B u n d e s a r b e i t s k a m m e r 1 Zusammenfassung Lebensmittelverpackungen haben wesentlichen Einfluss auf die Qualität der verpackten Produkte. Sie sollten diese möglichst gut vor äußeren Einflüssen schützen und die Qualität der Lebensmittel in keiner Weise negativ beeinflussen. Vor allem bei Verpackungsbestand- teilen aus Kunststoff gibt es zunehmend Bedenken zu gesundheitsrelevanten Stoffen, die aus der Verpackung in das Lebensmittel übergehen können. In der vorliegenden Arbeit werden gesundheitsrelevante Aspekte solcher Stoffübergänge aus der Verpackung bei Getränkeverpackungen anhand der Beispiele Acetaldehyd, Antimon, Bisphenol A und an- derer hormonaktiver Substanzen diskutiert. Die Thematik der Stoffübergänge aus Kunststoffverpackungen bei Getränken hat in Öster- reich aufgrund der Marktentwicklung der letzten Jahre zunehmende Relevanz: Kunststoff- gebinde (Polyethylenterephthalat (PET)-Flaschen) und Gebinde mit Innenbeschichtungen aus Kunststoff (Getränkedosen, Verbundkarton) verzeichneten einen starken Zuwachs bei gleichzeitigem Rückgang der Glasflaschen. Die Migration von Acetaldehyd aus PET-Flaschen hat trotz der potentiellen kanzerogenen Wirkung der Substanz kaum gesundheitliche Relevanz, da die aus der Verpackung migrie- rende Menge an Acetaldehyd um mehrere Größenordnungen geringer ist, als das Vor- kommen in natürlichen Lebensmitteln. Bei Getränken mit geringem Eigengeschmack füh- ren jedoch bereits kleinste Mengen Acetaldehyd zu wahrnehmbaren geschmacklichen Veränderungen. Eine Senkung der Migration des Acetaldehyds auf Werte unterhalb der Wahrnehmungsschwelle wäre technisch möglich, wird jedoch – vermutlich aus Kosten- gründen – nicht von allen VerpackungsproduzentInnen umgesetzt. Hier besteht ein klares Optimierungspotenzial im Sinne der Produktqualität. Antimonverbindungen werden als Katalysator bei der PET-Produktion eingesetzt, und kön- nen in geringen Mengen in das Getränk übergehen. Antimon(III)oxid wird als möglicher- weise kanzerogen eingestuft, auch der Verdacht auf eine potentielle hormonelle Wirksam- keit ist gegeben. Messergebnisse zeigen, dass die Migration von Antimon aus PET- Flaschen deutlich unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Mengen liegt. Bei hohen Temperaturen ist jedoch ein deutlicher Anstieg des Antimongehalts im Getränk messbar, wobei in Extremfällen auch der Grenzwert für Antimon in Trinkwasser überschritten werden kann. Die Lagerung von PET-Flaschen bei hohen Temperaturen und die Befüllung mit Heißgetränken sollte daher unbedingt vermieden werden. Kunststoffe können auch Substanzen enthalten, die das Hormonsystem beeinflussen und dadurch nachteilige Auswirkungen auf den Organismus haben können. Diese Stoffe wer- den als "Endokrine Disruptoren" bezeichnet. Sie können neben Kunststoffen auch z.B. in Pestiziden, Medikamenten und industriellen Abfallprodukten vorkommen. Zahlreiche For- schungsergebnisse geben klare Hinweise darauf, dass solche künstliche hormonaktive