Seite 24 | infobrief eu & international 4/2017 n Beide Dachverbände müssen daher hinter dem Projekt stehen (KCTU tut es derzeit nicht) n Kein Ersatz für Gewerkschaften, deren Organisations- und Repräsentationsfä- higkeit erhalten bleiben muss (im Idealfall auch gestärkt werden kann) n Intelligente Arbeitsteilung zwischen AK und Gewerkschaften n Vollkommene Unabhängigkeit der AK von Unternehmen und Regierung n Gesetzliche Mitgliedschaft n ArbeitnehmerInnen müssen dahinterste- hen und der AK die erforderliche demo- kratische Legitimation vermitteln. Letzterer Punkt spielt insoweit in Korea eine besondere Rolle als auch nach mittlerweile 30 Jahren Demokratie autoritäre Elemente fortwirken. Im schlimmsten Fall wäre die koreanische AK ein trojanisches Pferd, mit dem (zukünftige) Machthaber Gewerkschaf- ten und ArbeitnehmerInnen kontrollieren könnten. Dies gilt es mit allen Mitteln zu ver- hindern. Stand der Verhandlungen Auch wenn das Vorhaben nicht an aller oberster Stelle der koreanischen Politik steht, wird es von einigen StakeholderIn- nen gehörig gepusht. Hauptakteurin ist die FKTU. Sie hat insbesondere in der Min- joo-Partei einflussreiche Verbündete, aber auch in der akademischen Wissenschaft. Das Projekt soll nach deren Willen in der jet- zigen Amtszeit von Präsident Moon Jae-in (bis 2022) realisiert werden. Den Auftakt dafür bildete ein Fachsymposium zu „Not- wendigkeit und Gründungsweg einer korea- nischen Arbeitskammer“ in den Räumen der koreanischen Nationalversammlung. Auch Experten von ÖGB und AK nahmen daran teil, um das österreichische Erfolgsmodell und die Voraussetzungen für ihr Gelingen den südkoreanischen KollegInnen zu prä- sentieren. Im nächsten Schritt soll das Vorhaben mit Fallstudien aufbereitet werden, und 2019 könnte es einen fertigen Gesetzesentwurf geben. Auch wenn es noch ein langer Weg sein mag, der von einigen Hürden und Stolpersteinen geprägt ist – die Einführung einer AK nach österreichischem Vorbild in einem hochmo- dernen und dynamischen Land wie Südko- rea wäre unbestritten beachtlich. Jede ös- terreichische Regierung sollte eigentlich nur stolz darauf sein. Südkorea plant die Einführung von Arbeiterkammern Im schlimmsten Fall wäre die koreanische AK ein trojanisches Pferd, mit dem (zukünftige) Machthaber Gewerkschaf- ten und Arbeit- nehmerInnen kontrollieren könnten. Dies gilt es mit allen Mitteln zu ver- hindern.