2. Berufswahl in der Kindheit Um die unterschiedlichen Zugänge zu einem bestimmten Beruf zu unterstreichen, möchte ich an den Beginn dieser soziologischen Studie ein Gespräch mit einem 19- jährigen Schüler stellen, der schon als kleines Kind wusste, was er einmal werden möchte. Damit soll gezeigt werden, dass der Zeitpunkt für eine Berufswahl individuell sehr unterschiedlich getroffen wird. So gibt es Menschen, die schon früh wissen, welchen Beruf sie einmal ausüben werden, die meisten aber entscheiden sich zwischen 14 und 18 Jahren für eine bestimmte Ausbildung. Es gibt aber auch Personen, die mit 20 Jahren oder noch später keine rechte Vorstellung haben, welche berufliche Tätigkeit sie ausüben möchten. Selbst über 50-Jährige müssen sich heute am Arbeitsmarkt manchmal beruflich völlig neu orientieren, weil sie ihre vorherige Tätigkeit aus welchen Gründen auch immer nicht mehr ausüben können. Das Thema Berufswahl begleitet uns demnach von frühester Kindheit an über die besonders wichtige Phase der Jugend bis kurz vor die Pensionierung. In der Regel verändert sich mit fortschreitendem Alter der Berufswunsch. Dennoch gibt es Personen, die von Kindheit an ein fixes Berufsziel vor Augen haben und dieses konsequent ansteuern. Wo liegen die Gründe für eine solche frühe Berufswahl? Wer oder was beeinflusst ein derartiges Verhalten? 2.1. „Von diesem Moment an wollte ich Schmied werden“ – Berufswahl in frühester Kindheit Heinz (19): „Mit vier oder fünf Jahren bin ich mit meinem Vater auf einem Jahrmarkt gewesen. Da habe ich einem Schmied zuschauen können, wie er im Feuer Eisen erhitzt und dieses auf dem Amboss mit seinem Hammer gebogen hat, dass die Funken nur so gesprüht sind. Von dieser Arbeit und diesem Mann war ich total fasziniert. Von diesem Moment an wollte ich Schmied werden. Ich machte die Schule, zuerst die Volks-, dann die Hauptschule und nach dem 9. Schuljahr wollte ich sofort eine Lehre in einer Schmiede anfangen. Aber leider bekam ich keinen Lehrplatz, einen anderen Beruf wollte ich aber nicht lernen. Schließlich fand ich einen alten Schmied, den ich bat, ihm in seiner Werkstatt helfen zu dürfen. Er war ein mürrischer alter Mann, der mich gleich auf die Probe gestellt hat. Ich habe versagt, und er verwies mich aus seiner Werkstatt. Später fand ich einen anderen alten 18