Arbeit&Wirtschaft 11/2006 Hintergrund 35 werden. Aus dem Fonds werden dann nach Qualitätskriterien oder auf Grund arbeitsmarktspezifischer Erfor- dernisse (z. B. Ausbildung in zukunfts- trächtigen Berufen, die zu wenig von Betrieben angeboten werden) Mittel an die ausbildenden Betriebe zurück- geführt. 8. Aktive Bildungspolitik notwendig Aber nicht nur am Lehrstellenmarkt ist die Krise unübersehbar. Auch im Bereich der schulischen und hochschulischen Ausbildung ist umfassender Handlungs- bedarf geben. So ist das österreichische Schul- und Hochschulsystem noch im- mer nach sozialen Kriterien hoch selek- tiv und ermöglicht nicht allen Kindern und Jugendlichen die gleichen Bil- dungschancen. Auch werden nach wie vor Tausende BewerberInnen an berufs- bildenden Schulen wegen Platzmangels abgewiesen oder sitzen in überfüllten ersten Klassen. Um dies zu erreichen fordert der ÖGB: ? Den Ausbau des Förderunterrichtes, ? ein flächendeckendes Angebot an ganztägigen Schulen, ? Senkung der Klassenschülerhöchst- zahlen, ? die Erhöhung der SchülerInnenbei- hilfe um mindestens 16 Prozent und An- spruch ab der 9. Schulstufe ? sowie den Ausbau der Schulplätze vor allem in berufsbildenden mittleren und höheren Schulen und deren Öffnung für behinderte Jugendliche. ? Verstärktes Augenmerk auf persön- lichkeitsbildende Inhalte in den Lehr- plänen, insbesondere unter Berück- sichtigung bildnerischer und musischer Fächer. ? Im Hochschulbereich sollte statt Zugangsbeschränkungen mehr Geld zur Verbesserung der Studienbedin- gungen, insbesondere für berufstätige Studierende, eingesetzt werden. ? Bei Zugangsregelungen in einzel- nen Studien wie der Medizin muss der Studieneingang allen Interessier- ten offenstehen bzw. ein völlig freier Uni-Zugang wieder hergestellt wer- den. ? Der besonders für Berufstätige wichtige Sektor der Fachhochschulen muss ausgebaut und mit den Erfah- rungen der letzten Jahre neu ausgerich- tet werden. Das heißt zum Beispiel Ausbau der Fachhochschulen sowie eine strate- gische Planung von Lehrveranstaltun- gen auf Universitäten und Fachhoch- schulen. ? Rücknahme der Studiengebühren. 9. Menschengerechte Arbeit ermöglichen In der sich verändernden Arbeitswelt muss menschengerechte Arbeit gesichert und ausgebaut werden. Der ÖGB fordert dazu: ? Bekämpfung von Fremdenfeindlich- keit und Rassismus. ? Modernisierung des Arbeitneh- merInnenschutzes, Gesundheits-Evalu- ierung von Arbeitszeitbestimmungen auf gesetzlicher und betrieblicher Ebene, die Stärkung betrieblicher Kompetenzen sowie der Aus- und Weiterbildung für ArbeitsmedizinerInnen und Arbeitspsy- chologInnen, Verordnungen wie die zu Heben und Tragen schwerer Lasten, In- dikatoren für Stressprävention im Ge- setz, erzwingbare Betriebsvereinba- rungen zur Integration von Menschen mit besonderen Bedürfnissen am Ar- beitsplatz, Gesundheitsschutz und För- derung für alle ArbeitnehmerInnen. ? Sicherung eines europäischen und na- tionalen Chemikalienrechts zum Schutz der ArbeitnehmerInnen und der Umwelt. ? Förderungen für flächendeckende be- triebliche Gesundheitsförderung mit Schwerpunkt kleine und mittlere Unter- nehmen. ? Barrierefreies Arbeiten und barriere- freie Ausbildung für den Zugang zum Arbeitsmarkt für Menschen mit Behin- derung. ? Nationaler Aktionsplan für alternsge- rechtes Arbeiten. ? Präventions- und Gesundheitsförde- rungsgesetz zur verpflichtenden Zusam- menarbeit aller Sozialversicherungsträger bei der Prävention arbeitsbedingter (Füh- rung AUVA) und anderer Erkrankungen. ? Forschungsschwerpunkt und flächen- deckende Programme für Frauengesund- heit. ? In besonders belastenden Branchen zielgruppenorientierter Gesundheits- schutz sowie kostenlose und anerkannte Berufsaus- und Weiterbildungen. 10. Die EU zur Sozialunion machen Wenn das Vertrauen zu Europa wachsen soll, ist die soziale Vertiefung Europas notwendig. Konkret bedeutet dies insbesondere: ? Soziale Interessen dürfen den Erfor- dernissen des Binnenmarktes nicht unter- geordnet werden. Dies gilt für die endgül- tige Ausgestaltung der Dienstleistungs- Richtlinie ebenso wie für die Sicherung der Daseinsvorsorge und sozialer Dienst- leistungen, die eine besonders wichtige Funktion im Binnenmarkt erfüllen und nicht nach rein marktwirtschaftlichen Ge- sichtspunkten bewertet werden dürfen. ? EU-weite soziale Mindeststandards müssen forciert werden. Das nötige Ins- Gesundheit am Arbeitsplatz fördern