www.arbeiterkammer.at WIRTSCHAFT & UMWELT 3/2010 SEITE 3 F O T O S : S C H U H (5 ) EDITORIAL DAS IST SCHON VIEL EMOTION IN DER LANDWIRTSCHAFT. Ein Bau- ernbundpräsident rastet völlig aus und soll einen Buchautor als vorbe- straften Kriminellen und Auftragneh- mer einer ihm nicht genehmen politi- schen Partei bezeichnet haben. Der Autor hat postwendend geklagt. Nun gut, der rurale Mensch ist manch- mal ein bisschen heftiger, aber das übersteigt doch auch die Grenzen der noch normalen ländlichen Erdigkeit. Die agrarische Erregung hat einen Grund: jahrelangwurdemühsaman ei- nem schnuckeligen Image gearbeitet – die Landwirtschaft, das sind jene er- digen kleinen Landwirte, die inmühsa- mer beschwerlicher Arbeit für die an- deren die Kulturlandschaft hegen und pflegen – sozusagen die Landschaft erst erschaffen. Und dafür gebühren diesen kleinen Landwirten auch ein paar Förderungen. Durch das „Schwarzbuch Landwirtschaft“ ist aber klar geworden, dass die Agrar- förderungen nicht bei den vielzitier- ten Bergbauern, sondern bei Großbau- ern und Agrarfunktionären landen. Zusätzlich stellt sich die österreichi- sche Landwirtschaft als Steueroase mit vielen Sonderregelungen dar: 97 Prozent aller Bauern sind von der Ein- kommensteuer befreit. Herbst ist's und die Bauern ziehen wie- der mit hübsch geschmückten Trakto- ren zum Erntedankfest. Es ist Zeit zu feiern undDank abzustatten, aber auch um nachzudenken: soll mit Steuergeld wirklich derGroßgrundbesitz gefördert werden, wollen wir wirklich mit Essen heizen und mit Essen tanken, um die Profite der Agrarkonzerne zu steigern, und: ist es wirklich vertretbar, mit sub- ventionierten Landwirtschaftsexpor- ten die Agrarstrukturen in Entwick- lungsländern zu zerstören? Erntezeit – Nachdenkzeit … ThomasRitt ERNTEDANK- AUSRASTER INHALTSVERZEICHNIS IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber Bundesarbeitskammer Prinz-Eugen-Str. 20–22, 1040Wien Telefon 01/501 65-DW E-Mail wirtschaft.umwelt@akwien.at Redaktion Mag. Thomas Ritt (Leitung, DW 2629), Dr. Wilfried Leisch (Redakteur) Sekretariat Ingrid Schmid (DW 2424) Grafisches Konzept Jakob Fielhauer, www.feelhower.com Layout & Infografik Michael Haderer, www.design-apotheke.com Coverfoto Erwin Schuh Druck UEBERREUTER Print und Digimedia, 2100 Korneuburg Die in Wirtschaft & Umwelt veröffentlichten Artikel geben nicht notwendigerweise die Meinung der Bundesarbeitskammer wieder. ISSN 1028-4664 www.wirtschaftundumwelt.at BETRIEB MIGRANTISCHE ÖKONOMIE  Auf Straßen, Märkten oder Baustellen gehören sie zum Stadtbild, in vielen Firmen arbeiten sie als Beschäftigte: MigrantInnen. Zug um Zug fassen sie auch in Form von Betrieben und Ge- schäften im Wirtschaftsleben Fuß. Einige von ihnen streben nun eine Öko-Aus- zeichnung an. Seite26 LEBEN AUFGETISCHT  Umweltfreundlich feiern. Von der Ein- ladung bis zum Zusammenräumen gibt es viele kleine Dinge, die ein gelungenes und gleichzeitig umweltfreundliches Fest ausmachen. Eine durchdachte Planung vermeidet Hektik und Zeitnot im letzten Moment. Tipps und Tricks für das Öko- Fest. Seite30  Einbahnstraße Landwirtschaft? Der Norden lässt im Süden produzieren. Nah- rungsmittelanbau für Treibstoffe wird als „ökologisch“ oder „bio“ verkauft. Auch in Österreich. Das steigert Konzerngewinne und globale Armut. Agrarförderung gibt den Großen statt den Kleinen. Die Ernte ist ungerecht verteilt! Abgeerntet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Tanknahrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Falsch verteilt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 Interview über Agrarförderungen mit Buchautor HansWeiss . . . . . . . . . . 24 SCHWERPUNKT: GLOBALE ERNTE UZ-Platz- halter