P O T E N Z I A L E F Ü R A G R O T R E I B S T O F F E I N Ö S T E R R E I C H , F L Ä C H E N V E R B R A U C H , I M P O R T E B u n d e s a r b e i t s k a m m e r 15 nahme von Zucker, pflanzlichen Ölen, Obst und Hülsenfrüchten sank bzw. stagnierte. Gründe liegen zum einen in der Zunahme des Pro-Kopf-Verbrauchs und des Gesamtver- brauchs aufgrund des Bevölkerungszuwachses, und zum anderen wurden die Erzeuger- preise aufgrund des EU-Beitrittes deutlich gesenkt, während die Preise von Importgütern (Kaffee, Bananen, usw.) sich kaum änderten. Im Jahr 2007 wurden auf 48.500 Hektar Ackerfläche 144.700 t Raps geerntet. Aus dieser Erntemenge hätte man ca. 58.200 t Rapsmethylester (Dieselersatztreibstoff) und ca. 82.500 t Eiweißfuttermittel erzeugen können. Tatsächlich wurde aber ein Teil der Rapsern- te für die Produktion von Speiseöl genutzt. Wörgetter (2008) schätzt, dass bis zum Jahr 2010 unter günstigen Bedingungen die Produktion von Dieselersatztreibstoff aus heimi- schem Anbau auf 120.000 t gesteigert werden kann. Dabei fallen gleichzeitig ca. 170.000 t Futtermittel an. Dazu wären 100.000 Hektar Fläche nötig, ein Wert der über dem im Jahr 1995 beobachteten Höchststand des Rapsanbaus von 89.000 Hektar liegt. Diese prognos- tizierte Menge entspricht etwa der Hälfte der im Jahr 2007 installierten österreichischen Produktionskapazität von etwa 241.000 t Dieselersatztreibstoff (aiz, 2008). Der darüber liegende inländische Bedarf muss daher durch andere heimische Rohstoffe (z. B. Altspei- seöl und Sonnenblumen) und durch Importe von Raps bzw. Pflanzenöle gedeckt werden. Die Produktion von Ethanol in Österreich für die Beimischung zu Benzin läuft erst im heuri- gen Jahr an. Es gibt ein großes Werk, das im Vollbetrieb aus einem Rohstoffmix von bis zu 450.000 t Weizen, Rübendicksaft und Mais auf eine jährliche Kapazität von 190.000 t Ethanol ausgelegt ist. Als Nebenprodukt entstehen bis zu 170.000 t Eiweißfuttermittel (aiz, 2007). Im Jahr 2007 betrug die Getreide- und Maisernte etwa 4,7 Mio. t und der physische Selbstversorgungsgrad lag bei ca. 104%. Derzeit wird in Österreich in den Biogaskraftwerken überwiegend Strom erzeugt. Zu Jah- resende 2007 waren 340 Anlagen mit einer elektrischen Spitzenlast von 90,1 MW instal- liert. Die im Jahr 2007 produzierte Strommenge wurde auf 522 GWh geschätzt (E-Control, 2007). Praxiserträge von Mais liegen in der Größenordnung von knapp 40 MWh je Hektar, daraus kann unter günstigen Bedingungen eine elektrische Leistung von 14,3 MWh erzielt werden. Wird die Abwärme nicht weiter genutzt, wie dies überwiegend der Fall ist, so be- schränkt sich die Energieausbeute auf diesen Wert. Daraus errechnet sich ein Flächenbe- darf von ca. 36.500 Hektar Silomais. Dieser Wert kann zur Orientierung über den Flächen- bedarf der Stromproduktion aus Biogas dienen, dürfte aber nicht der tatsächlichen Flä- chennutzung entsprechen. Da Biogas auch aus weniger ertragreichen Pflanzen als Mais sowie aus Abfallprodukten und Gülle gewonnen werden kann, ist der Flächenverbrauch nicht leicht zu bestimmen. Es müssen daher laufende Erhebungen über die aktuelle Roh- stoffbasis der Biogasanlagen abgewartet werden, bevor die zum Betreiben nötige Menge genau quantifiziert werden kann. Biogas kann in komprimierter Form auch als Treibstoff genutzt werden. Derzeit wird jedoch Biogas als Treibstoff nicht in nennenswertem Umfang genutzt. Mehrere aktuelle Untersuchungen beschäftigen sich mit einer möglichen Ausdehnung der Flächen für die Produktion von Biomasse durch die Landwirtschaft in Österreich (vgl.