- 58 - ermöglicht letztlich die Ermittlung des Lohnanteils an der Wertschöpfung in einem Sektor. Eine erschöpfende Analyse der verteilungsbeeinflussenden Wirkungen der Globalisierung hat daher mehrere Dimensionen: Die Entwicklung der Löhne und der Beschäftigung, sowie der Anteil der Löhne von unqualifizierten und qualifizierten ArbeitnehmerInnen an der Wertschöpfung sowohl für den betreffenden Sektor als auch auf aggregiertem Niveau. Eine weitere interessante Entdeckung, die in der Literatur zu finden ist, ist die Tatsache, dass die negativen Handelsauswirkungen nicht nur auf den inter- industriellen Handel mit Niedriglohnländern zurückzuführen sind, sondern auch auf intra-industriellen Handel mit entwickelten Ländern. Die Untersuchungsergebnisse weisen diesbezüglich aber signifikante Heterogenität auf und zeigen, dass die Zusammensetzung und die Herkunft der jeweiligen Importe berücksichtigt werden müssen. Ebenfalls uneinheitlich sind die Ergebnisse für die diversen Branchen. Daher ist es wichtig hier zwischen den importierten Intermediärgütern und den Fertiggütern zu unterscheiden, sowie deren Herkunftsländer (Niedriglohn- versus Hochlohnländer, bzw. sog. „Aufhol-Länder“ versus andere Entwicklungsländer und entwickelte Länder) und nicht zuletzt den unterschiedlichen Qualifikationsgruppen in den Sektoren (d.h. hochqualifizierte, qualifizierte und niedrigqualifizierte). Die Auswirkungen von Kapitalflüssen werden meist in Firmenstudien analysiert, wobei jedoch eine Beurteilung der Auswirkungen des Foreign Direct Investment- (FDI-) Abfluss auf die Löhne und auf die Beschäftigung je nach Branche eine wichtige (relevante) Ergänzung der Studien zu Handels- und Outsourcing-Einflüssen sind. Man kann dadurch die Droheffekte untersuchen, sofern sie FDI-Strömen enthalten sind. Sollte sich letztlich herausstellen, dass Handel oder Kapitalmobilität einen Einfluss haben auf die Elastizität der Arbeitskräftenachfrage und auf die Lohnverhandlungsstärke der ArbeitnehmerInnen, so führt dies nicht nur zu einer Verschiebung im Arbeitskräftebedarf oder in der Lohnverhandlungskurve, sondern es verändert auch die Reagibilität der Beschäftigung auf Produktion und Löhne sowie jene der Löhne auf Produktivität und Arbeitslosigkeit. Viele Studien kommen zu dem Schluss, dass die Außenöffnung sich auf den Arbeitsmarkt viel stärker auswirkt als es allein die bloßen Zahlen vermuten lassen, und sie einher geht mit einer allgemeinen Verschiebung der Kräfteverhältnisse bei den Lohnverhandlungen und der Arbeitskräftenachfrage in Zeiten von harter Konkurrenz und hoher Kapitalmobilität. Daher ist es im Grunde nicht die Marktöffnung an sich, sondern sind es die Bedingungen unter denen sie stattfindet – d.h. die Verschiebung der Kräfteverhältnisse als Folge der Außenöffnung, die dem Faktor Arbeit schaden. Wenn dies so ist, sollte die Wirtschaftspolitik dieser Frage mehr Aufmerksamkeit widmen. Die wirtschaftspolitische Diskussion über die Auswirkungen der Globalisierung auf den Arbeitsmarkt kann als ein weites Spektrum an Ansichten mit zwei Extrempositionen gesehen werden, welche die Unterschiede der theoretischen Zugänge am besten charakterisieren: Auf der einen Seite findet man hauptsächlich die Forderung des ökonomischen Mainstreams nach weiteren Arbeitsmarktderegulierungen sowie nach Methoden um die Lohnflexibilität und die Mobilität niedrigqualifizierter Arbeitskräfte zu erhöhen (z.B. OECD, 2005). Auf der anderen Seite findet man politökonomische Auffassungen, die einerseits den Nachdruck legen auf die Rolle der Industriepolitik bei der Förderung von Investitionen und bei der Unterstützung des Arbeitsplatzbeschaffungspotenzials der