Nur 22 Prozent eines Altersjahrgangs absolvieren Hochschulen, was Österreich vor Griechenland an die vorletzte Stelle der Industriestaaten rückt (OECD-Durchschnitt: 39 Prozent). Die soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems ist in Österreich bekanntermaßen gering, die Wahrscheinlich- keit eines Hochschulabschlusses von Frauen und Männern aus Familien mit hohem sozialem Sta- tus ist gemäß OECD dreimal so hoch wie jener mit niedrigerem sozialen Status. Selbst jene, die es schaffen, ein Hochschulstudium zu ergreifen, sind in vielen Studienzweigen mit einer beklagenswer- ten Lage konfrontiert, worauf ja die jüngsten Studentenproteste öffentlich aufmerksam gemacht haben. Die Situation am Arbeitsmarkt wird die Uni-Misere mit großer Wahrscheinlichkeit noch ver- schärfen, weil sich wohl aufgrund des geringeren Arbeitsangebots der Druck auf die Verweildauer der Studierenden an den Universitäten erhöhen wird. Eine der Ursachen liegt auch im Zögern der Wirtschaft, den Bachelor-Abschluss als genügende Qualifikation zu akzeptieren. Dass der Bedarf an sozialer Absicherung ebenfalls stark steigen wird, ist nicht nur als Folge der Krise zu sehen. In den letzten Jahrzehnten ist nicht nur die Lohnquote massiv rückläufig, Österreich kennt man mittlerweile das Phänomen der „working poor“, also geringer Löhne insbesondere im Dienstleistungsbereich, die keine ausreichende Existenzgrundlage bieten können. Vor allem Frauen sind die Betroffenen. Dazu kommt, dass einerseits aufgrund fehlender oder nicht ganztägig geöffne- ter Kinderbetreuungseinrichtungen, aber auch wegen des mangelnden Angebots an Ganztagsbe- schäftigung die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten stark angestiegen ist. Schon jetzt ist abzusehen, dass bald jede zweite Frau keiner Ganztagsbeschäftigung nachgehen wird. Vor allem alleinerzie- hende Mütter, die prekär oder in Teilzeit beschäftigt sind, geraten in die Armutsfalle. Seit Jahren zeigen die Studien über die Verteilungswirkungen des Budgets das gleiche Bild: wenn überhaupt, so nur sehr geringe Umverteilungswirkungen der Staatseinnahmen von oben nach un- ten. Umverteilung findet fast ausschließlich über die durch Staatsausgaben finanzierten Leistungen und Einrichtungen statt. In einer Zeit des Auseinandergehens der Schere zwischen hohen und nied- rigen Einkommen, in einer Zeit steigender Vermögenskonzentration und wachsender Armut ist das soziale Korrektiv durch die öffentlichen Haushalte, durch die Staatsausgaben aber wichtiger denn je. Trotzdem gilt Sparen bei öffentlichen Ausgaben als höchst populär. So war der Ruf nach dem Null- defizit – eine ökonomisch wie gesellschaftlich unsinnige Zielsetzung – zumindest vorübergehend die Grundlage für die hohe Reputation eines Finanzministers, die sich erst aufgrund dubioser Freund- schaften zusehends verflüchtigt. Natürlich kennt fast jeder Beispiele für die Verschwendung von Steuergeldern. Auch die ersatzlose Streichung der einen oder anderen öffentlichen Ausgabe wird durchaus begrüßt, vor allem wenn sie einen nicht selbst betrifft. Insgesamt sollte jedoch ein Konzept der Budgetsanierung berücksichtigen, welche Funktion öffentliche Haushalte in der Verteilung der Einkommen, in der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Armut haben können. Die Forderung nach einem „Transferkonto“, soweit sie überhaupt Sinn macht, kann also nur als Ankündigung eines verschärften Klassenkampfs von oben gesehen werden. Dabei soll gar nicht abgestritten werden, dass im Zusammenwirken von verschiedenen Gebietskörperschaften manche Ungereimtheiten entstehen können. Diese sind aber wesentlich billiger und effektiver zu beseitigen als durch ein auf Personen oder Familien abgestelltes „Transferkonto“. Die Modifikation dieser Idee zur „Transparenz-Datenbank“ soll nun Subventionen mit einschließen. Dass gerade die Hingabe öffentlicher Mittel für staatliche Stellen und ihre Nutznießer „transparent“ gemacht werden soll, ist einigermaßen abwegig. Zahler wie Empfänger sollten wohl ohnehin Bescheid wissen. Die einen durch einen Blick auf den Rechnungsabschluss, die anderen durch einen Blick auf ihr Konto. Wenn es lediglich um die Koordination sozialer Transfers verschiedener Gebietskörperschaften ginge, müsste sich wohl ein einfacherer und weniger bürokratischer Weg finden lassen. Wenn man sich schon um Transparenz bemüht, so sollte man dort ansetzen, wo hierzulande die größten Lücken im 7