26 infobrief eu & international Ausgabe 4 | Oktober 2013 wien.arbeiterkammer.at Buchbesprechung Gekaufte Zeit Defensiv oder offensiv aus der europäischen Krise? In der Finanzkrise, die Europa seit 2008 erschüttert, kulminiert eine tiefgreifende Krise des demokrati- schen Kapitalismus. Sie begann laut Streeck schon in den 1970er Jahren, als die Kapitalseite aus dem sozial- staatlichen Konsens ausbrach und ihr Projekt der Liberalisierung der Märk- te startete. Negative soziale und wirtschaftliche Folgen des neolibe- ralen Projekts für die Lohnabhängi- gen wurden immer wieder verschlei- ert: Zunächst durch die Inflation der 1970er Jahre, dann durch die Zunah- me der Staatsverschuldung in den 1980er Jahren und schließlich durch die enorme Ausweitung der Privat- verschuldung. Doch in der Finanzkri- se sind diese Strategien an ihr Ende gelangt. Streeck fasst das neoliberale Projekt der wirtschaftlichen und politischen Dominanz von Märkten und Rentiers gegenüber Sozialstaat, Demokra- tie und Lohnabhängigen gekonnt in groben Zügen zusammen und ver- sieht es auch mit dem Namen ihres ideologischen Paten: Friedrich August von Hayek schwebte ein Kapitalismus vor, der nicht begrenzt von demo- kratischen Strukturen, einem Sozi- alsystem oder der Idee von sozialer Gerechtigkeit wäre. Streeck sieht das Hayeksche Projekt im Agieren der Eu- ropäischen Union in der Finanzkrise umgesetzt: Im Mittelpunkt steht die Liberalisierung der Märkte, beginnend mit dem Projekt des Binnenmarktes und kulminierend in der Liberalisie- rung von Banken und Finanzaktivi- täten. Die gewachsenen demokra- tischen Entscheidungsstrukturen in den Nationalstaaten werden immer mehr mit Hilfe strenger europäischer Vorgaben für den Staatshaushalt durch Stabilitätspakt, Sixpack, Two- pack, Fiskalpakt usw. ausgehebelt. Seine Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa endet mit einem geballten Resümee des Wolfgang Streeck hat mit seinem Buch „Gekaufte Zeit – Die vertagte Krise des demokrati- schen Kapitalismus“ eine wichtige Krisenanalyse des demokratischen Kapitalismus mit besonderem Fokus auf die Krise in Europa vorgelegt. Seine Analyse überzeugt, sein Plädoyer für das Ende des Euro als Mittel zur Überwindung der neoliberalen Zwangsjacke ist mit Recht umstritten. Markus Marterbauer Streeck bezeichnet den Euro als „frivoles Projekt“ und plädiert für eine Rückkehr zu einem geordneten System flexibler Wechselkurse in Europa. 1) http://www.spiegel.de/wirtschaft/wolfgang- muenchau-die-euro-zone-steht-vor-dem- zusammenbruch-a-837214.html Bestellen! Unter http://wien.arbeiterkam er.at/ infobrief-bestellen können Sie den EU-Infobrief kostenlos bestellen. Imp res sum : He rau sge ber un d M edie nin hab er: Kam mer für Arbe iter und Ang este llte für W ien, 104 0 W ien, Prin z Eu gen Str asse 20- 22 • Red akt ion : Eli sabe th B eer, Éva Des sew ffy, Luka s Ob ernd orfe r, Ir is S trut zma nn N orbe rt Te mpl , Va lent in W edl • Ko nta kt: Luk as O bern dorf er ( luka s.ob ernd orfe r@a kwie n.at ) La you t un d S atz: Juli a St ern • Ve rlag s- u nd Her stel lun gso rt: W ien • Ers che inu ngs wei se: zwe imo natl ich • Kos ten lose Be stel lun g u nte r: h ttp: //wi en.a rbei terk amm er.a t/eu info brie f Edit oria l Lieb e Le seri n! L iebe r Le ser! Vor Ihne n lie gt d opp elt N eue s. Dur ch p rofe ssio nelle s La you t ersc hein en w ir in neu em Gew and . Auc h in halt lich hab en w ir un s bem üht, die inte rnat iona len Bren n- pun kte durc h ne ue F orm ate bess er zu f oku ssie ren: Lan gbe iträg e al s Rau m fü r gr und lege nde Ana lyse n. Dam it st arte n M arku s Ma rter bau er und Luk as O bern dorf er. E rste rer zeig t au f, da ss s imu ltan es K on- solid iere n di e EU in d en n ächs ten Abs chw ung füh ren kön nte. Zw eite rer setz t sic h m it de m M onti -Ber icht – dem Ver such ein es n eue n Ko nsen ses für e ine ang ebo tseit ige Binn en- mar ktpo litik – au sein and er. P rodu k- tion von Kon sens und Dis sens dar in spie len Büc her eine wic htig e Ro lle. Dah er e röffn en w ir m it zw ei R ezen si- one n ei ne n eue Rub rik: Die Buc hbe - spre chun g. D ie b ekan nten Stä rken unse rer Z eitsc hrift ble iben erh al- ten: akt uelle The men info rma tiv & präg nan t au fber eite t. D as z eige n Elisa beth Bee r, N orbe rt Te mpl , Iri s Stru tzm ann , Wa lter Sau er & Sus an Leat her mit ihre n Be iträg en z u Inve stiti onss chut zabk omm en, Wac hstu msh inde rnis sen, Han dels - polit ik (E U – Kan ada ) un d HI V/A ids. Ebe nso setz t Cla udia Sch ürz unse ren Chin a-Sc hwe rpun kt fo rt. D iesm al: Wan dera rbei terI nne n. Ihr AK R eda ktio nste am Seit Be ginn der Fin anz - un d W irts cha ftsk rise ist es der EU gel ung en, durc h pr agm atis che Notf allm aßn ahm en d as Ban ken syst em, die Kon junk tur und den Ma rkt f ür S taat ssch uld- vers chre ibun gen zu stab ilisie ren, jed och sind die gru ndle gen den Prob lem e ni cht bew ältig t. Euro pas Wirt scha ft An eine r en tsch eide nde n Weg gab elun g Die weit ere Kon junk ture ntw icklu ng hän gt d avo n a b, o b d ie v on Asie n ausg ehe nde n A uftr iebs kräf te ode r die Däm pfun g d urch die sim ulta ne Bud getk onso lidie rung in d er E U st är- ker wirk en. Die Bew ältig ung der ho- hen Sta atss chu lden ble ibt ein zent - rale s Th ema , für des sen Bew ältig ung unk onv enti one lle A nsät ze n otw end ig sind . EU- Wir tsch afts poli tik sch afft Sta bilis ieru ng n Die wir tsch aftli che Kris e h at i n d er E urop äisc hen Un i- on i n de n le tzte n W oche n ih r dr ittes Stad ium err eich t: n D ie K rise gin g z unä chst in den Jahr en 200 7 u nd 200 8 v on den Fina nzm ärkt en und Ba nke n a us, das welt weit e F inan zsys tem ge - riet meh rma ls a n d en Ran d d es Zus amm enb ruch s. n D adu rch wur de von Mi tte 200 8 bis Mitt e 20 09 e in ti efer Ein bruc h der Rea lwir tsch aft ausg elös t. D as Brut toin land spro duk t g ing 200 9 real um 4,2 % z urüc k, d ie s aiso n- bere inig te Z ahl der Arbe itslo sen stie g v om Tief stan d im Frü hjah r 200 8 bi s Ma i 20 10 v on 1 6 M io a uf 23 M io. n A ls F olge des du rch den finan z- und rea lwir tsch aftli chen Ein bruc h ents tand ene n A usfa lls an Steu - erei nna hme n u nd der zusä tzli- chen Sta atsa usg abe n en twic kelt e sich ab de m F rühj ahr 201 0 e ine Staa tssc huld enk rise . Die EU- Polit ik h at d ie K rise nzei chen in a llen dre i St adie n sp ät e rkan nt, sie hat – be ding t du rch lang wier ige Ents chei dun gsp roze sse, vo r a llem abe r ge präg t du rch ein neo libe rale s Welt bild, das den Mä rkte n Ef fizie nz zusp rich t un d st aatl iche Ein griff e fü r falsc h hä lt – mit Zög ern und Zau dern reag iert. De nno ch i st e s sc hlie ßlich in j ede m S tadi um der Kris e g elun - gen , du rch Notf allm aßn ahm en eine Stab ilisie rung zu erre iche n: Euro pas Wirt scha ft 1 Die fakt isch e M acht mul tina tion aler Unt erne hme n 6 Wac hstu msh emm niss e 9 Ana lyse des Mo nti-B eric hts 10 EU- Kan ada Abk omm en 15 Chin a – Illeg ale im e igen en L and 17 HIV /Aid s 18 Krit ik d es K apit alism us 20 Die euro päis che Cha nce 21 eu& inter natio nal info brie f Aus gab e 3 | Ju ni 2 010 Aus dem Inh alt Impre ssum: Heraus geber und Me dienin haber: Kamme r für Ar beiter u nd Ange stellte f ür Wien , 1040 Wien, P rinz Eug en Stra sse 20- 22 • Redak tion: El isabeth Beer, É va Dess ewffy, L ukas Ob erndorf er, Iris Strutzm ann Nor bert Tem pl, Vale ntin We dl • Ko ntakt: Lukas O berndo rfer (lu kas.obe rndorfe r@akw ien.at) Layout und S atz: Jul ia Stern • Verla gs- un d Hers tellung sort: W ien • Ersche inungs weise: zweimo natlich • Koste nlose B estellu ng unt er: http ://wien .arbeite rkamm er.at/eu infobrie f Editori al Li b L eserin! Lieber L eser! Vor Ihn en liegt doppel t Neues . Durch profess ionelles Layout erschei nen wir in neue m Gewa nd. Auch in haltlich haben wir uns bemüht , die int ernation alen Br enn- punkte durch n eue For mate b esser zu foku ssieren : Langb eiträge als Raum f ür grun dlegend e Analy sen. Damit s tarten M arkus M arterba uer und Luk as Ober ndorfer . Erster er zeigt au f, dass simulta nes Kon - solidier en die E U in de n nächs ten Abschw ung füh ren kön nte. Zw eiterer setzt si ch mit d em Mon ti-Beric ht – dem Ve rsuch e ines ne uen Kon senses für eine angebo tseitige Bi nen - marktp olitik – auseina nder. P roduk- tion von Konsen s und D issens d arin spielen Bücher eine wic htige R olle. Daher e röffnen wir mit zwei R ezensi- onen ei ne neu Rubrik : Die Bu chbe- sprechu ng. Die bekann ten Stä rken unserer Zeitsch rift bleib en erha l- ten: ak tuelle T h en informa tiv & prägnan t aufbe reitet. D as zeige n Elisabet h Beer, Norber t Temp l, Iris Strutzm ann, W alter Sa uer & S usan Leather mit ihr en Beitr ägen zu Investit ionssch utzabko mmen, Wachst umshin derniss en, Han dels- poli ik ( EU – Ka nada) u nd HIV/ Aids. Ebenso setzt C laudia S chürz u nseren China-S chwerp unkt fo rt. Dies mal: Wan er arbeiter Innen. Ihr AK Redakti onsteam Seit Be ginn d er Fina nz- un d Wirts chaftsk rise ist es der EU gelung en, dur ch prag matisch e Notfa llmaßna hmen d as Ba ken system , die Ko njunktu r und d en Mark t für St aatssch uld- verschr eibunge n zu sta bilisiere n, jedo ch sind die gru ndlegen den Problem e nicht bewälti gt. Europa s Wirts chaft A ein er ents cheide nden Wegga belung Die we itere K onjunkt urentw icklung hängt davon ab, ob die von Asien ausgeh enden Auftrieb skräfte od r die Däm pfung d urch di e simu ltane Budget konsoli dierung in der E U stär- ker wir ken. Di e Bewä ltigung der ho- hen Sta atsschu lden bl eibt ein zent- rales Th ema, fü r desse n Bewä ltigung unko v entione lle A sä tze notw endig sin . EU-Wir tschaft spolitik sc hafft Stabili sierun g n Die wirtsch aftliche Krise h at in d er Eur päische n Uni- on in d en letzt en Woc hen ihr drittes Stadium erreich t: n Die Krise g ing zun ächst i n den Jahren 2007 u nd 200 8 von den Finanzm ärkten und Ba nken a us, das e ltweite Finanzs ystem ge- riet me hrmals an den Rand des Zusamm enbruch s. n Dadu rch wu rde vo Mitte 2 008 bis Mitt e 2009 ein tief r Einbru ch der Rea lwirtsch aft aus gelöst. Das Bruttoin landspr odukt ging 2 009 real um 4,2% zurück, die sai son- bereinig te Zah l der A rbeitslo sen stieg v om Tie fstand im Früh jahr 2008 is Mai 2 010 von 16 Mio auf 23 Mio. n Als F olge de s durch den fi nanz- und rea lwirtsch aftliche n Einbr uch entstan denen Ausfalls an St eu- ereinna hmen und de r zusä tzli- chen S taatsau sgaben entwic kelte sich ab d m F rühjahr 2010 eine Staatss chulden krise. Die EU- Politik h at die K risenze ichen in allen drei S tadien spät er kannt, sie hat – bedi ngt dur ch lang wierige Entsche idungsp rozesse , vor allem aber ge prägt d urch ei n neoli berales Weltbild , das d en Märk ten Effi zienz zuspric ht und staatlic he Eing riffe für falsch h ält – mi t Zöger n und Z audern reagier t. Denn och ist es sch ließlich in jede m Stad ium de r Krise gelun- gen, du rch No tfallmaß nahmen eine Stabilis ierung zu erre ichen: Europa s Wirts chaft 1 Die fak tische M acht multina tionaler Untern ehmen 6 Wachst umshem mnisse 9 Analyse des Mo nti-Beri chts 10 EU-Kan ada Ab komme n 15 China – Illegale im eige nen Lan d 17 HIV/Aid s 18 Kritik d es Kapi talismu s 20 Die eur opäisch e Chan ce 21 eu& internat ional infobrie f Ausgab e 3 | Ju ni 2010 Aus de m Inha lt Impressum: Herausgeber und Medieninhaber: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, 1040 Wien, Prinz Eugen Strasse 20-22 • Redaktion: Elisabeth Beer, Éva Dessewffy, Lukas Oberndorfer, Iris Strutzmann Norbert Templ, Valentin Wedl • Kontakt: Lukas Oberndorfer (lukas.oberndorfer@akwien.at) Layout und Satz: Julia Stern • Verlags- und Herstellungsort: Wien • Erscheinungsweise: zweimonatlich • Kostenlose Bestellung unter: http://wien.arbeiterkammer.at/euinfobrief Editorial Liebe Les rin! Lieber Leser! Vor Ihnen liegt doppelt Neues. Durch professionelles Layo t erscheinen wir in neuem Gewand. Auch inhaltlich haben wir uns bemüht, die internationalen Bren - pu kte durch neue Formate besser zu fokussieren: Langbeiträge als Raum für grundlegen e Analysen. Damit starten Markus Marterbauer und Lukas Ob rndorfer. Ersterer zeigt auf, dass simultanes Kon- solidieren die EU in de nächst Abschwung führen könnte. Zweiterer setzt sich mit dem Monti-Bericht – dem Versuch eines neuen Konsenses für eine angebotseitige Binnen- marktpolitik – auseinander. Produk- tion von Konsens u d Dissens darin spielen Bücher eine wichtig Rolle. Daher eröffnen wir mi zwei Rezensi- onen eine neue Rubrik: Die Buchbe- spre ung. Die beka nten Stärken unserer Zeitschrift bleiben erhal- ten: aktuelle Themen informativ & prägnant aufbereitet. Das zeigen Elisabeth Beer, Norb rt Templ, Iris Strutzmann, Walter Sauer & Susan Leather mit ihren B iträgen zu I vestitionsschutzabkommen, Wachs umshindernissen, Handels- politik (EU – Kanada) und HIV/Aids. Ebenso s tzt Claudia Schürz unseren China-Schwerpunkt fort. Diesmal: WanderarbeiterInnen. Ihr AK Redaktio steam Seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise ist es der EU gelungen, durch pragmatisch Notfallmaßnahmen das Banken system, di Konjunktur und den Markt für Staatsschuld- verschreibungen zu stabilisieren, jedo h sind die grundlegenden Probleme nicht bewältigt. Europas Wirtschaft A einer entsc idenden Weggabelung Die weitere Konjunkturentwicklung hängt davon ab, ob die von Asien ausgehenden Auftriebskräfte oder die Dämpfung durch die simultane Budgetko solidierung in der EU stär- ker wirken. Die Bewältigung der ho- hen Staatsschulden bleibt ein zent- rales Thema, für dessen B wältigung unkonventionelle Ansätze notwendig sind. EU-Wirtschaftspolitik schafft Stabilisieru g n Die wirtschaftliche Krise hat in der Europäisch n Uni- on in den letzten Wochen ihr drittes Stadium erreicht: n Die Krise ging zunächst in d n Jahren 2007 und 2008 vo d n Finanzmärkten und Banken us, das weltweite Finanzsystem ge- riet mehrmals an den Rand des Zusamm nbruchs. n Dadurch wurde von Mitte 2008 bis Mitte 2009 ein tiefer Einbruch der Realwirtschaft ausgelöst. Das Bruttoinlandsprodukt ging 2009 real um 4,2% zurück, die saison- bereinigte Zahl der Arbeitslosen stieg vom Tiefstand im Frühjahr 2008 bis Mai 2010 von 16 Mio auf 23 Mio. n Als Folge des durch den finanz- und realwirtschaftlichen Einbruch ntstandenen Ausfalls an Steu- ereinnahmen und der zusätzli- chen Staatsausgaben entwickelte sich ab dem Frühjahr 2010 eine Staatsschuldenkrise. Die EU-Politik hat ie Krisenzeichen in allen drei Stadien spät erkannt, sie hat – bedingt durch langwierige Entscheidungsprozesse, vor allem aber geprägt durch ein neoliberales Weltbild, das den Märkten Effizienz zuspricht und staatliche Eingriffe für falsch hält – mit Zögern und Zaudern reagiert. Dennoch ist es schließlich in jed m Stadium der Krise gelun- gen, durch Notfallmaßnahmen eine Stabilisierung zu erreichen: Europas Wirtschaft 1 Die faktische Macht multinationaler Unternehmen 6 Wachstumshemmnisse 9 Analyse des Monti-Berichts 10 EU-Kanada Abkommen 15 China – Illegale im eigenen Land 17 HIV/Aids 18 Kritik des Kapitalismus 20 Die europäische Chance 21 eu& internationalinfobrief Ausgabe 3 | Juni 2010 Aus dem Inhalt Impressum: Herausgeber und Medieninhaber: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, 1040 Wien, Prinz Eugen Strasse 20-22 • Redaktion: Elisabeth Beer, Éva Dessewffy, Lukas Oberndorfer, Iris Strutzmann Norbert Templ, Valentin Wedl • Kontakt: Lukas Oberndorfer (lukas.oberndorfer@akwien.at) Layout und Satz: Julia Stern • Verlags- und Herstellungsort: Wien • Erscheinungsweise: zweimonatlich • Kostenlose Bestellung unter: http://wien.arbeiterkammer.at/euinfobrief Editori l Liebe Leserin! Lieber Leser!Vor Ihnen lie t doppelt Neues. Durch profession lles Layout erscheinen wir in neuem Gewand. Auch inhaltlich hab wir uns bemüht, die internatio alen Brenn- punkte durch neue Formate besser zu fokussi ren: La gbeiträge als Raum für grundlegende Analysen. D mit starten Markus Marterbauer und Lukas Oberndorfer. Ersterer zeigt auf, dass simultanes Kon- solidieren die EU in den nächsten Abschwung führen könnte. Zweiterer setzt s ch mit dem Monti-Bericht – dem Versuch eines neue Konsenses für eine angebotseitige Binnen- marktpolitik – auseinander. Produk- tion von Konsens und Diss ns darin spielen Bücher eine wichtige Rolle. Daher eröffnen wir mit zwei Rezensi- onen ei e n ue Rubrik: Die Buchbe- sprech ng. Die bekannt Stärken unserer Zeitschrift bleiben erhal- ten: aktuelle Themen informativ & prägnant aufbereitet. Das z igen Elisabeth Be r, Norbert T mpl, Iris Strutzmann, Walter Sauer & Susan Leather mit ihren Beiträgen zu Investitionsschutzabkommen, Wachstumshindernissen, H ndels- politik (EU – Kanada) und HIV/Aids. Ebenso setzt Clau ia Schürz unseren China-Schwerpunkt fort. Di s al: WanderarbeiterInnen. Ihr AK Redaktionsteam Seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise ist es der EU gelungen, durch pragmatisc e Notfallmaßn men das Banken system, die Konjunktur und d n Markt für Staatsschuld- verschreibungen zu stabilisieren, jedoch sind die grundlegenden Probleme nicht bewältigt. Europas Wirtschaft A ei er entsch idenden Weg abelung Die weitere Konjunkturentwicklung hängt d von ab, ob die von Asie ausgehenden Auftriebskräfte oder die Dämpfung durch die simultane Budgetkonsolidierung in der EU stär- ker wirken. Die Bewältigung der o- hen Staatsschulden bleibt ein zent- rales Thema, für dessen Bewältigung unkonventionelle Ansätz notwendig sind. EU-Wirtschaftspolitik schafft Stabilisierung n Die wirtschaftliche hat in der Europäischen Uni- o in den letzten Wochen ihr drittes Stadium erreicht: n Die Krise ging zunächst in den Jahren 2007 und 20 8 von den Finanzmärkten und Banken aus, das weltweite Fi anzsystem ge- rie mehrmals n den Rand des Zus mmenbruchs. n Dadurch wurde von Mitt 2008 bis Mitte 2009 ein iefer Einbruch der R alwirtschaft ausgelöst. Das Bruttoinlandsprod kt ging 2009 real um 4,2% zurück, die saison- ber inigte Zahl der Arbeitslosen stieg vom Tiefstand im Frühjahr 2008 bis Mai 201 von 16 Mio auf 23 Mio. n Als Folge des durch den finanz- und realwirtschaftlichen Einbruch ents ndenen Ausfalls an Steu- erei nahmen und der zusätzli- chen St atsausgaben entwickelte sich ab dem Frühjahr 2010 eine Staatsschuldenkrise. Die EU-Politik hat die Krisenzeichen in allen drei Stadien spät erkannt, sie hat – bedingt durch langwierige Entscheidungsprozesse, vor allem aber geprägt durch ein neoliberales Weltbild, das den Märkten Effizienz zuspricht und staatliche Eingriffe für falsch häl – mit Zögern und Zaudern reagiert. Dennoch ist es schließlich in jedem Stadium der Krise gelun- gen, durch Notfallmaßnahmen eine Stabilisierung zu erreichen: Europas Wirtschaft 1 Die faktische Macht multinationaler Unternehmen 6 Wachstumshemmnisse 9 Analyse des Monti-Berichts 10 EU-Kanada Abkommen 15 China – Illegale im eigenen Land 17 HIV/Aids 18 Kritik des Kapitalismus 20 Die europäische Chance 21 eu& international i fobri f Ausgabe 3 | Juni 2010 Aus dem Inhalt Imp ressum: Herausgeber und Medieninhaber: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, 1040 Wien, Prinz Eugen Strasse 20-22 • Redaktion: Elisabeth Beer, Éva Dessewffy, Lukas Oberndorfer, Oliver Prausmüller, Norbert Templ, Alice Wagner, Valentin Wedl • Kontakt: Lukas Oberndorfer, Norbert Templ, Alice Wagner • Layout und Satz: Julia Stern • Verlags- und Herstellungsort: Wien • Erschei- nungsweise: 5 mal jährlich • Kostenlose Bestellung unter: http://wien.arbeiterkammer.at/euinfobrief Editori l Lieb Leserin! Lieber Leser! Noch einmal v r der Somm r pause widmen wir uns den aktuellen Brennpunkten der europäi chen Poli ik: P. Ebe hardt skizziert die Einflussnahme der Wirtschafts- lobbys auf die Verhandlung des EU-Ind n Freihandelsabkommens. L. Oberndorfer, N. Templ und C. Schlager greifen in ihren Analysen noch einmal neu Aspekte des viel diskutierten Economic Governme t- Pakets auf, ergänzt um e nen kritischen Blick auf die Aust ri- tätsprogramme quer durch Europa (G. Feigl), auf die sprunghaften Preisan tieg an den Rohstoffbör- sen (M. Maltschnig) sowie Aktuel- lem zur Finanztra saktionssteuer (V. Wedl). Das Ende er ungari- schen EU Präsidentschaft nimmt K. Lachmayer zum Anlass eine g naueren Blick über die Grenze zu werfen u d analy iert die aktuellen Verfassungsreformen in unsere Nachbarland. Weitere Themen der Ausgabe sind die Reformvorhaben im EU-Vergaberecht (S. Wixforth), di Strat gie zur legalen Zuwande- rung in die Union (C. Cesnovar) so- wi die revidierten OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen (E. Beer). Abgerundet mit Buch- und Veranstaltu gstipps wünschen wir eine anregend Lektüre im Juni. Ihr AK Redaktionsteam eit 2007 verhandeln Indien und die EU ein weit reichendes Freihan elsabkommen. Es umfasst alle relevanten Wirtschafts- bereiche – von In ustrie, La dwirtschaft und Dienstleistungssekto- ren bis hin zu P t nten, der öffentlichen Auftragsvergabe und der A sbeutung von Rohstoffen. Demnächst sollen die Gespräche abge- schlossen werden. D ei weiß in Europa und Indien kaum jemand twas darüber. Nur Konzerne und ihre Lobbyverbände sind bestens in die Verhandlungen eingebunden. Pia Eberhardt In den Freihandelsverhandlu gen mit Indien arbeiten EU-Kommission, Mitgliedstaaten und Konzernlobbies eng zusa men F i iche Übernahme Die bruchstückhaften Informationen über die Verhandlungen, die bisher an die Öffentlichkeit gesickert sind, haben soziale Bewegungen, Ge- werkschaften, Entwicklungs-, Frau- en- und Gesundheitsorganisationen alarmiert. Sie befürchten, dass das EU-Indien Freihandelsabkommen Armut, soziale Ungleichh it und den ökolo ischen Raubbau in I dien ver- schärfen wird. Auch Arbeitsrechte und der Z gang zu Medikamenten seien durch das Abkommen bedroht, und zw r nicht nur in Indien, son- dern weltweit. Wiederholt haben da- her hunderte zivilgesellschaftliche Organisationen aus Europa und In- dien zu einem sofortigen Stopp der Verhandlungen aufgerufen.1 Ganz anders die europäischen Kon- ze ne und ih e Verbände: Für Busi- nessEurope, den europäischen Arbeitgeberv rband, ist das EU-Indi- en-Freihandelsabkommen das wich- tigste, das die EU derzeit verhandelt. Ihm gehen die Gespräche zwar nicht schnell genug, aber der Verband ist hochzufrieden mit der Verhand- lungsführung der EU-Kommission. Und it ihrer Informationspolitik. Kein Wunder.Symbiose zwischen Kommission und Wirtschaft n Schon Monate vor B ginn der offiziellen Gespräche mit Indien begann die EU-Kommis- sion, die europäische Wirtschaft zu konsultieren. In einem detaillierten Fragebogen wurde sie zu Proble- men beim Export von Gütern und Dienstleistungen, bei Filialeröffnun- g n, beim Zugang zu Rohstoffen in Indien etc. befragt. Drei Tage vor Verhandlungsbeginn versicherte die damalige EU-Agrarkommissarin, Freihandel mit Indien 1 Economic Governance rechtswidrig? 7 EU-Wirtschaftsregierung 13 Verfassungsreform in Ungarn 15 Financial Transaction Tax 19 Finanzmärkte und Rohstoffbörsen 20 Sparpakete in Europa 22 Revidierte OECD-Leitsätze 24 Legale Zuwanderung 28 Grünbuch EU-Vergabepolitik 30 Buchtipps 33 u& international i fobri f Au gabe 3 | Juni 2011 Aus dem Inhalt » Der EU-Infobrief erscheint 5x jährlich im digitalen Format und liefert eine kritische Analyse der Entwicklungen auf europäi- scher und internationaler Ebene. Die Zeitschrift der Abteilung EU & Internationales der AK-Wien fokussiert dabei Themen an der Schnitt- stelle von Politik, Recht und Ökonomie. Anspruch ist nicht nur die Pro- zesse in den europäischen Institutionen zu beschreiben, sondern auch Ansätze zur Überwindung des Neoliberalismus zu entwickeln. Kurze Artikel informieren in prägnanter Form über aktuelle Themen. Langbei- träge geben den Raum für grundlegende Analysen, Buchbesprechungen bieten eine kritische Übersicht einschlägiger Publikationen. EU-Infobrief: Europa und Internationales in kritischer und sozialer Perspektive – kostenlos beziehen »