Forderung: ‚Gut, das ist das Stück Brot, wo aber ist der ganze Laib?‘, und der Vorarbeiter antwortet: ‚Also Streik‘. Arbeiter verlassen die Fabrik ist eine Abfolge von genauen Bildlektüren. Farocki entnimmt den Bildern ein ihnen einbelichtetes gesellschaftliches Wissen, ohne sie in der Lektüre einer forcierten Deutung unterzuordnen. Darin ist der Film beispielhaft für Farockis Verfahren, den Bildern selbst argumentatives Potential zuzusprechen. Bei der Montage lässt er sich von dem leiten, was sich in ihnen artikuliert: Von den Marschblöcken, in denen die Arbeiter 1934 bei Siemens diszipliniert sind, kommt er zu Langs Metropolis mit seinen Formationen in Reih und Glied, vom prominenten Motiv des Streiks zu einem Werbefilm, der die Sicherung des Fabrikgeländes durch automatisch hochfahrende Sicherheitsschranken propagiert. Über die motivische Ähnlichkeit zwischen Fabrikausgang und Gefängnistor und die Gemeinsamkeit beider gesicherter Architekturen ist auch Gefängnisbilder schon in Arbeiter verlassen die Fabrik angelegt: ‚Wo einmal die erste Kamera stand, da sind heute hunderttausende von Überwachungskameras zur Stelle.‘ Der Film ist 1995 zum hundertsten Geburtstag des Kinos entstanden; für eine Ausstellung, die Anfang 2006 in der Wiener Generali Foundation und im Frühjahr 2007 in der Berliner Akademie der Künste stattfand, hat Farocki erneut an Arbeiter verlassen die Fabrik angeschlossen und den Film - nun in Monitoren installativ nebeneinander arrangiert - um weitere Ausfertigungen des Motivs ergänzt.“ Quelle: http://www.kunst-der-vermittlung.de/dossiers/fruehes-kino/farocki-arbeiter-verlassen- die-fabrik/