www.arbeiterkammer.at Wirtschaft & UmWelt 3/2011 Seite 19 1996 wurden im indischen Bundes- staat Tamil Nadu, einem Zentrum der Lederproduktion für führende Weltmarken, rund 600 Lederbe- triebe als Folge einer öffentlichen Umweltinteressensklage wegen Nichteinhaltung nationaler Umweltstandards gerichtlich geschlossen. Dieses Urteil des indischen Obersten Gerichtshofs löste eine Reihe ähnlicher Verfah- ren, u.a. gegen die Textilindustrie in der indischen „T-Shirt City“ Tirupur, aus. Die meisten Leder- betriebe konnten nach Umsetzung der erforderlichen Verbesserungs- maßnahmen u.a. mit technischer Unterstützung seitens Organisatio- nen wie UNIDO und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ab 1998 wieder öffnen. Über einen speziell eingerichteten Fonds musste die Industrie für die Umweltschä- den aufkommen. umweltSCHÄDeN iN iNDieN Abgegolten? ECHA Aufgabe der European Chemicals Agency der EU ist es, die Lebensqualität durch die Gewährleistung der sicheren Anwendung chemischer Stoffe und die Förderung von Innovationen zu verbessern. www. echa.europa.eu IFC Die Internationale Finanz-Corporation (IFC) ist eine Gesellschaft der Weltbankgruppe. 1956 gegründet, hat sie die Aufgabe, zur Verringerung der Armut in den weniger entwickelten Ländern beizutragen. www.ifc.org ILO Die International Labour Organization soll soziale Gerechtigkeit, Menschen- und Ar- beitsrechte fördern. www.ilo.org tet ein gelegentlich zitierter zynischer Kommentar, „denn sie können allein an der Farbe der Flüsse die Modefarben der nächsten Saison erkennen.“ Soweit gesetzliche Vorgaben vorhan- den sind, etwa zu sicherem Umgang und Entsorgung von Chemikalien, fangen sie langsam an zu greifen. Die zuständigen Aufsichtsbehörden verweisen auf feh- lende Kapazitäten und Ressourcen, aber auch auf politische Einflussnahme. In den Unternehmen führen mangelndes Bewusstsein und unzureichendes Wis- sen über die Gefahren und den richtigen Umgang nicht nur in Notfallsituationen zu negativen Konsequenzen für Umwelt und Gesundheit und auch zur Verschwen- dung von teuren Produktionsmitteln. HerAuSForDeruNGeN Derartige punktuelle Bestandsauf- nahmen der Umwelt- und Arbeitsbe- dingungen in Produktionsbetrieben in vielen dieser Länder leisten sicherlich Argumenten wie Umwelt- und Sozial- dumping Vorschub. Gleichzeitig sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass, oft unbeachtet von der Öffentlichkeit, Entwicklungen und Bemühungen in Richtung einer Verbesserung von Um- welt- und Arbeitsschutzbedingungen in diesen Ländern in Gange sind. Bei Un- ternehmensbegehungen ist schnell an den unterschiedlich guten Umwelt- und Arbeitsbedingungen erkennbar, ob ein Unternehmen für bekannte internationa- le Firmen produziert (zumeist moderne Betriebe), in die Kategorie der Billig- produzenten fällt oder hauptsächlich den lokalen Markt bedient. Trotz aller kriti- scher Hinterfragung der Effektivität und Reichweite von freiwilligen Verhaltens- kodizes internationaler Firmen haben derartige Verpflichtungen in vielen Län- dern den Weg für eine Verbesserung des Schutzniveaus auf breiter Basis bereitet. Heute arbeiten europäische Firmen und Viele Fabriken in der Dritten Welt produzieren wie bei uns vor 60 Jahren. gesetZliche VorgAben ZUm sicheren Um- gAng mit Und ZUr entsorgUng Von chemi- kAlien fAngen lAngsAm ZU greifen An.