Responsibility“ (CSR). Die Kampagnen gegen Kinderarbeit bei Herstellern von Sportschuhen haben dazu geführt, dass Firmen wie Adidas, Nike oder Puma hier freiwillige Verhaltenskodizes angenom- men haben, die Kinderarbeit ausschlie- ßen. Doch dieser Ansatz stößt an zwei Grenzen: Zum einen verpflichten sich nur Firmen dazu, die im Rampenlicht stehen, während Billigproduzenten oder Unternehmen, die nicht für Endverbrau- cher produzieren, keinen Anreiz sehen, sich derartigen Verhaltensnormen zu unterwerfen. Zum anderen ist es fraglich, wie streng die angenommenen Normen tatsächlich sind und ob sie eingehalten werden, da meist die Firmen selbst die Kontrolle darüber behalten. Neben den freiwilligen Instrumenten kommt daher verbindlichen Regelungen eine große Bedeutung zu. Dabei geht es in einer globalisierten Wirtschaft um bilaterale oder multilaterale Abkommen und internationale Verträge. Denn ein- seitige Schritte – etwa Importverbote für Produkte, bei deren Herstellung beson- ders gefährliche Chemikalien eingesetzt wurden – sind typischerweise nach den Regeln der Welthandelsorganisation WTO verboten. StrAteGiSCHer ANSAtZ FÜr 2020 Neben den bestehenden internationa- len Abkommen zu Chemikalien (siehe Seite 15) ist ein weiteres Instrument in diesem Zusammenhang SAICM, der „Strategic Approach to International Chemicals Management“. Dabei handelt f o t o s : s c h U h ( 2 ), G e t t y im a G e s /a d r ia n W e in B r e c h t ( 1) Gerade in der Herstellung von Elektronikprodukten ist die Vorstellung weit verbreitet, dass ausgefeilte Maschi- nen von einer kleinen Zahl von Techni- kern in makelloser weißer Laborkleidung bedient werden – ein Bild, das die Indus- trie gern vermittelt. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Vor allem in Entwicklungs- ländern werden viele Arbeitsgänge von einer unvorstellbar großen Zahl von Ar- beitern und vor allem Arbeiterinnen hän- disch durchgeführt. Häufig werden dabei ätzende oder giftige Chemikalien einge- setzt, ohne dass ausreichende Schutzmaß- nahmen getroffen werden. Die Informati- on über die Gefährlichkeit der Stoffe ist unzureichend, die Gefahren werden von den Arbeitgebern heruntergespielt, eine unabhängige Arbeitsinspektion ist nicht vorhanden, und gewerkschaftliche Orga- nisation, mit der zumindest grundlegende Rechte durchgesetzt werden können, ist in vielen Staaten verboten. Wer krank wird, verliert den Arbeitsplatz und steht ohne soziale Sicherung da. Überstunden sind an der Tagesordnung, Arbeitszeiten von 60 Stunden pro Woche sind üblich, um das karge Grundgehalt aufzubessern. Dass es dabei häufig zu Unfällen kommt, liegt auf der Hand. Wenn der Protest ge- gen diese Bedingungen zu heftig wird, brechen die Unternehmen ihre Zelte ab und suchen eine noch weiter entfernte Weltgegend auf – mit niedrigen Arbeits- kosten und hoher Arbeitslosigkeit – und der Zyklus beginnt von Neuem. Dieses Muster ist nicht neu. Zunächst wurde der Boom in Silicon Valley in Kalifornien, der Wiege der Elektronikin- dustrie, enthusiastisch begrüßt. Doch als sich zeigte, welches Ausmaß Umwelt- verschmutzung und Gesundheitsschäden bei den ArbeitnehmerInnen annahmen, mehrten sich die Proteste. Engagierte AktivistInnen gründeten Organisatio- nen wie die „Silicon Valley Toxics Co- alition“ oder „Worksafe“, die für eine Verbesserung der Umwelt- und Arbeits- bedingungen kämpften. Manche Elek- tronikfirmen reagierten, indem sie die Qualitätsstandards für die Arbeitsplätze und den Schutz vor gefährlichen Chemi- kalien verbesserten. Andere Hersteller verlagerten die Produktion jedoch in Ent- wicklungsländer, wo Arbeitsrechte und Umweltstandards kaum existierten und wo zusätzlich die Arbeitskosten bedeu- tend geringer waren. Ähnliche Beispiele lassen sich mehrfach finden. wie reAGiereN? Es wäre verfehlt, deshalb Elektro- und Elektronikprodukte zu verteufeln. Zum einen bringen sie – neben persönlichem Vergnügen – Vereinfachungen und Produktivitätssteigerungen in der Ar- beitswelt, zum anderen ist das Problem ja nicht auf Handys und Computer be- schränkt. Ähnliche Muster zeigen sich in allen produzierenden Sparten, so etwa in der Textilindustrie (siehe Artikel auf Sei- te 18-20 dieses Schwerpunktes) und in vielen Sparten der Grundstoffindustrie. Eine mögliche Reaktion ist, als Kon- sumentIn kritisch zu hinterfragen, unter welchen Bedingungen die Waren her- gestellt und entsorgt werden. Unterneh- men, die einen Ruf zu verlieren haben, reagieren darauf, wie die Erfahrung zeigt. Beispielsweise führt Apple seit einigen Jahren – als Reaktion auf die Kritik an den Arbeitsbedingungen bei seinen Zu- lieferbetrieben – Audits dieser Firmen durch und achtet auf „Corporate Social Arbeitsbedingte Gefahren Die englische gewerkschaftsnahe Zeitschrift „hazards magazine“ berichtet regelmäßig über arbeitsbedingte Gefahren weltweit, unter ande- rem im Zusammenhang mit Chemikalien www.hazards.org Stockholmer Konvention Informationen zur Stockholmer Konvention über persistente organische Schadstoffe, welche Stoffe erfasst sind und welche Staaten sie ratifiziert haben, finden sich unter www.pops.int. Exportkontrolle Die Internet-Seite der Basel-Konvention über den Export gefährlicher Abfälle findet sich unter www. basel.int. Die NGO „Basel Action Network“ setzt sich für noch strengere Kontrollen ein www.ban.org www.ak-umwelt.at Die DuNkle Seite Der CHemikAlieN Nach Schätzungen der ILO, der Internationalen Arbeitsorganisation der UNO, sterben jedes Jahr weltweit etwa zwei Millionen Menschen in Folge ihrer Arbeit, 439.000 davon (22 Prozent) wegen der Einwirkung gefährlicher Chemi- kalien. Von 160 Millionen Erkrankungen im Zusammenhang mit der Arbeit sind 35 Millionen auf Chemikalien zurückzuführen. Seite 16 Wirtschaft & UmWelt 3/2011 ? schwerpUnkt chemikAlien hAben VielfÄltige nUtZen. ihre sichere VerwendUng ist ein Ziel, dAs nUr weltweit erreicht werden kAnn. CHemie globAl