www.arbeiterkammer.at Wirtschaft & Umwelt 2/2017 Seite 29 Der Bedarf an öffentlichen Mitteln für die Neuerrichtung von Erschließungs- straßen und Siedlungswasserbauten ist in Streusiedlungsgebieten um das bis zu 5-fache höher als in geschlossenen Ortschaften, in Suburbanisierungsge- bieten („städtisches Umland“) um das bis zu 10-fache höher als in städtischen Gebieten. Richtwerte für die Erschlie- ßungsinvestitionskosten je Wohneinheit (Straße, Wasser, Kanal) liegen für kompakte Ortschaften bei € 7.300,– bis € 18.200,–, für Orte mit großen Baulandreserven bei € 21.800,– bis € 29.100,–, für Streusiedlungen bei € 29.100,– bis über 40.000,–. Die Folgekosten einer ungesteuerten Siedlungsentwicklung anhand des für Straßenbau, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung erforderlichen Investitionsvolumens werden in Öster- reich von 1991 bis 2010 auf rund € 19,3 Milliarden geschätzt. Diese werden zu 47 % von Bund und Länder, zu 16 % von den Gemeinden und zu 37 % von den Gebührenzahlerinnen/-zahlern getragen. Eine Broschüre der AK Niederösterreich liefert Daten und Lösungsansätze https://media.arbeiterkammer.at/noe/ pdfs/Bodenlos.pdf Wie groß ist eigentlich ein Fußballfeld? Beim Flächenverbrauch wird heutzutage gerne in Fußballfeldern gemessen. Wie groß ist jetzt eigentlich so ein Fußball- feld? Dazu gibt es unterschiedliche Angaben, je nachdem, von wem oder für für welches Spiel es genützt wird. Im Internet werden bei den Umrechnungen zum Fußballfeld die Maße 68x105 m angegeben, was 7.150 m2 entspricht. Bei einem Bodenverbrauch von 16,1 Hektar/ Tag könnte also täglich in 22 österreichi- schen Gemeinden ein Fußballfeld errichtet werden. Österreich wäre damit bei der kommenden Weltmeisterschaft sicher sehr gut aufgestellt, bei all dem Nachwuchs. Hoppla, da wurde was verwechselt. Diese Fläche ist ja dann versiegelt und für´s Fußballspiel nicht mehr verfügbar :( . Flächenverbrauch in Österreich in ha/Tag Zielwert 15,0 20,0 28,0 26,0 16,0 16,0 16,0 2,5 17,0 22,0 27,0 23,0 20,0 23,0 14,0 0,0 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 5,0 10,0 15,0 20,0 25,0 30,0 FLÄCHENVERBRAUCH VOLKSWIRTSCHAFTLICHE KOSTEN DER ZERSIEDELUNG tik Austria nahm die gesamte Flächeninanspruchnahme (Bau- und Ver-kehrsflächen, Sportan- lagen, Infrastrukturflächen) in den Jahren 2001 bis 2015 um 23,1 % zu, was einer Zunahme von 1.043 km? für diese Jahre entspricht. Damit wuchs die Flächeninanspruchnahme im Beobachtungszeitraum deutlich schneller als die österreichische Bevölkerung (+7,3 %). Bereits im Jahr 2002 wurde bei der Erstellung der österreichi- schen Nachhaltigkeitsstrategie die ungebremste Entwicklung des Bodenverbrauchs erkannt und der Zuwachs dauerhaft ver- siegelter Flächen auf 2,5 Hektar/ Tag als Ziel festgelegt. Die Steigerung des Lebens- standards und der Traum vom Eigenheim im Grünen sind die ursächlichsten Gründe für den hohen Bodenverbrauch. So ist laut Statistik Austria die durchschnittliche Fläche einer Wohnung im Hauptwohnsitz von 86,3 m2 im Jahr 1994 auf 99,2 m2 im Jahr 2016 gestiegen ist. Das Einfamilienhaus mit Garten stellt mit zwei Dritteln der Wohngebäude die beliebteste Wohnform für die Österreicher- Innen dar und trägt erheblich zur Zersiedelung bei. Ein klares Bekenntnis zu verdichtetem Bauen, um Wohnraum zu schaf- fen und gleichzeitig der Zersie- delung entgegenzuwirken, fehlt in Österreich. Aber selbst wenn es ein solches gäbe, würde es bei den Menschen im ländlichen Raum wohl auf wenig Akzeptanz stoßen – zu groß ist der Wunsch nach dem eigenen Einfamilien- haus mit Garten. Großflächige Einkaufszentren am Stadtrand und Betriebsansiedelungen auf der grünen Wiese tragen ebenfalls zum Bodenverlust bei. Was auf den ersten Blick für die Gemeinden gewinnbringend erscheint, verursacht auf lange People4soil – Rette den Boden Überall werden Böden verdichtet, kontaminiert, überdüngt, ausgelaugt, zubetoniert und durch falsche Bearbeitung unfruchtbar gemacht https://www.people4soil.eu/de F O T O S : S C H U H ( 1) , F O T O L IA /C A L A D O ( 1) Q U E L L E : U M W E LT B U N D E S A M T 2 0 16 , E L F T E R U M W E LT K O N T R O L L B E R IC H T, E IG E N E D A R S T E L L U N G