3Vorwort Die gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen kreisen heute in Wissenschaft und Po- litik um Themen wie Neoliberalismus und Globalisierung. Beide Begriffe tauchen in der öf- fentlichen Diskussion häufig verkürzt als Schlagworte auf, mit denen Veränderungen auf den unterschiedlichsten Ebenen – von staatlicher Politik bis hin zu den Betrieben – entweder be- gründet oder kritisiert werden. In aller Munde zwar, sind sie doch zu „Alles-oder-Nichts-Slo- gans“ geworden. Was vielfach zu kurz kommt, ist eine kritische Auseinandersetzung mit den dahinter stehenden Grundkonzeptionen und Strategien, die in der aktuellen Gesellschaftspo- litik vieler europäischer und – viel mehr noch – außereuropäischer Länder merkbar ihre Spuren hinterlassen. Ziel der in Kooperation zwischen der Abteilung Sozialwissenschaft der AK Wien und dem Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien veranstalteten Tagung im Juni 2005 war eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage, was es mit Neoliberalismus und Globalisie- rung auf sich hat. Welches sind die ideologischen Prämissen, die Implikationen und aktuelle Politik wesentlich bestimmenden Deutungen? Ist soziale Gerechtigkeit obsolet? Sind Hand- lungsspielräume für sozial gestaltende Politik passé? Schwerpunktmäßig standen dabei zum einen Fragen nach den Implikationen für Sozial- staat und Demokratie, im Sinne von sozialen und gesellschaftspolitischen Teilhabechancen im Blickpunkt. Zum anderen ging es um konkrete (sozial)politische Handlungs- und Gestal- tungsmöglichkeiten. Dabei zieht sich ein roter Faden durch alle Beiträge: Neoliberalismus und Globalisierung sind keine Naturphänomene, sondern es gibt Steuerungsmöglichkeiten durch Politik. Die vorliegende Tagungsdokumentation enthält die Beiträge der ReferentInnen. Dwora Stein zeigt in ihrer Eröffnungsrede, dass Neoliberalismus und Globalisierung für viele ArbeitnehmerInnen mit Angst besetzte Begriffe sind. Denn häufig sind sie es, die die Kos- ten der damit verbundenen Veränderungen zu tragen haben. Und sie betont die besondere Herausforderung für die ArbeitnehmerInnenvertretungen, bestehende Handlungsspielräume aufzuzeigen und konkrete politische Alternativen umzusetzen. Alex Demirovic´ bezweifelt in seinem Beitrag die Auffassung von einer Hegemonie des Neoli- beralismus. Vielmehr charakterisiert er diesen als „praktische Ideologie der Akteure des Kapi- tals“, die kein kohärentes Ideengebäude, sondern einen Mix aus unterschiedlichen ideologi- schen Komponenten darstellt. Diese sind zum Teil bereits in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt worden. Der Neoliberalismus als „praktische Ideologie“ organisiert die Transformation gesellschaftlicher Verhältnisse unter kapitalistischen Bedingungen und ist als solche zerstörerisch. Martin Seeleib-Kaiser zeigt zunächst, dass die ökonomische Globalisierung, definiert als Prozess der Zunahme und Intensivierung von Austauschbeziehungen, ungleichzeitig und ungleichmäßig verläuft. Sie ist auch im 21. Jahrhundert nicht weltumspannend. Wenngleich