emiSSioNSZertiFikAte fleXible reserVe Als beihilfe? Mit dem EU-Klima- und Energiepaket von April 2009 wurde unter anderem der EU-Emissionshandel ab 2013 geregelt. Dies soll nun mit einer No- velle des Emissionszertifi- kategesetzes (EZG) in öster- reichisches Recht umgesetzt werden. Brisant dabei: In der laufenden Periode wurde „neuen Marktteilnehmern“ ein Vorschuss an Emissions- rechten gewährt, die der Bund in der Folgeperiode zurück haben wollte. Dies wurde als „flexible Reserve“ bezeichnet. Nutznießer der flexiblen Re- serve sind vor allem drei EVU, die neue Gaskraftwerke gebaut hatten. Die Rückzahlung – es handelt sich um etwa 90 Mil- lionen Euro – funktioniert nun aber nicht wie vorgesehen, da ab 2013 nicht mehr Österreich, sondern die EU-Kommission die Zertifikate zuteilt. Wenn die begünstigten Unternehmen den Vorschuss aber nicht zu- rückzahlen, dürfte dies als un- zulässige Beihilfe einzustufen sein. Daher hat die AK in einem Brief an die Abgeordneten eine andere Lösung des Problems gefordert. CS pkw-emiSSioNeN ÖkomAscherl für ps-boliden In Deutschland soll analog zur Regelung bei diversen Elektrogeräten auch für PKW ein Öko-Label einge- führt werden. An und für sich eine gute Idee, so gibt es laut Verkehrsclub Deutschland besonders bei deutschen Herstellern wenig ökologische Fahrzeuge. Nach *Mag. Thomas Ritt ist Volks- wirt, Mitarbeiter der Abteilung Umwelt und Verkehr in der AK Wien und leitet die Redaktion von Wirtschaft & Umwelt. NACHRiCHteN Nun gut, so schlendert man weiter übers Erntedankfest mit dem praktisch-heimischen Plastikbierkrug in der Hand und sinniert über die Heimat: Berlakovich sagt, dass unsere Agrar- exporte um 21 Prozent gestiegen sind – ein „All Time High“; noch mehr „Rind- und Schweine- fleisch, Käse sowie Obst und Gemüse“ an Ausländer verkauft – haben offensichtlich keine eigene Heimat diese Ausländer - va- terlandslose Gesellen sozusagen, die müssen ja unsere kaufen! „Essen ist Heimat!“ – und wir verscherbeln unsere für ein paar Silberlinge … Schaut so aus, als ob diese „Blutwurst und Boden“-Mentalität zu nichts Sinnhaftem führt. Die Realität ist auch viel komplexer als bodenständige Marke- tingsprüche: Heimisches Essen aus Intensiv- landwirtschaft ist meist gut, hat aber oft auch negative Auswirkungen auf Grundwasser, Arten- vielfalt und Bodenquali- tät. In vielen Bereichen wird auch Fleisch so erzeugt, dass man mit gutem Recht von Tierquälerei reden kann. Auch ist trotz vielen Mar- ketings dafür regionale Erzeugung nicht immer besser für die Umwelt. Wer etwa mit Importsoja mästet, vervielfacht die Transportwege und damit die Umweltbe- lastung im Vergleich zu importiertem Fleisch. Und wer glaubt, dass Tiroler Schinkenspeck aus alpinen Schweinen gemacht werden muss, findet sich ganz schnell in holländischen Zucht- betrieben wieder. Wer „Heimat“ achtet und sie erhalten will, muss auf „Heimat“ Rücksicht nehmen und auch einmal einen Profit liegen lassen. Auch bei der Produktion. Niemand erwartet ernst- haft, dass so produziert wird wie in den diversen Werbespots von Bauer und Schweinderl. Aber ein bisserl weniger, z. B. Roundup Spritzmittel- einsatz oder Widerstand gegen das Verbot quälerischer Muttersau- haltung, darf’s für die Heimat schon sein. kommeNtAr VoN tHomAS ritt blUtwUrst Und boden Ein interessantes Motto hatte das Erntedankfest des Wiener Bauernbundes: „Essen ist Heimat!“ Im ersten Moment bleibt man etwas sprachlos zurück mit dem Gedanken: Essen ist Heimat – und was ist dann Ausland – etwa das Endprodukt von Essen? kommeNtAr VoN ruuD kleiN www.arbeiterkammer.at Wirtschaft & UmWelt 3/2011 Seite 5 www.ak-umwelt.at