutzhandschuhe und Schutzbrille tragen! Mit einem durchtränkten Lap- pen die sichtbaren Schimmelstellen etwa 30 cm über deren Rand hinaus abreiben oder das Schimmelmittel mit einer klei- nen Lackwalze aufbringen, Mauer vorher mit einem Wärmestrahler trocknen. Nach ein paar Tagen den Vorgang wiederho- len, bis die behandelten Flächen gut abgewaschen sind. Individuelle Beratungen bei Schimmelproblemen bietet „die umweltberatung“ an. Unter www.umweltberatung.at können Infoblätter zum Thema Schimmel, aber auch zu vielen anderen Bereichen des gesunden Bauens und Wohnens, kostenlos heruntergeladen werden. Information und Bestellung unter 01/80 33 232. UNGELIEBTE BESUCHER