108 Insgesamt fällt auf, dass nahezu alle GesprächspartnerInnen hervorragende persönliche Voraussetzungen mitbringen, um ihre angepeilten Ausbildungsziele zu erreichen. Allerdings werden nicht wenige von ihnen mit Hürden konfrontiert, die selbst sie kaum überspringen oder zur Seite schaffen können. Hauptursache ihrer Probleme sind die knappen oder kaum vorhandenen finanziellen Ressourcen. Da viele von ihnen aus einem eher schwachen sozialen Umfeld stammen, sind sie auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Viele Erstsemestrige haben heute kaum mehr Zeit, sich auf die neuen Rahmenbedingungen im tertiären Bildungsbereich ein- und umzustellen. Einstiegsprobleme, die sich aus Uninformiertheit aber auch Überforderung ergeben, führen zu ungeplanten zeitlichen Verzögerungen und somit zum Verlust der (überlebens-)wichtigen Studienbeihilfe. Zusätzlich ist es vielen Studierenden nicht immer möglich, sich die notwendigen Seminarplätze in den überfüllten Lehrveranstaltungen zu sichern, was wiederum zum Zeitverlust und somit zur Streichung des Stipendiums führen kann. Obwohl die Studienrichtungen mehrheitlich auf ein Vollzeitstudium ausgerichtet sind, ist der Großteil der GesprächspartnerInnen angehalten nebenbei zu arbeiten, um Geld zu verdienen, was nicht nur großen zusätzlichen Stress bedeutet, sondern auch das schulische Fortkommen gefährdet. „Das Studieren darf nicht vom Geld abhängig sein“, sagt eine verzweifelte Studentin. Wenn hochtalentierte und ehrgeizige Personen, die ihr Leben auf Bildungserwerb ausgerichtet haben, derartige Anklagen erheben, ist das ein ernstes Alarmsignal und zeigt deutlicher als Statistiken es vermögen, wie weit die von der OECD kritisierte soziale Undurchlässigkeit des österreichischen Bildungssystems fortgeschritten ist.