Sicherungssysteme und Risikoverteilung bei Betriebspensionen - Ländervergleich Mag. Gerald Klec 5/14 Studie im Auftrag der AK- Wien In Deutschland und Schweden spielen nicht kapitalgedeckte Direktzusagen nach wie vor eine beträchtliche - wenngleich rückläufige - Rolle. In beiden Ländern müssen die Arbeitgeber mit Direktzusagen an einem verpflichtenden Schutzmechanismus teilnehmen, der bei Insolvenz eines Trägerunternehmens die Pensionsverpflichtungen und die unverfallbaren Anwartschaften zur Gänze und „lebenslänglich“ absichert. Für das Schutzsystem sind von den betroffenen Unternehmen Prämien zu entrichten, die sich an der Höhe der Pensionsverpflichtungen orientieren. Die Prämien sind nicht risikobezogen kalkuliert, es erfolgt keine Risikoeinschätzung der Ausfallswahrscheinlichkeit des Arbeitgebers. Das Kollektiv der Arbeitgeber mit Direktzusagen garantiert damit für den Ausfall einzelner Arbeitgeber. Bei externer Finanzierung dient vor allem die vorgeschriebene Kapitaldeckung als Absicherung gegen eine Insolvenz des Arbeitgebers. Bereits erworbene Pensionsanwartschaften und Leistungsansprüche sind von einer Insolvenz des Arbeitgebers nicht unmittelbar betroffen. Bei schlechten Veranlagungsergebnissen oder Änderungen der versicherungsmathematischen Parameter können allerdings Unterdeckungen auftreten, die je nach Ausgestaltung des Systems zu Lasten der Versicherten (Leistungskürzung), der Vorsorgeeinrichtungen (bei garantierter Mindestleistung) und/oder der Arbeitgeber (Finanzierungsverantwortung) gehen. Im Vereinigten Königreich gibt es für kapitalgedeckte Defined Benefit Systeme seit 2005 ein verpflichtendes Schutzsystem gegen die Gefahr der Insolvenz des Arbeitgebers. Auslösendes Moment für die Schaffung des Pension Protection Fund (PPF) waren hohe Pensionsverluste in Folge der Unterdeckung von Zusagen und der Insolvenz von Arbeitgebern, die ihre Verpflichtungen zur Abdeckung des Fehlbetrags nicht einhalten konnten. Alle Arbeitgeber mit Leistungszusagen müssen an diesem neuen Sicherungssystem teilnehmen und Prämien für die Absicherung entrichten. Die Beiträge zum Schutzsystem sind abhängig vom Risiko der Zusage, das nach Art der Durchführung, Investitionsstrategie, Kapitaldeckungsgrad und anderen Kriterien des Arbeitgebers (wirtschaftliche Situation) bestimmt wird. Es ist dies die erste derartige Prämie mit einer Risikoabhängigkeit. Die Solidargemeinschaft der Arbeitgeber mit Leistungszusagen haftet somit für insolvenzbedingte Ausfälle einzelner Arbeitgeber. Da sich die neu geschaffene Absicherung nur auf Leistungszusagen bezieht und zusätzliche Kosten durch die zu zahlenden Risikoprämien entstehen, wird die Neuregelung von manchen Unternehmen als weiteres Motiv genannt, Neuzusagen - wenn überhaupt – dann nur mehr in Form von Beitragszusagen zu erteilen (Beitragszusagen sind vom PPF nicht abgesichert und ziehen auch keine Prämien nach sich). Welches gigantische Ausmaß die Unterdeckungen bei Kapitalmarkteinbrüchen erreichen können, zeigen aktuelle Zahlen des Pension Protection Funds (UK). Demnach weisen derzeit rund 90% der im PPF 7800 Index enthaltenen Defined Benefit- Systeme eine Unterdeckung auf. Die kumulierte Unterdeckung sämtlicher in diesen Index einbezogenen Systeme beträgt knapp 200 Mrd. Pfund und hat sich im Jahresabstand nahezu vervierfacht (PPF Report February 2009). Sicherungsmechanismen in defined contribution Systemen – garantierte Mindestleistungen Garantierte Mindestleistungen durch die Vorsorgeeinrichtung gibt es in erster Linie bei den Versicherungslösungen, wie sie vor allem in Dänemark und Schweden verbreitet sind. Die eingezahlten Beiträge werden in diesen Modellen in Annuitäten umgerechnet. Die Zahlung der Annuitäten wird von der Vorsorgeeinrichtung garantiert (garantierte Mindestleistung). Ergänzend zur Garantieleistung gibt es je nach erzielten Ergebnissen Gewinnzuteilungen.