ürde man eine Ge- samtenergiebilanz von Siedlungseinhei- ten herstellen (inklu- sive Erstaufwand zur Errichtung sowie der Erhaltungsaufwände von technischer Ver- und Ent- sorgungsinfrastruktur sowie der Verkehrsinfrastruktur), so wäre bei energetisch ungünstigen bzw. infrastrukturell aufwändi- gen Bebauungs- und Siedlungs- formen ein nicht unbeträchtli- cher Aufschlag beim Energie- verbrauch je Einzelhaus und je m?Wohnfläche hinzuzurechnen: Somit kann das Passiv-Haus „amWaldesrand“ (eventuell mit angeschlossener Dreifach-Ga- rage), ohne entsprechende infra- strukturelle Anbindung energie- technisch nicht allein aufgrund seiner gutenWärmedurchgangs- Kennwerte positiv beurteilt wer- den. Aus raumplanerischer Sicht und aus Gründen der Nachhal- tigkeit ist das Ziel die gesamt- heitliche Optimierung. Es sollen nicht nur Einzelobjekte, sondern ganze Siedlungseinheiten be- trachtet werden, um so eine kompakte Bebauung mit mög- lichst kurzen Wegen zu errei- chen.Gleichzeitig ist großesAu- genmerk darauf zu legen, dass hohe Wohnqualität gesichert ist. Zwei Faktoren sind bei der Neuanlage von Siedlungen ent- scheidend: Zunächst die Wahl des Standortes. Hier gilt: Je inte- grierter, also, je näher der Stan- dort zu den zentralen Einrich- tungen wie Einzelhandel, Schu- len und Kindergärten, Ärzten undÄmtern ist, desto besser. Ein weiterer Schlüssel zur Senkung vonErschließungsaufwänden ist ein Bebauungsplan, der auf en- ergieoptimierte Bauweisen ab- gestellt ist. Die energieeffiziente Erschließung und Situierung von Baugebieten bedeutet so- wohl für die Gemeinde als auch für die einzelnen BauwerberIn- nen eine große finanzielle Entlastung. SCHLAUER MIX Bei derAuswahl eines geeig- neten Standortes für eine neue Siedlung müssen für die energe- tische Optimierung Vorüberle- gungen zu den topographischen Gegebenheiten, zu Beson- nung/Beschattung sowie zur Wind- und Nebelhäufigkeit ge- macht werden. Aber auch die Entfernung zu den Anschluss- punkten an die Ver- und Entsor- gungsnetze gilt es zu berück- sichtigen, ebenso die Nähe zu Haltestellen öffentlicher Ver- kehrsmittel. Bei derAusgestaltung der ei- gentlichen Siedlung, also bei der Anlage von Fuß- und Radwegen und Flächen für den motorisier- ten Verkehr sowie der Ausge- staltung der Baufelder ein- schließlich der Parzellierung, gilt es einen schlauenMix unter- schiedlicher Bauweisen anzu- bieten. Grundsätzlich kann man festhalten: je kompakter, desto energieeffizienter. Da sich die heutige Nachfrage allerdings nicht auf Geschoßwohnungen allein beschränkt, ist es zumeist erforderlich, auch Reihenhäuser bzw. Bauten in geschlossener Bauweise anzubieten. Das klas- sische freistehende Einfamilien- haus, das zu einer Bebauung führt, die von Siegfried Kautz, Raumplaner und Energieex- *DI Hans Emrich, MSc ist Raumpla- ner und Organisationsberater und Ge- schäftsführer von Emrich Consulting ZT-GmbH – Raumplanung + Kommuni- kation, www.emrich.at ENERGIEAUSWEISSIEDLUNG  Seit Anfang 2009 ist der Energieausweis für Gebäude aufgrund einer EU-Richtlinie in Österreich, auch bei Ver- mietung und Verpachtung, verpflichtend. Bekannt ist der Energiekennwert von A bis G, von grün bis rot, bei Elek- trogeräten, wie z. B. Kühlschränken, schon länger. Gesamtsysteme wurden in diese Betrachtungen bis dato eher nicht aufgenommen. So erscheint es grotesk, dass man für ein (wiewohl gut gedämmtes) Einfamilienhaus, auf freiem Feld, weitab der nächsten Siedlung, die höchste Wohnbauförderung bekommen kann, ohne dass die damit entstehenden Energieaufwände für Ver- und Entsorgung und Mobilität berücksichtigt werden. VON HANS EMRICH * www.wirtschaftundumwelt.atSEITE 10 WIRTSCHAFT & UMWELT 2/2009 F O T O S : S C H U H (1 ) POLITIK BETRIEB LEBEN Folgenreich Der Infrastrukturkosten-Folgerechner wird imAuf- trag des Amts der NÖ Landesregierung, Abt. Raum- planung und Regionalpolitik, erstellt, in Zusammen- arbeit mit dem ILS - Nordrhein-Westfahlen (www.ils- forschung.de) und Emrich Consulting. Hintergrund I Salzburger Institut für Raumordnung &Wohnen (Hrsg., 2007), Infrastrukturkostenstudie Salzburg – Zusammenhänge von Bebauungsart und -dichte so- wie Erschließungskosten: www.salzburg.gv.at/infrastrukturkosten_web-2.pdf W ZUSAMMEN FA S S UNG : Für eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit von Er- schließungskosten in den Gemeinden spielt die Standort- undBebauungsplanungeinewichtigeRolle.Mithilfedes„En- ergieausweises für Siedlungen“ kann die Gesamtenergieef- fizienz von Siedlungen dargestellt werden. Anhand der defi- nierten Parameter können anhand einer Kategorisierung verschiedeneBebauungsvariantenanverschiedenenStand- ortenmiteinander verglichenwerden.