tionen, um den Anforderungen durch eine Erweiterung der Eurozone und den Zielen von Lissabon besser gerecht zu werden. Dies betrifft zum Einen die Gewichtung der Ziele und Entscheidungsgrundlagen ("Säulen"). Eine stärkere Betonung der zweiten Säule der GcIdpolitik der EZB, in der etwa auch Inflationsprognosen und ein output~gap ein- fließen, gegenüber der ersten Säule (Geldmengenregel), ließe eine we~ sentliche flexiblere und der jeweiligen ökonomischen Situation ange- passtere Geldpolitik zu. Zum Anderen wird auch die Quantifizierung der Ziele (Referenzwer- te) und die quantitative Definition von Preisstabilität von vielen Öko~ nomen kritisiert. So hat sich die Definition von Preisstabilität mit nahe, aber unter zwei Prozent bereits in der Vergangenheit als zu eng und problematisch erwiesen (importierte Inflation bei unterausgelasteten Ressourcen, Inflationsdifferenziale, Messbias). Im Hinblick auf die Er- weiterung der Währungsunion durch die neuen Mitgliedstaaten wird sich das Problem der Inflationsdifferenziale angesichts aufholender Ökonomien noch verstärken (Balassa~Samuelson~Effekt), sodass die quantitative Definition von Preisstabilität einer Revision zu unterzie~ hen ist. Die von vielen Ökonomen kritisierte und von den meisten Noten- banken aufgegebene GeldmengenregcI würde bei einer strikten Ausle- gung des EZB~Referenzwertes von 4,5 % bedeuten, dass das in der Lis- sabon-Strategie geforderte BIP~Wachstum von 3% nur dann von der EZB zugelassen werden dürfte, wenn bei konstanter oder abnehmen~ der Gcldumlaufgeschwindigkeit die durchschnittlich in der Euro~Zone gemessene Inflation 1,5 Prozent nicht übersteigt. Bei darüber liegenden Preis steigerungen müsste die EZB gemäß ihrer eigenen Vorgaben das reale Wachstum unter dem Lissabon~Ziel von drei Prozent halten. 2.2.5 Lohnpolitik Die Lohnpolitik ist im Rahmen der Tarifautonomie der kollektivver~ tragsfähigen Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gestalten. Einzelwirtschaftlich betrachtet senken niedrigere Lohnzuwächse die relativen Kosten des Faktors Arbeit und könnten daher beschäftigungs~ steigernd wirken. Dies übersieht aber, dass in gesamtwirtschaftlicher Betrachtung Löhne nicht nur einen Kostenfaktor auf der Angebotssei- te darstellen, sondern sie bilden auf der Nachfrageseite auch den größ- ten Faktor der Binnennachfrage. Diese Konsumnachfrage kann aber auch dadurch erhöht werden, dass die Zahl der Einkommensempfänger erhöht wird. Jedenfalls sollte die Lohnpolitik diesem Doppelcharakter der Löhne (sowohl Kosten~ als auch Nachfragefaktor) gerecht werden, um eine Balance zwischen Nachfrage, Beschäftigung, Preisstabilität und internationaler (preislicher) Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. 42