? Diesem Widerspruch und den daraus folgenden Unterinvestitionen in Weiterbildung in den Betrieben muss auf politischer Ebene begegnet wer- den. Dabei kommt es vor allem darauf an, die Erwerbspersonen, nicht nur die älteren, sondern auch jene, die es in absehbarer Zeit sein werden, mit Kenntnissen und Qualifikationen auszustatten, die es ihnen erlauben, sich auf dem Arbeitsmarkt besser zu bewegen und ihre Berufslaufbahn ent- wickeln zu können. ? Allgemein anerkannte „Qualifikationsrahmen“, wie sie auf EU-Ebene und in Österreich in Entwicklung sind und in einigen europäischen Ländern bereits bestehen, werden dazu beitragen, weil sie die „Portabilität“, d.h. die breite Verwendbarkeit von Weiterbildung gewährleisten. ? Weiterbildung ist eine Tätigkeit, die oft neben den Arbeitsprozess tritt und komplexe Vereinbarungen zwischen Unternehmen, Beschäftigten und Weiterbildungseinrichtungen erfordert. Ebenso bedarf es interner Ar- beitsmärkte und Arbeitszeitarrangements. Besonders kleine und mittlere Betriebe können dabei überfordert sein. Das Vorhandensein von Be- triebsräten ist für die Weiterbildungsaktivität von herausragender Bedeu- tung. ? Jene älteren Erwerbspersonen, die nicht vorzeitig aus dem Erwerbs- leben ausgeschieden sind, haben den wirtschaftlichen Strukturwandel, der in Österreich in den letzten beiden Jahrzehnten stattgefunden hat, nicht schlechter bewältigt als jüngere Altersgruppen. Sie haben die höheren beruflichen Anforderungen, den Übergang in neue Tätigkeits- felder mit vollzogen, ausgehend von vielfach nur geringer schulischer Ausbildung. ? Die zunehmende Alterung der Erwerbspersonen erfordert eine Korrektur bisher noch bestehender Defizitorientierungen: die spezifischen Einstel- lungen, Erwartungen und Lebensumstände, die das Altern mit sich bringt, müssen berücksichtigt werden (Lebensphasenorientierung). ? In Arbeitsverhältnissen ist es oft nicht die Tätigkeit selbst, sondern es sind die Umstände, die sozialen Konstrukte, in die die Tätigkeit eingebettet ist, die zu einem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben führt. Deshalb geht es darum, diese Umstände zu ändern. ? Eine aktuelle europäische Erhebung über ältere Personen zeigt, dass Bil- dung ein maßgeblicher Faktor für die Gesundheit, das Einkommen, die Anerkennung und die Zufriedenheit der Beschäftigten ist. ? Die Förderung der (beruflichen) Weiterbildung ist daher nicht nur eine bil- dungs- sondern auch eine gesundheits- und sozialpolitische Notwendig- keit.