3/200432 • Wirtschaft & Umwelt kontro:verse BIOSPRIT: WAS HAT DIE UMWELT DAVON? Verkehrsbereich zu erzielen und hat konse- quent den Rechtsrahmen dafür geschaffen. Bei der Umsetzung steht Österreich nicht alleine da. Vorreiter ist derzeit Frankreich mit rund ein Prozent Beimischung. Bis 2007 soll die Produktion verdreifacht wer- den, 2010 soll das Ziel von 5,75 Prozent Beimischung erreicht sein. Österreich, das zu den Pionieren beim Biodiesel zählt und zu den führenden Bio- masse-Nationen gerechnet werden kann, will ebenfalls diesen Weg mitgehen. Zunächst, um CO2 im Verkehrsbereich ef- fizient einzusparen. Ein weiterer wichtiger Punkt, den die EU ebenfalls im Auge hat, ist, die Versor- gungssicherheit und ein Stück mehr Unab- hängigkeit von den Erdölproduzenten zu erreichen. Jeder Prozentpunkt aus heimi- scher Biomasse erzeugte Energie schafft mehr Sicherheit. Das ist angesichts der Krisenregionen der Erde sowie der stei- genden Terrorismusgefahr ein wichtiges Argument – sowohl für die Konsumenten als auch für die Wirtschaft. Und letztlich geht es um knapper wer- dende Ressourcen und steigende Preise. Der Einsatz von nachwachsenden Rohstof- fen wirkt bereits derzeit kostendämpfend für Konsumenten. Biodiesel ist heute an der Tankstelle billiger als konventioneller Diesel. Das ist nicht immer so, aber wahr- scheinlich immer öfter der Fall. DR. GERHARD POPP ist Jurist, stellvertretender Leiter der Präsidialsektion und Pressesprecher im Lebensministe- rium. D er Straßenverkehr hat im letzten Jahr die Industrie erstmals bei den CO2-Emissionen überholt. Und die Dynamik ist weiterhin enorm. Wachsendes Gütervolumen mit LKW, steigende Mobi- lität im Beruf und in der Freizeit führen nicht nur immer häufiger zu Staumeldungen, sondern verpesten zunehmend die Luft und stellen Österreichs Klimaschutzziele in Frage. Es ist klar, dass diese Entwicklung nicht hin- genommen werden kann. Für den Umweltmini- ster wie auch für die lärm- und schadstoff- belastete Bevölkerung ist Abhilfe ein Muss. Mehr Kostenwahrheit im Güterverkehr lautet eine Antwort, die zur Einführung der LKW- Maut geführt hat. Seit Jänner heurigen Jahres ist schwefelfreies Benzin flächendeckend eingeführt. Dort, wo die Staubbelastungen zu hoch sind, kann mit Geschwindigkeitsbegren- zungen gegengesteuert werden. Die nächsten Aktionen stehen ebenfalls schon fest: Die Förderung von Rußpartikelfiltern in Dieselfahrzeugen, um die Luft sauberer zu machen, und der breitflächige Einsatz von Biotreibstoffen, um die CO2-Belastung zu senken. Das alles erfolgt nach einem schlüssigen Konzept, das EU-weit umgesetzt wird. Zugegeben, wir sind schneller als andere, aber wir ha- ben in Österreich auch eine besondere Umweltqualität zu verteidigen. Bei der Einführung von Biotreibstoffen geht es zunächst einmal da- rum, CO2 zu reduzieren. Österreich hat sich zu einem Reduktionsziel von 13 Prozent verpflichtet. Erreichen wir das nicht, dann müssen wir international Zertifikate teuer zukaufen oder Strafzahlungen leisten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns gehörig anstrengen. In der österreichischen Klimastrategie ist deshalb festgelegt, dass je- der Sektor seinen Beitrag leisten muss. Die Industrie genauso wie der Wohnbau, die Haushalte und der Verkehr. Eine Debatte, die dar- auf abzielt zu sagen, im Wohnbau, bei der Althaussanierung oder bei der Wärmeversorgung sei effizienter CO2 zu sparen, liegt falsch. Je- der Sektor muss seinen Beitrag zum Gesamtziel leisten. Die EU-Kommission bezeichnet die Forcierung von Biokraft- stoffen als die effizienteste Maßnahme, um eine CO2-Reduktion im pr o: DR. GERHARD POPP Biokraftstoffe sind die effizienteste Maßnahme, um ei- ne CO2-Reduktion im Verkehrsbe- reich zu erzielen. www.wirtschaftundumwelt.at