– 55 – emotionalen Anforderungen bei der Arbeit und um die unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ("poor work-life balance"). Krankheiten des Kreislaufsystems waren 2006 zu knapp 13% für die neu zuerkannten Invalidi- tätspensionen verantwortlich. Wiederum hat der Belastungsfaktor Arbeitsschwere in dieser Diagnosegruppe das höchste Attributivrisiko (19%) gefolgt von gefährlichen Stoffen und Vib- rationen. Die Diagnosegruppen im Bereich der Krankenstandstage und Pensionsneuzugänge weisen folgende wesentliche Unterschiede auf: Während jeweils nur knapp 4% der Kran- kenstandstage auf psychische Erkrankungen bzw. Erkrankungen des Kreislaufsystems zurück zu führen sind, liegt der Anteil dieser Krankheiten als Grund für den krankheitsbedingten dau- erhaften Erwerbsaustritt viel höher. 27% der Invaliditätspensionsübertritte erfolgen aufgrund psychischer Erkrankungen und 13% aufgrund von Kreislauferkrankungen. Beschwerden dieser beiden Diagnosegruppen bauen sich folglich über die Zeit auf und münden in einem über- proportionalen Ausmaß, relativ zu den krankheitsbedingten Fehlzeiten, in einer Erwerbsunfä- higkeitspension. Will man das Eintreten arbeitsbedingter Krankheiten verhindern, insbesondere solcher, die Auslöser für Erwerbsunfähigkeit sind, sollte man Präventionsmaßnahmen ins Auge fassen, die vor allem die Arbeitsbelastungen verringern, die hauptverantwortlich dafür sind, nämlich geringer Handlungsspielraum, Arbeitsschwere, gefährliche Stoffe. Im Zusammenhang mit der Entwicklung von Präventionsmaßnahmen ist in allen drei Präven- tionsdimensionen zielgerichtet vorzugehen. In der primären Prävention sollen schädigende Bedingungen verringert werden, etwa durch stressreduzierende Arbeitsweisen, durch mehr Selbstbestimmung, durch eine ergonomische Gestaltung von Werkzeugen und Maschinen, durch Sicherheitsmaßnahmen etc. In diesen Bereich fallen auch Aktivitäten, die die Wider- standskraft der Einzelnen verbessern, etwa Hinweise für Entspannungsübungen am Arbeits- platz, oder Möglichkeiten der sportlichen Betätigung in Pausen. Auch in der Sekundärpräven- tion sind verstärkt Maßnahmen zu setzen, wobei der Schwerpunkt bei Vorsorgeuntersuchun- gen bei Risikogruppen liegen sollte, also bei Personen, die einer Kombination von Arbeitsbe- lastungen ausgesetzt sind. Die tertiäre Prävention setzt bei bereits bestehenden Erkrankungen ein, um Folgeschäden zu vermeiden oder zu verringern. 3. Ausblick und Schlussfolgerungen Die vorliegende Untersuchung hat gezeigt, dass Arbeit nicht nur ein wesentlicher Quell unse- rer Wohlfahrt ist, sondern dass sie auch Belastungen mit sich bringt. Die Belastungen können Auslöser für Krankheiten sein, die sich je nach beruflicher Tätigkeit, Arbeitsorganisation und Arbeitstechnologie sowie persönlicher Konstitution ? die u. a. mit dem Alter und Geschlecht in Verbindung steht ? anders artikulieren und entwickeln können. Des Weiteren können indivi- duelle Verhaltensmuster für einen unterschiedlichen Verlauf einer Krankheit verantwortlich sein. Aber auch die verschiedenen Formen der Arbeitsbelastungen können je nach Branche