B u n d e s a r b e i t s k a m m e r 1 5 4. Acetaldehyd Acetaldehyd kann bei jeglichen fermentativen Prozessen gebildet werden, wie beispiels- weise in Milchprodukten wie Joghurt, Kefir oder Käse (Lachenmeier et al., 2010). Als Oxi- dationsprodukt entsteht Acetaldehyd im Alkohol-Stoffwechsel (Abbau von Ethanol durch Alkoholdehydrogenase) im menschlichen Körper. Auch Hefezellen stellen im Kohlenhyd- ratstoffwechsel Acetaldehyd her (Hammer, 2008). Reifes Obst enthält große Mengen an Acetaldehyd (Lachenmeier et al., 2010). Die japanische Food Safety Commission schätzt die tägliche Acetaldehydaufnahme auf 9,2 bis 19,2 mg pro Person (Food Safety Commis- sion, 2005). Acetaldehyd und PET Acetaldehyd entsteht während der Herstellung von PET-Rohlingen. Üblicherweise enthält ein PET-Rohling ca. 3 bis 8 mg Acetaldehyd/kg. Durch die Verwendung von Acetaldehyd- Blockern sind Gehalte von 1 bis 1,5 mg Acetaldehyd/kg möglich. Hersteller garantieren einen Maximal-Gehalt von 4 mg/kg (PRS, 2006). In der PET-Herstellung erfolgt eine Dekontaminationsphase vor dem Extrusionsprozess, bei der flüchtige Verunreinigungen wie Acetaldehyd entfernt werden (Hell, 2010). Die Acetaldehyd-Migration vom PET-Material in die Flüssigkeit ist abhängig von der Ace- taldehyd-Konzentration in der PET-Flaschenwand, der Lagerzeit, der Temperatur während der Lagerung, dem Gewicht der Flasche, der Geometrie der Flasche und den Eigenschaf- ten des Füllgutes (Hammer, 2008). Andere Quellen für Acetaldehyd Als Hauptverursacher für die Belastung mit Acetaldehyd gelten Zigaretten, alkoholhältige Getränke und Lebensmittel. Acetaldehyd ist im europäischen Aromastoffverzeichnis enthal- ten und darf daher als Aromastoff in Lebensmitteln verwendet werden (Lachenmeier et al., 2010). Es wird in vielen Produkten (Fruchtsäfte, Backwaren, Milchprodukte…) in Konzent- rationen bis 0,047 % eingesetzt und ist von der Food and Drug Administration als GRAS- Verbindung („generally regarded as safe“) gelistet. Es findet sich zu folgenden Konzentrati- onen in üblichen Lebensmitteln: 0,02 bis 0,45 mg/kg in Butter, 0,7 bis 76 mg/kg in Joghurt, Rotwein 7 bis 116 mg/kg oder Essig mit 20 bis 1060 mg/kg (Leitner et al., 2001). Laut Lachenmeier gab es bis 2010 keine systematischen und aktuellen Untersuchungen zum natürlichen Acetaldehydvorkommen in Lebensmitteln (Lachenmeier et al., 2010).