Imp ressum: Herausgeber und Medieninhaber: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, 1040 Wien, Prinz Eugen Strasse 20-22 • Redaktion: Elisabeth Beer, Éva Dessewffy, Lukas Oberndorfer, Oliver Prausmüller, Miriam Rehm, Norbert Templ, Alice Wagner, Valentin Wedl • Kontakt: Lukas Oberndorfer, Norbert Templ, Alice Wagner • Layout und Satz: Julia Stern • Verlags- und Herstellungsort: Wien • Erscheinungsweise: 5 mal jährlich • Kostenlose Bestellung unter: http://wien.arbeiterkammer.at/euinfobrief Editorial In der Krise sind alle gleich? Keines­ wegs. Sie trifft nicht nur Arme und ArbeitnehmerInnen, sondern auch Frauen besonders hart. Diesen Um­ bau im Herrenhaus Europa thema­ tisieren E. Klatzer und Ch. Schlager gleich zu Beginn. Dass der damit verwobene Neoliberalismus wei­ terhin den Kurs des europäischen Instituti onen gefüges bestimmt, weist N. Templ mit zwei Beiträgen nach. Ein Kurs, der die industriellen Beziehungen in Kroatien schon vor dem Beitritt zur EU geprägt hat – so M. Mesch. Die ungleiche Betroffen­ heit durch die Krise zeigt sich auch international: Sprunghaft gestiege­ ne Spekulation mit Nahrungsmitteln (St. Ederer, Ch. Heumesser, K. Kübl­ böck, C. Staritz) und ausbleibende Kapitalzufuhr für Entwicklungsländer (T. Orischnig und C. Lakovits) treffen die Ärmsten der Armen besonders hart. Dass Deregulierung und ver­ schärfter Schutz von Investoren die soziale Sicherheit und den Umwelt­ schutz auch im Bereich des Handels zwischen „Industrieländern“ heraus­ fordern, erfahren wir durch Beiträge von E. Beer, Ch. Bellak, F. Ey und O. Prausmüller. Für Analyse und Auswege rekapituliert L. Sinowatz jüngste Entwicklungen im Bereich der Regulationstheorie. Viel Vergnügen beim Lesen! Ihr Redaktionsteam Die Europäische Union (EU) hat trotz mehr als 50 Jahren Inte grations- und Gleichstellungspolitik nach wie vor großen Aufholbedarf, um Geschlechtergleichstellung zu verwirklichen. Seit dem Ausbruch der Krise kam es zu weitreichenden Umgestal­ tungen der wirtschaftspolitischen Governance in der EU. Dies wird aber nicht zu mehr, sondern zu weniger Gleichstellung in Europa führen, argumentiert dieser Artikel. Christa Schlager und Elisabeth Klatzer Aufholbedarf bei der Geschlechtergleichstellung Umbau im Herrenhaus Europa? Im Juni 2013 hat das Europäische In- stitut für Geschlechtergleichstellung (EIGE) seinen ersten europäischen Gleichstellungsindex veröffentlicht.1 Der zusammengesetzte Gleichstel- lungsindex liegt gegenwärtig bei 54 von 100 möglichen Punkten, wobei 100 Geschlechtergleichstellung be- deuten würde. Die wichtigste Bot- schaft daraus ist, dass die EU und ihre Mitgliedsländer erst auf halbem Weg in Richtung Gleichstellung sind. Von den sechs Bereichen, die der Indikator abbildet – Arbeit, Geld, Wissen, Zeit, Gesundheit und Macht – ist die Ungleichheit im Bereich der Macht, das heißt die Repräsentati- on von Frauen in politischen, wirt- schaftlichen und gesellschaftlichen Entscheidungspositionen weitaus am größten. Der Teilindikator ‚ökonomi- sche Macht‘ hat in den meisten Mit- gliedstaaten den niedrigsten Wert. Europäische Gleichstellungspo- litik n Die wenigen Einflussmög- lichkeiten von Frauen haben dazu geführt, dass Susanne Schunter Kleemann bereits die Europäische Gemeinschaft 1992 als ‚Herrenhaus Europa‘ bezeichnet hat. Die euro- päische Gleichstellungspolitik ist von Beginn an von wettbewerbspo- litischen Überlegungen geprägt. Su- sanne Schunter-Kleemann betont, dass die Verankerung der Gleichstel- lungspolitik in den römischen Verträ- gen vor allem der Sorge Frankreichs geschuldet war, gegenüber anderen Staaten Wettbewerbsnachteile zu bekommen. Frankreich hatte sich damals nämlich als einziges Land gesetzlich zum Grundsatz des glei- chen Entgelts verpflichtet.2 Eine Legitimation gleichstellungspo- litischer Maßnahmen über deren eu& internationalinfobrief Ausgabe 5 | Dezember 2013 Aus dem Inhalt » Umbau im Herrenhaus Europa? 1 Jahreswachstumsbericht 2014 5 Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft 7 Daseinsvorsorge als handelspolitische Verhandlungsmasse 10 Buchpräsentation: Fit für die Krise 11 Der Europäische Rat im Oktober 2013 14 Finanzialisierung der Rohstoffmärkte 16 Arbeitsbeziehungen in Kroatien 21 Multilaterale Entwicklungsbanken 24 Europa und seine Think Tanks 27