B u n d e s a r b e i t s k a m m e r 5 3 Anhang Studien zu Kontaminationen mit hormonartiger Wirkung bei Mineralwässern Wagner und Oehlmann, 2009; Wagner und Oehlmann, 2010 In zwei aktuellen Studien (Wagner und Oehlmann, 2009; Wagner und Oehlmann, 2010) untersuchten Wissenschafter der Goethe-Universität Frankfurt Mineralwasser aus Glasfla- schen, PET-Flaschen und Verbundkarton auf estrogenähnliche Wirkungen. In beiden Un- tersuchungen zeigte sich bei etwa 60 % der untersuchten Wässer eine estrogenähnliche Wirkung. Die Forscher vertreten die Hypothese, dass die Migration endokriner Disruptoren aus der Verpackung eine wesentliche Ursache für die hormonartige Wirkung ist11. In der ersten Studie (Wagner und Oehlmann, 2009) wurden Experimente mit Zellkulturen (in vitro), sowie mit Schnecken (in vivo) durchgeführt: Die Untersuchung mit genetisch ver- änderten Hefezellen (mit humanem Estrogen-Rezeptor) ergab bei 12 von 20 Produkten eine signifikant erhöhte estrogene Aktivität. Im Mittel über alle Proben wurde eine Aktivität von 18 ng/l EEQ gemessen (EEQ: Äquivalente Menge des natürlichen Hormons 17?- Estradiol, das die gleiche estrogene Wirkung in vitro hätte). Der höchste gemessene Wert betrug 75,2 ng/l (gemessen bei einer PET-Einweg-Flasche). Vier der untersuchten Wässer wurden sowohl in Glas- als auch PET-Flaschen abgefüllt. Bei drei Produkten war die estrogene Wirkung der Wässer aus PET-Einwegflaschen leicht aber nicht signifikant höher als bei dem gleichen Produkt aus der Glasflasche. Wobei bei einem dieser Produkte zusätzlich auch eine PET-Mehrwegflasche untersucht wurde, wel- che keine erhöhte estrogene Wirkung im Vergleich zum Wasser in der Glasflasche zeigte. Im vierten Fall waren die Werte der Wässer aus PET- und Glasflasche gleich hoch, hierbei handelte es sich bei der PET-Flasche ebenfalls um eine Mehrwegflasche. Die Studienautoren interpretieren ihre Ergebnisse als Hinweis darauf, dass die estrogene Wirkung durch endokrin wirksame Substanzen verursacht wird, die sich aus der Kunst- stoffverpackung ins Wasser lösen. Diese Schlussfolgerung wird jedoch scharf kritisiert (BfR 2011) da die Ergebnisse keine signifikanten Unterschiede zwischen den in PET- und in Glasflaschen abgefüllten Wässern des gleichen Herstellers erkennen lassen. Die Unter- 11 Die Publikationen enthalten keine Angaben zum Material der Verschlusskappen sowie zum Kohlensäuregehalt der untersuchten Wässer. Zur genauen Zusammensetzung der Verschlusskappen lagen keine Informationen vor. Es wurden Wässer mit und ohne CO2 untersucht, ein Zusammenhang zwischen CO2 und estrogener Aktivität war nicht festzustellen (persönliche Mitteilung M. Wagner, 2011)