Arbeit&Wirtschaft 11/2006 Hintergrund 13 atypisch Beschäftigte, sprich freie Be- schäftigte mit Dienstverträgen, Werkver- trägen oder Gewerbeschein. Selbstausbeutung Seit 2001 wurden über 4500 Erstbera- tungen (auch für Nichtmitglieder) durch- geführt. »Mittlerweile gibt es keine Be- rufssparte, in denen keine irregulären Arbeitsverhältnisse auftreten. »Es kom- men Ratsuchende aus allen Bereichen und Einkommensschichten. Von ganz niedrigen bis zu solchen, von denen man nur träumen kann. Die sind allerdings in verschwindender Minderheit«, berichtet Rolzhauser. Manche täuschen sich auch selbst dar- über hinweg, dass sie – im Verhältnis zum Arbeitsaufwand, Eigeninvestitionen und Ausbildung – eigentlich miserabel verdie- nen. So etwa eine hochqualifizierte Frau, die selbständig in PR- und Lobbyarbeit tätig ist. »Immerhin komme ich auf cirka 1500 Euro pro Monat«, meinte sie in der Beratung. Die vielen Stunden, die sie für die eigentliche Tätigkeit, Verwaltung, Ab- rechnung und Planung aufwendet, hat sie nicht gezählt. Bei genauer Rechnung verdient die Akademikerin weniger als ArbeitnehmerInnen mit Mindestkollek- tivvertrag. »Der Wert der Arbeit wird durch die Verschleierung der Dienstverhältnisse enorm gedrückt«, beklagt Rolzhauser. »Die neuen Selbständigen sind meist iso- liert und haben kaum Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Hier muss es Min- destnormen geben, die eingehalten wer- den, um sich nicht ausbeuten zu lassen.« Schwerpunkt Erwachsenenbildung Selbstausbeutung ist derzeit im Bereich der Jugend- und Erwachsenenbildung gang und gebe, um überhaupt einen Auf- trag zu bekommen. Von Mindesthono- raren oder sozialer Absicherung ist hier keine Rede. Ein Auszug aus dem Werk- vertrag eines Reiseveranstalters für Ju- gendurlaubscamps, der dem ÖGB-Bera- tungsbüro vorliegt: »Als Entgelt für die zu erbringende Leistung wird ein Pau- schalbetrag von 981 Euro pro Monat ver- einbart. ... Mit diesem Pauschalbetrag sind auch Aufwendungen seitens des Auf- tragnehmers abgegolten. Eine besondere Vergütung für Fahrtkosten, Sozialabga- ben, etc. erfolgt nicht. ... Dem Auftrag- nehmer ist bekannt, dass der Auftragge- ber, da es sich um einen Werkvertrag handelt, eine Anmeldung zur Sozialver- sicherung nicht vornehmen kann (Be- merkung: Studenten, derzeit Berufstätige etc., sind ja meistens so und so schon so- zialversichert.)« Im allgemeinen nähern sich die Hono- rare im Bereich der Erwachsenenbildung dem Entgelt für unqualifizierte Hilfsar- beiten. Elisabeth Rolzhauser: »Österreich ist das einzige Land in der EU, wo priori- täre Dienstleistungen durch das Vergabe- recht geregelt werden. Das Arbeitsmarkt- service muss Aufträge in bestimmter Höhe dem europäischen Wettbewerb unterwer- fen. Das vernichtet eine ordentliche Preis- gestaltung.« War im Jahr das Durch- schnittseinkommen bei freien Dienstver- trägen noch rund 30 bis 35 Euro brutto 2ECHTSINFOßDERßd'" &RAUENß ßDESßd'" "ERATUNGSZENTRUMS .Rßßß&EBRUARß "ISTßDUßA TYPISCHßß ß ß ß &RAUENß ßßßßßßßHABENß:UKUNFT      Zu beziehen ist diese Broschüre in der Flexpower-Beratung, Wipplingerstraße 33, Telefon: 01/534 44-405