VORWORT Im März 2000 haben sich die Staats- und Regierungschefs der Mit- gliedstaaten der Europäischen Union am Europäischen Rat in Lissa- bon das Ziel gesetzt, die Europäische Union bis 2010 zum "wettbe- werbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen - einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauer- haftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen". Der Europäische Rat hat damit den Anspruch auf weltweite ökono- mische Führung festgeschrieben und dazu eine globale Strategie fest- gelegt, welche gleichermaßen die drei Dimensionen Wirtschaft, Sozia- les und Umwelt erfasst. Dabei geht es um den Übergang zur wissens- basierten Wirtschaft, generell mehr Wachstum durch einen geeigneten makroökonomischen Policy-mix und den dadurch möglichen Ausbau des europäischen Gesellschaftsmodells. Vom Rat wurden dazu in vie- len Bereichen (z.B. Wirtschaftswachstum, Erwerbsquoten) konkret nachprüfbare Ziele formuliert und ein klares Bekenntnis zur Vollbe- schäftigung abgelegt. Die Lissabon-Strategie will damit die wirtschaft- liche Dynamik, die sich in Wachstums- und Beschäftigungsquoten ma- nifestiert, mit den traditionellen europäischen Anliegen wie sozialer Zusammenhalt, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in Einklang bringen. Fortschritte in Richtung einer gemeinsamen europäischen Ausrichtung der Politik, die auch international wahrgenommen wer- den, sind bereits feststellbar. Kurz vor der Halbzeitbewertung dieser Strategie, die beim Europäi- schen Rat im März 2005 erfolgen soll, sieht die Bilanz dennoch ziem- lich ernüchternd aus. Insbesondere die Eurozone verzeichnete in den Jahren 2000 bis 2004 ein deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt liegendes Wirtschaftswachstum mit einer Steigerung der Arbeitslosen- quote von 8,4 % auf 8,9 %. Die meisten Analysen der möglichen Ur- sachen dieser enttäuschenden Entwicklung vernachlässigen aller- dings die makroökonomischen Rahmenbedingungen, unter wel- chen die Lissabon-Strategie umgesetzt werden soll. Der Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen hat sich deshalb die Aufgabe gestellt, mit der vorliegenden Publikation diese Lüeke zu schließen. Ergän- zend zu den zahllosen Beiträgen zur Halbzeitbewertung der Lissa- bon-Strategie (zuletzt z.B. der "Kok-Bericht") sollen hier insbeson- dere die Rolle und Wirkung des makroökonomischen Policy-mix der EU dargestellt und Verbesserungsvorschläge aufgezeigt wer- den. Ebenso wie die üblichen Ziele der Wirtschaftspolitik - im oft zitier- ten magischen Vieleck der Wirtschaftspolitik finden sich z.B. Wirt- schaftswachstum, Vollbeschäftigung, Preisniveaustabilität, außenwirt- 3