? Neue Perspektiven für die Landwirtschaft im Kontext der Liberalisierung der Ag- rarmärkte Die Tatsache, dass so lange und intensiv über Agro-Treibstoffe diskutiert werden muss, legt den Schluss nahe, dass diese klare Win-Win-Situation nicht gegeben ist. Umweltschutzorganisationen und soziale NGOs treten heute geschlossen gegen die der- zeitige Agro-Treibstoff-Politik unter den gegebenen ökonomischen Rahmenbedingungen auf. Folgende Rahmenbedingungen stehen aus ihrer Perspektive einer nachhaltigen Nut- zung von Biomasse als Energieträger entgegen: ? Die globalisierte Marktwirtschaft fördert Tendenzen in Richtung einer agroindustri- ellen, umweltschädlichen und sozial unverträglichen Produktionsweise von Bio- masse ? Machtverhältnisse: Arme und indigene Bevölkerungsschichten geraten verstärkt unter Druck ? Technologische Rahmenbedingungen: die Effizienz von derzeit verfügbaren Agro- Treibstoffen ist sowohl in Hinsicht auf Flächenbeanspruchung und Energieeffizienz als auch im Hinblick auf die Kosteneffizienz nicht ausreichend – über eine „zweite Generation“ kann derzeit nur spekuliert werden. Unter diesen Rahmenbedingungen kann ein politisches Substitutionsziel, welches die weltweite landwirtschaftliche Produktion anheizt und Agrarprodukte aus dem Nahrungsmit- telmarkt abzieht, nicht ein Schritt in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung sein. Diese Sichtweise wird nicht nur von NGOs, sondern auch von unzähligen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern sowie Institutionen wie den United Nations, der FAO oder der OECD geteilt. Es scheint, als hätten wir uns in der Agro-Treibstoff-Diskussion in einen Lösungsvorschlag verbissen, wobei wir dabei das Problem selbst aus den Augen verlieren: Das vermeintlich unaufhaltsame Ansteigen des Verkehrsaufkommens. Wenn wir sinnvoll Klimaschutz be- treiben wollen, müssen wir an diesem Punkt ansetzen und ebenso intensiv über Maßnah- men zur Reduktion des Verkehrsaufkommens diskutieren, wie wir derzeit über Agro- Treibstoffe diskutieren. Als solche Maßnahmen können folgende genannt werden: ? Österreich braucht ein Gesamtverkehrskonzept, das Ziele formuliert und daraus Maßnahmen abgeleitet. Im Gegensatz dazu enthält der derzeitige Generalver- kehrsplan nur eine Liste von Infrastrukturprojekten, welche die Wunschvorstellun- gen einzelner Bundesländer widerspiegelt. ? Steigende Rohölpreise und steigendes Klimabewusstsein bringen seit etwa dem Jahr 2006 immer mehr Menschen zum Nachdenken. Diese Menschen brauchen funktionierende Alternativen zum Auto, das sind z.B. ein österreichweiter Takt- fahrplan für den Öffentlichen Verkehr und eine Straßenverkehrsordnung, die dem Gehen und Radfahren Platz einräumt und diese attraktiv sein lässt.