Arbeit&Wirtschaft 11/2006 44 Meinung »Gewerkschaft sind wir alle«, war das Mot- to der Regionalkonferenz in Bischofs- hofen im salzburgerischen Pongau. »Was ist gut für das Mitglied? Welche Strukturen sind die besten, um eine op- timale Leistungsfähigkeit für unsere Mit- glieder zu erreichen«, formulierte ÖGB- Landessekretärin Heidi Hirschbichler die Zukunftsfragen. ÖGB-Landesvorsitzen- der Siegfried Pichler verwies neben dem wirtschaftlichen Dilemma, in dem sich der ÖGB befindet, auch auf das Vertrau- ensdefizit des ÖGB: »Um über die Zu- kunft reden zu können, braucht es eine saubere Aufarbeitung der Vergangenheit. Es ist außerdem unsere verdammte Pflicht, zukunftsfähige Strukturen aufzu- bauen. Zukunftschancen dürfen nicht verloren gehen.« Der aus Wien anwesen- de Vorsitzende der Gewerkschaft der Ge- meindebediensteten, Christian Meidlin- ger, betonte die Bedeutung der Mit- glieder: »Wenn wir heute das Vertrauen der Mitglieder nicht zurückerobern, dann fehlen uns die Mitglieder von morgen!« regionale Betreuung Die Regionalkonferenzen im niederös- terreichischen Waidhofen an der Thaya (Waldviertel) und Amstetten (Most- viertel) zeigten ein wichtiges gemein- sames Problem auf: die regionale Betreu- ung. Dieses Anliegen zog sich wie ein roter Faden durch beide Veranstaltungen. »Wir brauchen eine regionale Betreu- ung!« waren sich die Waldviertler Be- triebsrätInnen und Personalvertrete- rInnen einig. Die Regionalisierung der Gewerkschaft ist gerade für das Waldvier- tel besonders wichtig. »Schauen Sie sich doch nur an, dass umgekehrt heute Abend ja auch kaum Vertreter aus den Zentralen es hier hinauf geschafft haben. Unsere Randlage und die langen Fahrtzeiten darf man einfach nicht unterschätzen«, so zahlreiche Wortmeldungen. Die Be- triebsrätInnen wollen Ansprechpartne- rInnen haben, die die Region und ihre Bedürfnisse kennen. NGOs, Kirche und Non-Profit-Organisationen Auch die rund hundert anwesenden Ge- werkschaftsmitglieder bei der Mostviert- ler Konferenz in Amstetten betonten, dass der ÖGB vor allem stärker in den Regionen und Bezirken vertreten sein müsse und bei der Durchsetzung von Ar- beitnehmerInnen-Interessen mehr mit NGOs, der Kirche und Non-Profit-Or- ganisationen zusammenarbeiten solle. Für heftige Diskussionen sorgte das The- ma Entsendung von Gewerkschaftsver- treterInnen in den Nationalrat, bezahlte Mehrfachfunktionen für Spitzenfunkti- onärInnen und die künftige Organisati- onsstruktur des ÖGB. »Ich bin seit 20 Jahren Gewerkschafts- mitglied und will bei der Reform mitar- beiten. Also bin ich zur Regionalkonferenz gegangen«, berichtet Gerhard Auenhei- mer auf der ÖGB-Internetplattform zur ÖGB-Reformdebatte über seine Erfah- rungen bei den Regionalkonferenzen in Wien-Innere Stadt und Wien-Liesing. Veranstaltung gestört? »Dort habe ich zirka 60 bis 70 Kollegen getroffen. Davon ungefähr ein Drittel Pioniere ... Als dann der Ablauf bespro- chen wurde, kam es in der Theresien- straße (Wien Innere Stadt, Anm. d. Red.) zu einer offenen Disskussion, die aber letztendlich wieder in eine sehr interne Besprechung unter Funktionären aus- artete ... Grundsätzliche Fragen nach der Entwicklung der Arbeitsverhältnisse wur- den abgewürgt ... No na Fragen wurden gestellt ... ärgerlich! Ich bin dann nach eineinhalb Stunden gegangen, weil ich mich als einfaches Gewerkschaftsmitglied deplatziert gefühlt habe ... Erster Gedan- ke: Austreten, das ist nicht meine Welt ... dann darüber geschlafen, und einen zwei- ten Versuch gestartet. So bin ich dann nach Liesing gefahren, um meine Fragen zu stellen. Meine Hauptfrage: Warum verkaufen (verschenken) wir unsere Bank, die ja gut geht? Reiner Kriminalfall? Einige Kollegen haben mir ganz klar gesagt, dass ich mit meinen Fragen die Veranstaltung störe. Kollege Muchitsch (Gewerkschaft der Gemeindebedienste- ten, Anm. d. Red.) hat mir dann im Ein- zelgespräch (!) versprochen, dafür zu sor- gen, dass ich eine Antwort bekomme, die über ›das ist halt so ...‹ hinausgeht ... Also: Ich will eine Urabstimmung, ob die BAWAG verkauft werden soll! Solange wir die Kommunikationsstrategie nach Im Oktober gingen die letzten Regionalkonferenzen des ÖGB zur Reformdiskussion zu Ende. Schwache Beteiligung, aber auch scharfe Kritik bei Diskussionen und auf der Internetplattform des ÖGB zeichneten die Debatte aus. Hier Schlaglichter aus Salzburg, Niederösterreich und Wien: Tabulose Diskussion zur ÖGB­Reform »ich bin seit 20 Jahren Gewerkschaftsmitglied und will bei der reform mitarbeiten.«