14 infobrief eu & international Ausgabe 4 | Oktober 2011 wien.arbeiterkammer.at hingehend, dass auch InvestorInnen, die nicht für das Rating bezahlt ha- ben, es trotzdem nutzen könnten. Weniger eindeutig zeigt sich das Issu- er-Pays-System im Falle des Ratings von Staatsanleihen. In den 1980er und frühen 1990er Jahren hat sich die Bewertung von Staatsanleihen bei deren Begebung zur Norm und zur Voraussetzung entwickelt. Anlei- hen die in besonders wichtigen Volks- wirtschaften begeben4 werden, wer- den von den großen Ratingagenturen „gratis“ geratet – andere Länder (wie zum Beispiel auch Österreich5) zahlen nach dem Issuer-Pays-System für die Bewertung der Bonität ihrer Anlei- hen. Seitens der Agenturen wird betont, dass es sich bei ihren privaten Dienst- leistungen – dem Erstellen von Ratings - lediglich um „Meinungen“ handelt. Diese unverbindlichen „Meinungen“ haben jedoch durch verschiedens- te Regelwerke oft sehr verbindliche Auswirkungen auf kollektiv relevante Sachverhalte. Von direkten Verwei- sen auf Ratings betroffen sind zum Beispiel die vom Basler Ausschuss geforderten Eigenkapitalvorschriften (Basel II/III bekannt bzw. in der Eu- ropäischen Union in die CRD-Richt- linie6). Unter Basel II sollen sich die veranlagten Eigenkapitalforderungen am tatsächlichen Risiko orientieren. Dabei kommen Ratingagenturen ins Spiel: Mit der Einführung von Basel II begannen Kredit-Ratings die Min- desteigenmittel für Banken mitzube- stimmen. Je höher ein Kredit geratet ist, desto weniger Eigenkapital muss gehalten werden, was auch zu einer Unterfinanzierung der Banken führte. Neben CRD und Basel II/III orientie- ren sich aber auch Zentralbanken, institutionelle InvestorInnen, Finan- zinvestorInnen und Fonds, wie zum Beispiel große Pensionsfonds, an den Ratings der Agenturen. So werden die Bewertungen von der EZB herangezo- gen, um die Sicherheiten zu beurtei- len, die die EZB für die Bereitstellung von Liquidität verwendet. Änderun- gen der „unverbindlichen Meinungen“ hatten damit nicht nur Effekte auf Investitionsentscheidungen im pri- vaten Sektor (auch hier wurden vor der Krise AnlegerInnen noch stärker dazu bewogen, in Mortgage-Backed- Securities zu investieren, was die Bla- se wachsen ließ), sondern wirken sich auch direkt und verbindlich auf Ent- scheidungen von Staaten und Zent- ralbanken aus. Die Erstellung von Ratings und Staatspapiere n Dass Institutionen sich blind auf Ratings verlassen, wirkt insofern schwer, als oftmals die man- gelnde Qualität von Ratings kritisiert wird. Es ist wenig klar, wie ein Rating zustande kommt, was sich insbeson- dere bei Länderratings als Problem herausstellt: Zwar legen Ratingagen- turen dar, welche Faktoren in eine Bewertung von Staatsanleihen mit- einfließen7, jedoch wird nicht klar- gestellt, in welchem Ausmaß welche Faktoren zur Gesamtbewertung bei- tragen. Ratingagenturen verwenden grund- sätzlich öffentlich zugängliche Infor- mationen, sowie Informationen, die ihnen von den zu bewertenden Staa- ten zur Verfügung gestellt werden. Die Erstellung des Ratings ist jedoch keine mechanische Gewichtung die- ser Faktoren, sondern die Bewertung eines Landes wird – wie auch bei Ra- tings von Unternehmen – von einem Komitee bestimmt. Dieses Komitee bezieht die Faktoren, die von Analys- tInnen präsentiert werden, mit ein und beschließt - unter Berücksich- tigung von politischen und instituti- onellen Faktoren - wie das Land im Verhältnis zu anderen Staaten da- steht und zu bewerten ist. Die Rele- vanz der einzelnen Faktoren ist daher von Land zu Land unterschiedlich und damit weniger transparent, als es die Eigenpräsentation der Indikatoren der Ratingagenturen vermuten lässt. So wurden zB an der Universität St. Gallen Modelle entwickelt8, die die Ratings der PIGS Länder (Portugal, Italien, Griechenland, Spanien) und anderer Staaten anhand öffentlich zugänglicher Kriterien vor der Krise relativ genau vorhersagen. Während der Krise wichen die Ratings der PIGS-Länder allerdings stark vom Modell ab. Außer Frage steht, dass diese oft nicht nachvollziehbaren Einflüsse starke Effekte auf das Rating haben. Die Ra- tings wiederum haben hohe Auswir- kungen auf die Refinanzierungskos- ten eines Staates und damit auch auf die Finanzmärkte. Die ersten Schritte zu einer Regu­ lierung n Bis 2009 war das Stichwort „Regulierung von Ratingagenturen“ in Europa9 weitgehend ein Fremd- wort. Es existierte einzig der Verhal- tenskodex für Ratingagenturen der Internationalen Vereinigung In den USA werden so gut wie alle Anleihen von S&P und Moody‘s geratet, weltweit bewertet Fitch zwei Drittel aller Anleihen. Es liegt also eine beträchtliche Marktkon- zentration vor. Mit der Einführung von Basel II begannen Kredit-Ratings die Mindesteigenmittel für Banken mitzubestim- men. Je höher ein Kredit geratet ist, desto weniger Eigenkapital muss gehalten werden, was auch zu einer Unterfinanzierung der Banken führte. Ratings in der Krise » »