ZUSAMMENFASSUNG UND EMPFEHLUNGEN Der Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen möchte mit der vor- liegenden Arbeit keine umfassende Halbzeitbewertung des Lissabon- Strategie liefern, sondern vielmehr eine Lücke schließen. Denn die zahlreichen, aus verschiedensten Quellen stammenden Beiträge zur Halbzeitbewertung der Lissabon-Strategie vernachlässigen in ihrer Analyse der enttäuschenden Entwicklung zumeist die Rolle der ma- kroökonomischen Rahmenbedingungen, unter welchen diese Strate~ gie umgesetzt werden soll. Deshalb möchte der Beirat für Wirt- schafts- und Sozialfragen in dieser Publikation die Bedeutung des makroökonomischen Policy-mix darstellen und Verbesserungsvor- schläge aufzeigen. Die EU im globalen Umfeld Die Erreichung einer dynamischen Wettbewerbsfähigkeit bedeutet die Erzielung langfristig anhaltender hoher und steigender realer Ein- kommen bei hohen Sozial- und Umweltstandards. Im globalen Stand- ortwettbewerb ist Europa daher gezwungen, ein permanentes Upgra- ding zu betreiben ~ alleine ein Kosten- und Preiswettbewerb mit den weniger entwickelten Wirtschaftsräumen wäre weder sinnvoll noch Er- folg versprechend. Der Rat von Lissabon konstatierte ein Nachhinken Europas hinter dem Einkommensniveau und der Wettbewerbskraft der amerikani- schen Wirtschaft. Misst man das europäische Pro-Kopf-Einkommen am Standard der USA, dann zeigt sich, dass das BlP je Einwohner in der Eurozone bei nur 71% des Wertes für die USA liegt. Bei der für die internationale Wettbewerbsfähigkeit wichtigeren Produktivität (BIP pro Arbeitsstunde) ist der Abstand mit 9% deutlich geringer. Seit 1995 ist allerdings die Produktivitätsentwicklung in der EU weniger positiv als in den USA. Solche globalen Vergleiche bedürfen aber auch der Berücksichtigung besonderer Eigenheiten der jeweiligen Modelle, welche sich üblicher- weise nicht in einer numerischen Bewertung wieder finden. Das BIP als Wohlstandsindikator weist daher z.B. im Hinblick auf die monetär un- bewertet bleibende Freizeit eine Lücke auf, die einen wesentlichen Teil des Nachhinkens Europas erklärt. Der andere Teil des Unterschiedes ist mehr oder weniger auf eine Unterauslastung des Arbeitskräftepotenzi- als (in Folge höherer Arbeitslosigkeit und höherer Nicht-Erwerbstäti- genquote) zurückzuführen, die wiederum weitgehend durch einen Mangel an wirtschaftlicher Dynamik bedingt ist. Daraus ist abzuleiten, dass Europa sich nicht nur andere Länder als Benchmark nehmen sollte. Die Entwicklung einzelner Faktoren aus der 23