In der Hauptschule wurde ich mit neuen Berufszielen konfrontiert. In der Klasse dominierten unter uns Burschen Handwerksberufe, viele wussten bereits, dass sie als Zimmerer, Tischler, Spengler, Installateur, Maurer, Dachdecker, Schlosser und so weiter ihr Geld verdienen werden. Weil mein Freund Mechaniker werden wollte und er mir die besonderen Vorteile dieses Berufes schmackhaft machte, konnte ich mir diesen Lehrberuf bald ebenso gut vorstellen, zumal er sich ideal mit der Landwirtschaft verbinden ließ, wo immer verschiedene Maschinen kaputt gingen und repariert werden mussten. Durch den von meiner Familie verordneten Wechsel in ein bischöfliches Knabenseminar mit angeschlossenem Gymnasium entfernten sich meine Ziele vom Handwerk und verlagerten sich hin zu geistigen Berufen. Da sich der Großteil unserer Klasse für eine theologische, jedenfalls aber für eine universitäre Ausbildung interessierte, fühlte ich mich genötigt, ebenfalls solche Ziele ins Auge zu fassen. Bis zur Matura war mir nur klar, was ich nicht studieren wollte und erst als ich mir das Vorlesungsverzeichnis in Ruhe anschaute, sprang mir der „Studienversuch Soziologie“ ins Auge. Da ich das Studieren insgesamt als einen Versuch ansah, wählte ich diese Studienrichtung und blieb überraschenderweise dabei, weil die verschiedenen Vorlesungen und Seminare interessant genug waren und ich Spaß am soziologischen Denken und Arbeiten fand. Allein anhand meiner Biographie fällt auf, dass sich die Berufsziele im Laufe eines Lebens verändern können und wiederholt Entscheidungen über die berufliche Zukunft getroffen werden müssen. Die Berufswahl wird von der Familie, von Freunden, von der Schule und vom jeweiligen Berufsangebot beeinflusst. Diejenigen von uns, die die Möglichkeit haben, die zahlreichen Ausbildungsangebote gut zu nutzen und noch dazu lernbereit und lernfähig sind, können in unserer Gesellschaft sehr viele Berufsziele verfolgen. Wichtig dabei ist es aber, die eigenen persönlichen Fähigkeiten möglichst gut zu kennen und richtig einzuschätzen. Einen Traumberuf anzupeilen, für den fast alle Voraussetzungen fehlen, bringt außer zahlreichen Frustrationserlebnissen keinen besonderen Nutzen. In der Regel wissen die meisten Menschen früher oder später über ihre Stärken und Schwächen Bescheid und richten ihre Berufswahl danach aus. Genauso wie ich mir zu keinem Zeitpunkt hätte vorstellen können Physik oder Medizin zu studieren, wissen die meisten Jugendlichen in welche berufliche Richtung es gehen bzw. nicht gehen soll. 5