4ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN Nach den Zielen von Lissabon/Barcelona soll die Beschäftigungsquote der 55 bis 64jährigen innerhalb der EU bis zum Jahr 2010 auf 50% angehoben werden. Österreich hält gerade bei 30% und selbst die Realisierung eines ähnlich ambitiösen Programms wie in Finnland lässt es zweifelhaft erscheinen, dass die Zielvorgaben erreichbar sind. In Finnland war es gelungen – bei überdurchschnittlicher Altersarbeitslosigkeit im EU-Vergleich –, im Zeitraum 1994 bis 2002 die Erwerbsbeteiligungsrate von 33% auf 48% zu steigern. Schlüsselfaktor für diesen Erfolg war ein Maßnahmenbündel, das sich zusammen setzte • aus einer Sensibilisierungskampagne, um das Problem überhaupt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken; • aus Employability-Maßnahmen, die Gesundheit und Qualifizierung betrafen; • aus einem betriebsbezogenen Altersmanagement (Arbeitsplatzausstattung, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, Arbeitsumfeld) und • aus der Vernetzung und Einbindung aller relevanten Akteure (Regierung, Verwaltung, Sozialpartner, Bildungseinrichtungen, Arbeitsmarkteinrichtungen usw.). Die nunmehr vorliegende Untersuchung soll dazu beitragen, in Österreich ähnliche Hebel- punkte wie in Finnland zu identifizieren und zu nutzen, wobei sich die Rahmenbedingungen dafür, bedingt durch die verschärfte Situation am Arbeitsmarkt in den letzten Jahren, sicherlich nicht verbessert haben. Eine wirkliche Wende zu einer höheren Beschäftigungs- beteiligung Älterer – ohne negative Effekte für Jüngere! – wird daher nur durch eine all- gemeine Anhebung der Arbeitskräftenachfrage möglich sein. Die Analyse der Arbeitsmarkt- probleme Ältere hat aber dennoch einen positiven Effekt: Es wird möglich, punktgenaue sozialverträgliche Gegenstrategien gegen das vorzeitige Ausscheiden aus dem Erwerbsleben aufzuzeigen. In der vorliegenden Untersuchung wurde dazu die Methode der betrieblichen Fallstudien gewählt. Durch standardisierte Fragebogenerhebungen in sechs Betrieben konnten Anhalts- punkte gewonnen werden, wo sich ältere ArbeitnehmerInnen heute akzeptiert und wert- geschätzt fühlen bzw. wo es besondere Problemfelder gibt. Das dient einerseits der Bewusstseinsbildung und bietet andererseits konkrete Anknüpfungspunkte für ein betriebs- bezogenes Altersmanagement. Die Betriebe entstammen aus folgenden Wirtschaftsbereichen, wobei die untersuchten Beschäftigtengruppen in Klammer angeführt sind: • Handel (Arbeiter und Angestellte) • Bauwesen (Arbeiter und Angestellte) • Gesundheitswesen (Arbeiter und Angestellte) • Fahrzeugbau (Arbeiter) • Elektronik / Elektrotechnik (Angestellte) • Pharma (Angestellte) StudieEinzelseiten 27.07.2006 9:00 Uhr Seite 4