- 54 - ZUSAMMENFASSUNG Diese Studie untersucht die existierende Literatur zum Einfluss der Globalisierung auf den Arbeitsmarkt und die Einkommensverteilung einerseits zwischen Arbeit und Kapital sowie andererseits innerhalb des Faktors Arbeit (zwischen den diversen Sektoren, aber auch zwischen qualifizierten und unqualifizierten ArbeitnehmerInnen) in den entwickelten Ländern, insbesondere in den alten EU-Ländern, sowie in Österreich. Zwei Aspekte der Globalisierung werden analysiert: internationaler Handel sowie ausländische Direktinvestitionen (FDI). Die Auswirkungen internationaler Verlagerungen (Outsourcing) werden in diesem Zusammenhang ebenfalls untersucht. Für die Analyse der Verbindungen zwischen Globalisierung und Arbeitsmarkt wurden drei grundsätzliche Zugänge gewählt: 1. Außenhandelstheorie, 2. Arbeitsökonomie, 3. Politische Ökonomie. Ausgehend von den Theoremen von Heckscher-Ohlin und Stolper-Samuelson, besagt die traditionelle Außenhandelstheorie, dass in Ländern, die reich an Kapital und an qualifizierten Arbeitskräften sind, die Löhne und die Beschäftigung von niedrig qualifizierten Arbeitskräften oder von Beschäftigten in jenen Sektoren die verstärkter Importkonkurrenz ausgesetzt sind, trotz insgesamt steigender Wohlfahrt sinken können. Hat jedoch bisher das ursprüngliche Stolper-Samuelson-Modell die durch Außenhandel hervorgerufene Umverteilung von Arbeit zu Kapital betont, so hat die handelstheoretischen Diskussion in den letzten Jahrzehnten stärker die Umverteilung innerhalb des Faktors Arbeit in den Mittelpunkt gestellt. Was früher die Feststellung eines unvermeidlichen Verlierers bei Marktöffnungen in der traditionellen Außenhandelstheorie war, ist laut der neuen Außenhandelstheorie vermeidbar, angesichts der signifikanten zusätzlichen Effizienzgewinne durch den Außenhandel infolge steigender Skaleneffekte, technologischer Spillovers, mehr Wettbewerb und größerer Produktvariation (Helpman und Krugman, 1985) Auf Basis von Faktoranalysen untersuchen arbeitsökonomische Ansätze die Auswirkungen des Außenhandels hinsichtlich der Verschiebung der Arbeitskräftenachfrage in Reaktion auf zum einen die Exporte, welche eine Quelle der Nachfrage sind, ,und zum anderen in Reaktion auf die Importe, weil diese die Nachfrage mindern (vgl. Katz und Murphy, 1992; Borjas et al., 1992; Wood, 1994). So erhöhen Exporte die Beschäftigung, während Importe diese reduzieren. Aus mikroökonomischer und institutioneller Sicht hingegen, werden durch den Außenhandel nicht nur die Nachfragestrukturen beeinflusst, sondern auch die Lohnverhandlungspositionen: a) einerseits durch niedrigere Renten wegen des verstärkten internationalen Wettbewerbs, b) andererseits durch handelsbedingte technologische Entwicklungen, die negative Effizienzeffekte haben und zu einer Disziplinierung der Arbeitskräfte führen (vgl. Greenaway et al.; 1999a&b). Der Rückgang im gewerkschaftlichen Organisationsgrad in den letzten Jahrzehnten spielt hier mit den Außenhandelseffekten und der Zunahme der Ungleichheit zusammen. (vgl. z.B. Freeman, 1998). Die polit-ökonomische Literatur geht zunächst von ähnlichen Argumenten aus wie institutionalistische arbeitsökonomische Analysen, betont aber zusätzlich noch, dass die spezifischen Wechselwirkungen neoliberaler Politik und Globalisierung in der gegenwärtigen Zeitperiode zu einer Verschlechterung der Lohnverhandlungsstärke