mcht in einer numerischen Bewertung eines typischen internationalen Vergleichs (auch des Lissabon-Zieles) wieder finden. Daraus ist zu se- hen, dass Europa sich nicht nur andere Länder als Benchmark nehmen sollte. Die Entwicklung einzelner Faktoren aus der eigenen Vergangen- heit (z.B. Produktivität, sozialer Zusammenhalt) bieten sich vornehm- lich an. Die hier beschriebenen Hintergründe müssen den Entschei- dungsträgern bei der Beurteilung, der Implementierung, der Überwa- chung und der Bilanzierung der Lissabon-Strategie immer bewußt sein. 2. MAKROÖKONOMISCHE ANALYSE 2.1 Bedeutung des Wirtschaftswachstums Die Priorität des Wirtschaftswachstums wird dadurch unterstrichen, dass die meisten wirtschaftspolitischen Ziele bei hohem Wirtschafts- wachstum leichter zu erreichen sind. Offensichtlich gilt das für das Wiedererreichen der Vollbeschäftigung. Eine Verringerung der Arbeits- losenquote setzt - je nach Entwicklung des Arbeitskräfteangebots - ein BIP-Wachstum von mindestens 2,5% voraus. Auch die Leistungen des Pensions- und Gesundheitswesens sind wesentlich leichter zu finanzie- ren, wenn Produktivität und Beschäftigung steigen. Es besteht auch ein deutlicher Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Bud- getstabilisierung: Wenn die Wirtschaft rasch wächst, ist ein Budgetdefi- zit leichter zu beseitigen. Das Wirtschaftswachstum spiegelt die Wirtschaftskraft eines Landes viel besser wider als etwa die Entwicklung der Exporte oder Marktan- teile. Daher wurde in der Strategie von Lissabon auch eine Anhebung des Wachstumspfades der Wirtschaft auf mindestens 3% postuliert. Die wirtschaftlichen Erfolge der skandinavischen und angelsächsischen Länder in den letzten 10 Jahren zeigen, dass es durchaus möglich ist, ein solches hochgestecktes Ziel zu erreichen. Für eine höhere Wirtschaftsdynamik Österreichs in der Zukunft sprechen die Expansionschancen in den neuen Beitrittsländern, die stei- genden Marktanteile österreichischer Firmen in Asien und den USA, die günstige Entwicklung der industriellen Arbeitskosten sowie ange- botsseitige Maßnahmen. Eine Anhebung des Wirtschaftswachstums auf 3% pro Jahr erfordert die konsequente Nutzung aller wirtschaftspolitischen Spielräume auf nationaler und internationaler Ebene. Österreich muss zum Technolo- giegeber, Headquarter-Standort und Anbieter hochwertiger Dienstleis- tungen werden. Österreich wird diese Rolle im Zentrum Europas nur spielen können, wenn es neben dem Humankapital hervorragende In- frastruktur und Forschungseinrichtungen bieten kann (Aiginger 2004). 36