Arbeit&Wirtschaft 11/2006 Hintergrund 9 mung ist Frankreich. Im öffentlichen Sektor ist Mitbestimmung ab einer Be- legschaft von 200 ArbeitnehmerInnen Standard. Die Privatisierungswellen des letzten Jahrzehnts haben zwar zu einer Verschlechterung, aber nicht zu einer Ab- schaffung der Mitbestimmung geführt. Für den privaten Sektor ermöglicht das Gesetz Arbeitnehmermitbestimmung auf freiwilliger Basis und ist in der Praxis kaum anzutreffen. Der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Mitbestimmung liegt bei den »Comites d´entreprise«. Es han- delt sich dabei um Betriebräte, die sich jedoch aus Vertretern der Belegschaft und des Managements zusammensetzen und die auch das Recht haben Delegierte in den Verwaltungsrat zu entsenden. Diese können bei den Sitzungen und Diskus- sionen teilnehmen, haben aber kein for- melles Stimmrecht. Auch in Portugal ist wirtschaftliche Mitbestimmung auf die relativ gut ent- wickelte Betriebsratsebene konzentriert. Arbeitnehmermitbestimmung in den höchsten Unternehmensorganen ist nur im öffentlichen Sektor ein Thema. In Griechenland und Spanien sind ArbeitnehmerInnen in den Verwaltungs- räten staatlicher Unternehmen vertreten. Die Privatisierungen in diesen Ländern haben jedoch diese Mitbestimmung teil- weise wieder beseitigt. In Spanien werden zudem Unterrichtungs- und Anhörungs- rechte der Betriebräte in der Praxis meist ignoriert. Auch in Irland hat die auf den öffent- lichen Sektor beschränkte Mitbestim- mung durch die Privatisierungen gelitten, wenngleich in einigen der ehemaligen staatseigenen Unternehmen noch Arbeit- nehmerInnen in den Verwaltungsräten vertreten sind. Komplizierter ist die Situation in Polen. Es ist nicht nur zu trennen zwi- schen dem öffentlichen, dem privatisier- ten und dem privaten Sektor. Bei den ehemals staatseigenen Betrieben ist wei-